Atom-Klau in Mexiko: Was wollen Diebe mit radioaktivem Material?
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Atom-Klau in MexikoWas wollen Diebe mit radioaktivem Material?

Zum vierten Mal innerhalb von zwei Jahren ist in Mexiko radioaktives Material gestohlen worden. Was sind die Hintergründe? Eine Spurensuche.

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April 2015: Im mexikanischen Bundesstaat Tabasco entwendet eine Bande Container aus einem Laster. Darin: radioaktives Iridium-192, das für industrielle Zwecke genutzt wurde.

April 2015: Im mexikanischen Bundesstaat Tabasco entwendet eine Bande Container aus einem Laster. Darin: radioaktives Iridium-192, das für industrielle Zwecke genutzt wurde.

Keystone/AP/Cnsns
Juli 2014: In Atizapán de Zaragoza im Bundesstaat México wird nach Angaben des Zivilschutzes ein Lastwagen gestohlen, der ein Messgerät mit Iridium-192 geladen hat.

Juli 2014: In Atizapán de Zaragoza im Bundesstaat México wird nach Angaben des Zivilschutzes ein Lastwagen gestohlen, der ein Messgerät mit Iridium-192 geladen hat.

Keystone/AP/Eduardo Verdugo
Juni 2014: Verbrecher klauen radioaktives Material beim Überfall auf eine Lagerhalle. Das Diebesgut wird zehn Tage später wiedergefunden.

Juni 2014: Verbrecher klauen radioaktives Material beim Überfall auf eine Lagerhalle. Das Diebesgut wird zehn Tage später wiedergefunden.

Keystone/str

Am Mittwoch wurde in insgesamt fünf mexikanischen Bundesstaaten der Alarmzustand ausgerufen. Eine kriminelle Bande hatte in der Stadt Cárdenas im Staat Tabasco einen Container mit radioaktivem Material gestohlen.

Erste Ermittlungen zeigten, dass die Diebe einen Laster aufgebrochen hatten, der vor einem Supermarkt parkiert war. Offenbar waren der Chauffeur und sein Begleiter ausgestiegen, um sich etwas zu essen zu kaufen. Das nützten die Diebe aus: Sie liessen alles mitgehen, was sie aus dem Lastwagen mitnehmen konnten – auch eine Metallbox mit Iridium-192, einem gefährlichen Material, das für industrielle Zwecke genutzt wird.

Es gibt eine einfache Erklärung dafür

Der jüngste Vorfall ist der vierte innerhalb von zwei Jahren. Der schlimmste ereignete sich im Dezember 2013 in der Nähe von Mexiko-Stadt. Damals hatten Unbekannte einen Lastwagen überfallen und medizinisches Gerät gestohlen, das hochradioaktives Kobalt-60 enthielt. Und erst im vergangenen Sommer wurde in Atizapán de Zaragoza im Bundesstaat México ein Messgerät mit Iridium-192 aus einem Lastwagen gestohlen.

Die Zeitung «The Washington Post» spricht von einem «bizarren Trend». Doch die Erklärung für die häufigen Atom-Diebstähle ist simpler, als man meinen könnte. Alejandro Cortes Carmona von der mexikanischen Atomenergiebehörde geht davon aus, dass die Verbrecher nicht hinter dem radioaktivem Material an sich her sind. «Die Diebe klauen alles, was sie auf den Lastern finden. Sie wissen nicht einmal, was darin ist. Sobald sie merken, was es wirklich ist, lassen sie es irgendwo liegen.»

Nun wollen die Behörden die Sicherheitsmassnahmen für den Transport von Atom-Material erhöhen. Denn offenbar schüchtern die farbigen Aufkleber mit Atom-Zeichen auf den Lastern die Diebe nicht ein. Eines kann Cortes Carmona aber zur Beruhigung sagen: «Zum Glück haben wir bis jetzt keine Todesfälle zu beklagen.»

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