«Äusserst selten»: Waschbär mitten in Zürich gesichtet
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«Äusserst selten»Waschbär mitten in Zürich gesichtet

Michael Hill filmte am Samstag einen Waschbären mitten in Zürich. Für Tierexperten ist so eine Sichtung in der Schweiz äusserst selten.

von
mon

Dieser Waschbär wurde am Samstagabend im Zürcher Seefeld gesichtet. (Video: Leser-Reporter)

Michael Hill war am Samstagabend gerade auf dem Weg nach Hause, als er hinter dem Opernhaus im Zürcher Seefeld eine sehr seltene Entdeckung machte: «Plötzlich sah ich vor dem Restaurant Opera einen Waschbären, der sich hinter den Stühlen versteckte», erzählt der 41-Jährige. Als Hill das Tier mit seinem Handy filmen wollte, machte sich der Waschbär aus dem Staub. Das Tier rannte an anderen Passanten vorbei in unbekannte Richtung: «Eigentlich sind Waschbären ja nicht so scheu. Dieser schien aber etwas erschrocken.»

Seine Beobachtung sei ein Glücksfall, so der Zürcher: «Waschbären sind in der Schweiz sehr selten.» Im Ausland hingegen habe er schon einige zu Gesicht bekommen: «Ich kann sie deshalb gut von dem ähnlich aussehenden Dachs unterscheiden.» Seine ausserordentliche Beobachtung veröffentlichte der 41-Jährige nun auf seinem Youtube-Kanal.

«Waschbären sind in der Schweiz sehr selten»

Dass es sich tatsächlich um einen Waschbären handelt, bestätigt Biologin Anouk Taucher auf Anfrage: «Wir waren ganz überrascht, als wir das Video sahen. So eine Sichtung ist in der Schweiz bisher äusserst selten.» Ursprünglich stammen die Tiere aus Nordamerika: «In Deutschland wurden sie für die Pelzverarbeitung importiert», erklärt die Expertin

vom Verein StadtWildTiere.

Weil sie im Laufe der Jahre aus den Pelzfabriken freigelassen wurden oder selbst ausbrachen, stieg die Waschbärenpopulation in Deutschland rasant an: «Vor allem in Kassel sind sie weit verbreitet.» Seither breiten sie sich in Richtung Schweiz aus. Die Waschbären-Sichtung im Seefeld werde man nun an Grün Stadt Zürich weiterleiten: «Die Wildhüter entscheiden dann, welche Massnahmen ergriffen werden.»

«Nicht gefährlich für Menschen»

Dass es sich im Video um einen Waschbären handelt, bestätigt auch Lukas Handschin von Grün Stadt Zürich: «Sichtungen in der Stadt sind aber sehr selten und eher Einzelmeldungen.» Obwohl Waschbären für Menschen keine Gefahr darstellen, solle man sie nicht bedrängen: «Sonst wird er sich verteidigen», erklärt Handschin. Auch füttern sei nicht ratsam: «Weil die Tiere sonst sehr aufdringlich werden können.»

Obwohl der Waschbär eine gebietsfremde Tierart sei, passe er sich äusserst gut an städtische Bedingungen an: «Im Rahmen des Wildtiermanagements haben unsere Wildhüter aber die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich die Tiere nicht unkontrolliert ausbreiten», so Handschin.

Leser-Reporter entdeckte Waschbär im Aargau

Bereits 2016 hatte ein Leser-Reporter in Baden einen Waschbären gesichtet. Der Hündeler entdeckte das Tier auf einem Baum sitzend. Der Waschbär habe interessiert zu ihm geblickt, berichtete der Leser-Reporter. Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd beim Kanton Aargau, sagte damals auf Anfrage, dass es im Kanton Aargau im Schnitt eine Waschbären-Sichtung pro Jahr gebe: «Es handelt sich um einzelne Tiere, die sich in der Gegend befinden», so der Experte.

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Auf dieser Karte sieht man die Verbreitung von Waschbären in der Schweiz. Rot: Sichtungen ab dem Jahr 2000 – Orange: Sichtungen vor 2000.

Auf dieser Karte sieht man die Verbreitung von Waschbären in der Schweiz. Rot: Sichtungen ab dem Jahr 2000 – Orange: Sichtungen vor 2000.

CSCF info fauna
In Deutschland, vor allem in Kassel, sind Waschbären weit verbreitet, erklärt Biologin Anouk Taucher. (Symbolbild)

In Deutschland, vor allem in Kassel, sind Waschbären weit verbreitet, erklärt Biologin Anouk Taucher. (Symbolbild)

Joerg Sarbach
Im Zürcher Seefeld entdeckte Michael Hill am Samstagabend diesen Waschbären.

Im Zürcher Seefeld entdeckte Michael Hill am Samstagabend diesen Waschbären.

Leser-Reporter

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