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Drama im TösstalWassermangel: Fische sterben in der Töss

Seit geraumer Zeit hat es in der Schweiz nicht mehr geregnet. Was die Sonnenanbeter freut, bringt die Fische in Not: In mehreren Kanton müssen die Fischereiaufseher zahlreiche Forellen, Ellritzen und Grundeln aus ausgetrockneten Bachbetten retten. Die Situation sei ähnlich dramatisch wie im Sommer 2003, sagt der Fischereiadjunkt vom Kanton Zürich.

von
Annette Hirschberg

Die Pegelstände in Schweizer Flüssen sind dramatisch tief. Ganze Bäche sind schon ausgetrocknet. Im Zürcher Tösstal hat die Situation prekäre Ausmasse angenommen: Von Turbenthal bis nach Steg fliesst kein Wasser mehr, neun Zuläufe sind trocken. Nur noch wenige tiefe Tümpel sind im Flussbett zu finden.

Mehrere Hundert Forellen verendet

Seit Mitte August sind Abfischteams in der Töss unterwegs. «Wir haben bereits unzählige Forellen, Ellritzen, Groppen und Bartgrundeln herausgeholt, insgesamt etwa 200 000», sagt Fischereiaufseher Eduard Honold, der täglich mit dem Netz unterwegs ist. Alle Fische konnten aber nicht gerettet werden. «Schon mehrere hundert Forellen sind verendet», sagt Fischereiadjunkt Andreas Hertig.

Bachläufe fallen trocken

Ähnlich dramatisch ist die Situation im Kanton Luzern. Aus dem Gebiet der Luthern mussten bereits hunderte Forellen abgefischt werden. In einem der Nebenarme, dem Elbach, gibt es nur noch einige wenige Kolklöcher mit Wasser. «Mittlerweile ist der Sauerstoffgehalt so gering, dass die Forellen zu ersticken drohen», sagt Hanspeter Vogelsang, Pächter des Fischereireviers Elbach zur «Neuen Luzerner Zeitung».

In den Kantonen Thurgau und Glarus sind bisher mehrere kleinere Bachläufe betroffen, die notfallmässig ausgefischt werden mussten. «Diese Gewässer sind fast jedes Jahr von Trockenheit betroffen, aber der Zeitpunkt ist aussergewöhnlich», sagt Roman Kistler, Leiter Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau. Die Fische bringen die Abfischteams in andere Gewässer, in denen die Verhältnisse besser sind.

Es braucht lang anhaltenden Regen

Für Kistler ist klar: «Regnet es nicht bald stark und lang anhaltend, gibt es eine Katastrophe.» Denn etwas Regen ändert an der Situation nichts. «Das wird von den Böden aufgesogen und erreicht die Gewässer gar nicht», so Kistler. Auch im Kanton Zürich verfolgt man die Wettervorhersagen täglich. «Bis jetzt gibt es keinen Lichtstreifen am Horizont», sagt Andreas Hertig. Für ihn ist klar: Die Situation ist ähnlich schlimm wie im Jahr 2003. «Kommt der Regen nicht bald, spitzt sich die Lage in weiteren Flüssen zu.»

Pegelstände so tief wie seit 1983 nicht mehr

Gemäss dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) liegt im Jura sowie in zahlreichen Flüssen des Mittellandes und der Voralpen eine Niedrigwassersituation vor. Der Wasserstand des Lago Maggiore sei auf einem für die Jahreszeit typischen Wert, die Wasserstände aller anderen grösseren Seen liegen jedoch deutlich darunter. Zu diesem Zeitpunkt im Jahr wurden seit 1983 an den Jurarandseen noch nie solch tiefe Wasserstände beobachtet.

Nicht betroffen von der Trockenheit sind die Wasserläufe in Alpengebieten. «Da es noch relativ warm ist, schmelzen die Gletscher weiterhin ab und sorgen für genug Wasser», sagt Christoph Jäggi, Leiter Abteilung Jagd und Fischerei im Kanton Glarus.

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