Aktualisiert 16.10.2018 15:29

Geiselnahme in KölnWas wollte der Täter mit diesen Gepäckstücken?

Eine Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof konnte durch die Polizei beendet werden. Der Täter soll sich zu einer Terroristengruppe bekannt haben.

von
doz/chk/dmo
1 / 8
Am Bahnhof Köln war es am 15. Oktober es zu einer Geiselnahme gekommen.

Am Bahnhof Köln war es am 15. Oktober es zu einer Geiselnahme gekommen.

AFP/Oliver Berg
Dort herrschte deswegen Chaos.

Dort herrschte deswegen Chaos.

epa/Stringer
Diesen Koffer sowie eine Tasche, die beide durch Flammen beschädigt wurden, soll der Angreifer mit sich geführt haben. Was er damit vorhatte, ist unklar.

Diesen Koffer sowie eine Tasche, die beide durch Flammen beschädigt wurden, soll der Angreifer mit sich geführt haben. Was er damit vorhatte, ist unklar.

Twitter/Polizei Köln

Bei der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof ist die Stadt offenbar einem Brandschlag von immenser Zerstörungskraft entgangen. Hätte der inzwischen als Täter identifizierte 55-jährige Syrer seinen Gesamtbestand an Benzin und Gaskartuschen zur Explosion gebracht, wäre bei dem Gewaltverbrechen am Montag ein «weitaus grösserer Schaden» entstanden, sagte Kölns Kripochef Klaus-Stephan Becker am Dienstag vor Journalisten in Köln.

Zugleich wurde bekannt, dass die Bundesanwaltschaft in Kürze die Ermittlungen in dem Kölner Fall an sich ziehen dürfte. Es sei damit zu rechnen, «dass wir dieses Verfahren aller Voraussicht nach übernehmen werden», sagte Markus Schmitt von der obersten Anklagebehörde in Köln. Dies würde bedeuten, dass die Ermittler einem Anfangsverdacht auf einen terroristischen Hintergrund der Tat nachgehen.

Menschen flohen vor Feuerball

Einen Tag nach der Tat zeigte die Kölner Polizei am Dienstag vor Journalisten einen Videomitschnitt aus dem Schnellrestaurant im Kölner Hauptbahnhof, in dem der Syrer am Montagmittag einen Brandanschlag begangen hatte. Auf den Bildern sind Menschen zu sehen, die in Panik vor einem grossen Feuerball fliehen.

Auch veröffentlichte die Polizei ein Bild von zwei Gepäckstücken, die der Täter mit sich geführt hatte. Was er damit vorhatte, ist unklar.

Nach dem Anschlag hatte der Täter einen Grossteil des Brandbeschleunigers und der Gaskartuschen in dem Restaurant zurückgelassen und war aus zunächst ungeklärten Gründen in eine benachbarte Apotheke geflohen. Als er dort später eine weibliche Geisel mit einem Feuerzeug anzuzünden drohte, stürmten SEK-Beamte die Apotheke und schossen den Angreifer nieder.

Nach einer Notoperation befand sich der Mann am Dienstag nicht mehr in Lebensgefahr. Er lag aber im Koma und war für die Ermittler nicht ansprechbar. Bei dem Anschlag und der Geiselnahme wurden ein 14-jähriges Mädchen und die Geisel verletzt. Während die Geisel am Dienstag das Krankenhaus verlassen konnte, musste sich die 14-Jährige einer weiteren Operation unterziehen.

«Kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten»

Nach Angaben des Kölner Kripochefs ist unterdessen zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei dem Täter um den 55-jährigen Syrer handelt, dessen Ausweisdokument am Tatort in der Apotheke gefunden wurde. Der Mann lebt demnach seit März 2015 in Deutschland, die meiste Zeit in Köln. Der anerkannte Flüchtling habe eine Aufenthaltserlaubnis bis Juni 2021.

Der Mann sei in der Vergangenheit «kriminalpolizeilich umfangreich in Erscheinung getreten», sagte Becker. In insgesamt 13 Fällen sei es um Drogen, Diebstahl, Bedrohung, Betrug und Hausfriedensbruch gegangen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien arabische Schriftzeichen mit muslimischem Bezug gefunden worden. Es gebe dabei aber keinen konkreten islamistischen Bezug, insbesondere nicht zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Nach Angaben der Ermittler leben auch der Bruder des Manns und sein Sohn in Deutschland. Seine Frau soll sich demnach aber noch in Syrien aufhalten. Ihre Anträge auf Einreise nach Deutschland seien zweimal «von den zuständigen Stellen» abgelehnt worden.

Zunächst keine Hinweise auf Mittäter

Gegen den 55-Jährigen wurde derweil Haftbefehl unter anderem wegen zweifachen Mordversuchs erlassen, wie die Kölner Staatsanwältin Natalie Neuen mitteilte. Die Ermittler bestätigten zugleich Berichte, wonach an den Gaskartuschen teilweise Stahlkugeln angebracht waren. Bei einer Explosion hätten diese Kartuschen einen «immensen Schaden» angerichtet, sagte Becker.

Laut Polizei lebte der Syrer in einer Kölner Flüchtlingsunterkunft. Einer Arbeit ging er demnach nicht nach, weil er dazu offenbar psychisch nicht der Lage war, wie Becker betonte.

Unklar blieb auch am Tag nach dem Verbrechen zunächst, ob der 55-Jährige Mittäter oder Gehilfen bei seinen Taten hatte. Hinweise auf einen Begleiter bei dem Brandabschlag und der Geiselnahme gab es Becker zufolge zunächst nicht.

(doz/chk/dmo/afp)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.