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Nidwalden passt Notfallplanung anWas würde eigentlich passieren, wäre der Strom tagelang weg?

Der Kanton Nidwalden will dieses Jahr eine zeitgemässe Notfallplanung für einen Strommangel erarbeiten. Denn: Ein Versorgungsengpass kann grosse Schwierigkeiten bereiten.

von
Gianni Walther
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So sah es am Montagabend in Biel aus, nachdem der Strom zeitweise ausgefallen war. 

So sah es am Montagabend in Biel aus, nachdem der Strom zeitweise ausgefallen war.

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Doch was ist, wenn die Stromversorgung nicht nach Minuten oder Stunden wiederhergestellt ist? Was, wenn der Strom tagelang weg ist?

Doch was ist, wenn die Stromversorgung nicht nach Minuten oder Stunden wiederhergestellt ist? Was, wenn der Strom tagelang weg ist?

Martin Messmer
Eine mehrtägige Strommangellage oder Stromausfall können rasch zu Schwierigkeiten führen.

Eine mehrtägige Strommangellage oder Stromausfall können rasch zu Schwierigkeiten führen.

Martin Messmer

Darum gehts

  • Zu den grössten Gefahren im Land gehören laut Risikobericht des Bundes längere Stromausfälle und Kapazitätsengpässe.

  • Der Kanton Nidwalden zum Beispiel kann seine Stromversorgung bei einem solchen Ereignis nicht alleine sicherstellen.

  • 2021 will der Kanton zur Stromversorgung eine neue Notfallplanung erarbeiten.

Naturgefahren, KKW-Unfälle, Anschläge und Angriffe verschiedenster Art oder auch bewaffnete Konflikte – 44 verschiedene Gefährdungsdossiers und Szenarien hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz im Rahmen der Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» (KNS) erarbeitet. Zu den grössten Gefahren im Land gehören gemäss Risikoanalyse des Bundes auch länger andauernde Strommangellagen oder mehrtägige Stromausfälle auf einem grösseren Gebiet.

Im Kanton Nidwalden soll nun 2021 die Notfallplanung der Stromversorgung auf den neusten Stand gebracht werden, wie der Kanton Nidwalden am Donnerstag mitteilte. Auf vieles sei man bereits vorbereitet, sagt der Leiter der Abteilung Zivilschutz Ruedi Wyrsch auf Anfrage. «Das Funknetz Polycom kann beispielsweise mit Notstrom versorgt werden, damit Blaulichtorganisationen und Bevölkerungsschutz kommunizieren können, wenn Telefone nicht mehr funktionieren», so Wyrsch. Ebenfalls vorbereitet seien unter anderem das Kantonsspital, die Kantonspolizei, der kantonale Führungsstab und weitere systemrelevante Einrichtungen. Sie alle verfügen über Notstromversorgungen.

Kein Internet, kein Telefon, kein Geld

Schwierigkeiten gibt es aber für die Bevölkerung: «Viele Privathaushalte verfügen in einem solchen Fall über keinen Strom», sagt Wyrsch. Kochen würde erschwert, so Wyrsch. «Da müsste man auf einen Gaskocher zurückgreifen.» Mit dem Strommangel oder gar Ausfall werde auch «Kommunikation und ein Zugriff aufs Internet zu einer grossen Herausforderung». Auch das Geldabheben am Bancomat, Bezahlen im Laden oder Tanken an der Zapfsäule würden dann schnell zum Problem.

«Es stellt sich auch die Frage nach der Versorgung der Bevölkerung: Wie erhält diese bei einem solchen Ereignis Trinkwasser und Lebensmittel?», so Wyrsch. Für vieles gibt es bereits Lösungen, da man bereits früher solche Vorfälle geübt hat, beispielsweise mit den Gemeindeführungsstäben im Kanton. «Anhand eines Szenarios wird durchgedacht, welche Auswirkungen und Probleme dadurch entstehen können.» Die Erkenntnisse daraus fliessen dann in die Planung mit ein. Bei einer weiteren Übung stehe man möglicherweise vor anderen Problemen, für die es eine Lösung braucht. «So werden die Notfallplanungen kontinuierlich weiterentwickelt.»

«Die Bewältigung eines Ausfalls von Stromversorgungseinrichtungen darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden», sagt der Nidwaldner Landwirtschafts- und Umweltdirektor Joe Christen. Deshalb sei die Erarbeitung einer zeitgemässen Notfallplanung in diesem Jahr vorgesehen. Es stelle sich die Frage, was der Kanton generell unternehmen könne, um der Gefahr einer längeren Strommangellage zu begegnen. Denn: Die Wasserkraft sei bereits zu einem grossen Teil genutzt und Windenergie nur beschränkt verfügbar. Mittels Photovoltaik werde vorwiegend im Sommer Strom produziert. «Es wäre vermessen zu glauben, dass wir in Nidwalden die Stromversorgung alleine sicherstellen können, obwohl wir mit dem Kantonalen Elektrizitätswerk gut aufgestellt sind. Hier sind nationale Lösungen gefragt. Wir werden unseren Teil zur Lösung beitragen.» Das sei auch wichtig, denn die Schweiz importiere im Winter einen bedeutenden Anteil des Stroms aus dem Ausland. Auch die eidgenössische Elektrizitätskommission warnt vor Versorgungsengpässen und sieht Handlungsbedarf bei der inländischen Stromproduktion im Winter.

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