02.06.2018 15:28

Zinsen, Kontogebühren, FrankenkursWas würde sich mit Vollgeld praktisch ändern?

Bei Vollgeld geht es nicht nur um die Frage, wer unser Geld herstellt, sondern auch um Zinsen, Kontogebühren oder den Frankenkurs.

von
ish
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Was würde die Umstellung auf Vollgeld für Konsumenten bedeuten?

Was würde die Umstellung auf Vollgeld für Konsumenten bedeuten?

Keystone/Alexandra wey
Höhere Zinsen? Die Vollgeldinitianten gehen nicht davon aus....

Höhere Zinsen? Die Vollgeldinitianten gehen nicht davon aus....

Keystone/Walter Bieri
... die Gegner einer Reform dagegen schon.

... die Gegner einer Reform dagegen schon.

Keystone/Walter Bieri

Am 10. Juni ist die Abstimmung über die Vollgeld-Initiative. Sie will der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die volle Hoheit über die Geldmenge geben und die Geldschöpfung durch Banken abschaffen. Eine heftige Debatte ist darüber entbrannt, wer unser Geld überhaupt herstellen soll. Was aber hätte eine Annahme der Initiative für praktische Auswirkungen?

• Würden sich die Zinsen ändern?

Das sagen die Initianten: Heute werden die Zinsen durch den Leitzins der SNB und den Wettbewerb zwischen Banken bestimmt. Das bleibt mit Vollgeld genauso. Wenn die SNB den Leitzins niedrig lässt und genügend Geld in Umlauf bringt, bleiben auch die Zinsen niedrig. Etwas höhere Zinsen wären aber für Sparer gut. Kunden hätten neu die Wahl zwischen einem sicheren Vollgeld-Lohnkonto und einem Sparkonto, bei dem sie höhere Zinsen erhalten – allerdings wäre dieses Bankguthaben in einer Krise gefährdet.

Das sagt die SNB: Die Zinsen dürften steigen. Der Grund: Weil das Geld, das Bankkunden auf Kontokorrentkonten halten, nicht mehr für Kredite eingesetzt werden kann. Es stehen somit weniger Mittel zur Verfügung, die die Bank für Kredite einsetzen kann.

• Was ist mit der Kreditvergabe?

Das sagen die Initianten: Kredite werden mit Vollgeld weiterhin von Banken vergeben. Sie haben dafür genügend Geld: durch Eingänge aus Kredittilgungen, von Sparern, anderen Banken oder der Nationalbank. Die SNB bekommt mit Vollgeld den Auftrag, dafür zu sorgen, dass die Wirtschaft durch die Banken mit genügend Geld ausgestattet ist. Im Gegensatz dazu fliessen heute 80 Prozent des Geldes, das Banken erzeugen, in den Finanzmarkt, was zu Kreditklemmen bei KMU führt.

Das sagt die SNB: Unter Vollgeld fehlt für die Kreditvergabe einfach der Teil der Mittel, der heute auf den Kontokorrentkonten vorhanden ist. Das Geld auf diesen Konten kann nicht mehr produktiv eingesetzt werden. Die Banken müssen andere Finanzierungsquellen finden, und die fallen nicht einfach vom Himmel. Und sie sind auch teurer.

• Steigen die Kontogebühren?

Das sagen die Initianten: Banken sind im Vollgeld-System stärker auf das Geld der Sparer angewiesen. Deshalb werden Banken dafür sorgen, dass die Kontogebühren möglichst tief sind, um möglichst viele Kunden anzulocken. Der Wettbewerb würde verstärkt, was zu sinkenden Gebühren führen kann. Wer höhere Gebühren ankündigt, denkt nicht marktwirtschaftlich.

Das sagt die SNB: Weil das Geld der Kunden von der Bank nicht produktiv eingesetzt werden dürfte, würden auch die Gebühren für Bankdienstleistungen steigen.

• Gibt es Folgen für den Frankenkurs?

Das sagen die Initianten: Jede Aussage zu Währungskursen ist ein Blick in die Kristallkugel. Mit Vollgeld kann die SNB genauso wie heute den Frankenkurs beeinflussen und Devisenmarktinterventionen vornehmen. Fälschlicherweise behauptet die SNB das Gegenteil, weshalb wir beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht haben.

Das sagt die SNB: Die Nationalbank hätte dann weniger Möglichkeiten, auf Störungen aus dem Ausland und auf Schwankungen des Wechselkurses zu reagieren. Die SNB dürfte dann keine Devisenmarktinterventionen mehr vornehmen.

• Kommt es weiter zu Immobilienblasen?

Das sagen die Initianten: Vollgeld kann Immobilienblasen nicht verhindern, aber abschwächen. Wichtiger ist jedoch, dass das Geld auf Lohnkonten auch dann noch sicher ist, wenn Banken in Konkurs gehen, und der Zahlungsverkehr weiterläuft, auch wenn eine Finanzblase platzt. Das ist der grosse Gewinn für die Bankkunden.

Das sagt die SNB: Kreditzyklen und Blasen in der Wirtschaft können völlig unabhängig davon enstehen, ob wir nun Vollgeld haben oder nicht. Die Finanzkrise ist ein gutes Beispiel dafür. Es gibt in einer Marktwirtschaft immer wieder Situationen, in denen Risiken falsch eingeschätzt werden.

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