Aktualisiert 15.06.2008 01:33

Kander-Drama«Was zum Teufel hatte die Luftwaffe auf der Kander verloren?»

Die 20 Minuten Online Community ist tief bestürzt über den Unfall mit fünf Todesopfer in der Kander im Berner Oberland. Im Talkback äussern sich die Leser zum Zustand der Schweizer Armee, bekunden ihr Beileid und machen sich Sorgen über die Sicherheit im Militär und diskutieren offene Fragen.

«Als Ex-Kadi einer Aufklärungskompanie verstehe ich nicht, dass man derartige Übungen mit womöglich ungenügendem militärischem Material plant und durchführt, ohne dass Experten in die Planung mit einbezogen werden», schreibt A.P. im 20 Minuten Online Talkback. Nicht nur Material und Abklärung sind ein Thema im Talkback, die Leser fragen sich, was die Truppe überhaupt auf der Kander zu suchen hatte, ist sie doch eine Lufttransporttruppe: «Was zum Teufel hatte die Luftwaffe auf der Kander verloren? Ich bin selber Flpl SI aber unser Kader ist nie im Leben ausgebildet für eine „Böötlitour"». Die Antwort meinen einige, sei fehlende Beschäftigung während der Wiederholungskurse und berichten von ihren WKs: «Ein Teambildungsanlass?!? Denen war doch schlicht stinklangweilig im WK. Da kam so eine lustige Flussfahrt gerade recht. », meint Bruno. Ins gleiche Horn stösst Stefan: «Man sitzt im WK nur rum. Und genau dann werden für die Soldaten "Beschäftigungsprogramme" gesucht. Bei uns waren dass DVD schauen und Badi-Besuche. Die Kander-Opfer gingen halt Riverraften.» Das sehen nicht alle so. Ueli M. meint:«Es ist mir nie langweilig im WK, ohne WK würde in meinem Leben eine Lücke entstehen.»

Kondolenz

Die 20 Minuten Communitiy ist erschüttert über den tödlichen Bootsunfall im Kanderdelta. Viele sprechen im Talkback ihr Beileid aus und Mahnen zur Zurückhaltung mit Schuldzuweisungen. «Mir tun die Hinterbliebenen sehr leid und ich spreche ihnen mein Beileid aus», schreibt Marion. Die Talkbacker sind bestürzt über Schuldzuweisungen aus gewissen Medien, so auch Carol: « Mein Beileid gilt den Hinterbliebenen welche im Moment wohl alles andere besser gebrauchen können als zum Teil eure Beiträge. Solange man nicht genau weiss, wie es zum Unglück kommen konnte sollten vor allem Laien sich mit Schuldzuweisungen zurückhalten.»

Die Schuldfrage beschäftigt dennoch. Viele User sehen das Militär, dessen Gruppendynamik sowie eine gewisse «Wir-sind-harte-Typen-Mentalität» für eine gewisse Risikoblindheit in der Verantwortung: «Ich habe viele Lager im In- und Ausland organisiert. Nie hätte ich etwas unternommen, ohne lokale "Experten" zu konsultieren. In diesem Fall gehe ich von Verantwortungslosigkeit und Selbstüberschätzung aus», so Hugo. Und Karl meint: «Es ist leider die Denkweise, dass die Schweizer Armee die härteste Ausbildung der Welt ist, die immer wieder zu unnötigen Unfällen führt. Dieses "Ich bin der Härteste hier" gehabe ist meistens der Auslöser zu stupiden Aktionen». Stefan ermahnt die Leser, keine Vorverurteilungen zu machen: «River-Rafting gehört bestimmt nicht zu den Kernkompetenzen und die Übung war gewiss leichtsinnig. Trotzdem hat der verantwortliche Kadi Anspruch auf eine faire Behandlung.»

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