Fall Kassandra: Was wird aus Anton K.?
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Fall KassandraWas wird aus Anton K.?

«Ich habe wenig Hoffnung, dass aus einem solchen Jungen jemals ein normaler Mensch wird», ist die knallharte Meinung eines deutschen Kriminalpsychologen. Gemeint ist der 14-jährige Anton K., der verdächtigt wird, die neunjährige Kassandra K. fast zu Tode geprügelt und in einen Kanalschacht geworfen zu haben.

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Während der 14-jährige Anton K. zur Tat weiterhin schweigt, prüft die Staatsanwaltschaft Wuppertal, inwieweit der 14-Jährige überhaupt strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden kann. Zwar ist nach deutschem Recht ein Mensch nach Vollendung des 14. Lebensjahres grundsätzlich strafmündig, doch aufgrund einer «Reife- und Entwicklungsverzögerung» könnte es sein, dass eine «strafrechtliche Verantwortlichkeit nicht gegeben ist», sagte Staatsanwalt Rüdiger Ihl der «Süddeutschen Zeitung».

Nun soll ein psychiatrisches Gutachten Aufschluss darüber geben, ob bei K. eine derartige Entwicklungsstörung vorliegt. «Noch in dieser Woche» soll ein Gutachter bestimmt werden. Mit einem ersten Bericht rechnet Staatsanwalt Ihl erst in «vier bis sechs Wochen».

Keine gute Prognose

Indes zeichnen Psychologen ein Bild der Psyche des 14-Jährigen. Für ein Kind, das so grausame Taten begeht, bestehe wenig Hoffnung, sagt Kriminalpsychologe Christian Lüdke gegenüber dem «Express»: «Ich habe wenig Hoffnung, dass aus einem solchen Jungen jemals ein normaler Mensch wird.» Aus Kindern, die in schwierigen Familienverhältnisse aufwachsen, könnten sich Jugendliche entwickeln, «die keine Gefühle kennen. Sie versuchen, durch Gewalt ihre Ohnmacht in eine Allmacht zu verwandeln.»

In der Regel baue sich das Unrechtsbewusstsein im siebten Lebensjahr eines Kindes aus. Bei Kindern, die in dieser Phase «zum Beispiel missachtet werden», könne es dazu kommen, «dass sie erhöhte kriminelle Energien entwickeln», so Lüdke weiter. «Die sind eiskalt, berechnend und durchtrieben.» Man habe bei den Lebensgeschichten von Serientätern gewisse «Kernsymptome ums 11. Lebensjahr» gefunden: «Sie zündeln, quälen Tiere, machen wieder ins Bett. Treten diese Dinge zusammen auf, ist das Risiko gross, dass der Jugendliche eine extreme Gewaltkarriere einschlägt.» Kriminalpsychologe Lüdke empfiehlt in Ks. Fall eine Therapie. «Aber selbst dann sind solche Fälle meist hoffnungslos», meint er.

Der mysteriöse Fall Kassandra:

Am Abend des 14. September 2009 alarmierten die Eltern der neunjährigen Kassandra im deutschen Velbert die Polizei, weil ihre Tochter nach dem Besuch der Hausaufgabenbetreuung nicht nach Hause gekommen war.

Das Mädchen wurde Stunden später von einem Spürhund während starker Regenfälle in einem rund 1,50 Meter tiefen Schacht ganz in der Nähe ihres Elternhauses entdeckt. Ein Unbekannter hatte die Schülerin fast zu Tode geprügelt, in einen Kanalschacht geworfen und diesen mit einem einem 30 bis 40 Kilogramm schweren Gully-Deckel verschlossen. Bei ihrem Auffinden war das Mädchen nicht ansprechbar, vollständig durchnässt und stark unterkühlt. Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch gab es zunächst nicht.

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