Hinrichtungen ausgesetzt: Washington will nicht mehr töten lassen
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Hinrichtungen ausgesetztWashington will nicht mehr töten lassen

Ein Häftling rang 24 Minuten lang mit dem Tod. Grund genug für Gouverneur Jay Inslee, während seiner Amtszeit keine Hinrichtungen mehr in seinem Bundesstaat zu akzeptieren.

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sda/mib

Insgesamt 24 Minuten dauerte der Todeskampf des verurteilten Mörders Dennis McGuire, der im Januar in Ohio hingerichtet wurde. Laut seiner Tochter ballte er nach der Injektion der Giftspritze die Fäuste, rang nach Atem und röchelte – Grund für den qualvollen Tod war eine neue Kombination aus Schmerz- und Betäubungsmitteln.

Der Fall brachte die Debatte über die Abschaffung der Todesstrafe in den USA wieder ins Rollen. Und er gab Jay Inslee den Anstoss zum Handeln: Der Gouverneur des US-Bundesstaates Washington will während seiner restlichen Amtszeit keine Hinrichtungen mehr.

«Es gibt zu viele Fehler im System»

Eine zuvor angeordnete Untersuchung zum Thema Todesstrafe unterstützte den Demokraten in seinem Entscheid. Die Studie, bei der Staatsanwälte, Strafverfolgungsbehörden und Angehörige von Mordopfern befragt wurden, kam zum Schluss, dass die Anwendung der Todesstrafe widersprüchlich und ungerecht ist. «Es gibt zu viele Zweifel, zu viele Fehler im System», sagte Inslee.

Washington steht mit seiner temporären Einstellung der Todesstrafe nicht alleine da. Auch andere Staaten wie Oregon haben die Hinrichtungen vorerst auf Eis gelegt. Und Maryland hat die Todesstrafe im vergangenen Jahr als 18. Staat gar ganz abgeschafft.

«Keine Gnade für Todeskandidaten»

Das Moratorium sei nicht gleichzusetzen mit der Begnadigung der neun Häftlinge, die derzeit in dem Bundesstaat im Todestrakt sitzen, sondern als Vollstreckungsaufschub, betonte Gouverneur Inslee. Gegenüber journalgazette.net sagte er: «Ich stelle weder die Schuld der Täter noch das Ausmass ihrer Taten in Frage. Von mir erfahren sie keine Gnade.»

Das Moratorium bleibt bis zum Ende von Inslees Amtszeit im Jahr 2016 in Kraft. Sein Nachfolger könne es jedoch widerrufen und wieder Hinrichtungen durchführen, sagte Inslee gegenüber der «New York Times».

In 32 der 50 amerikanischen Bundesstaaten werden schwere Verbrechen mit der Todesstrafe geahndet. Seit 1976 wurden in den USA nach Angaben des US-Death Penalty Information Centers 1362 Todesurteile vollstreckt. 39 waren es allein im Jahr 2013.

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