Klassenkampf am Río de la Plata - Wasserschweine nehmen Reichen-Viertel von Buenos Aires ein
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Klassenkampf am Río de la PlataWasserschweine nehmen Reichen-Viertel von Buenos Aires ein

Horden von Capybaras haben sich in einer schicken Wohnanlage nahe der Stadt Buenos Aires niedergelassen - und dabei eine Debatte über Umwelt und soziale Kluft ausgelöst.

von
Karin Leuthold

In der schicken Wohnanlage Nordelta nördlich von Buenos Aires haben sich Hunderte Wasserschweine breit gemacht – sehr zum Ärger der Bewohner und Bewohnerinnen.

20 Minuten / Twitter

Darum gehts

  • Seit Tagen machen sich Wasserschweine in der geschlossenen Wohnanlage Nordelta breit.

  • Die Nager fressen das Gras in den gepflegten Gärten der argentinischen Oberschicht.

  • Doch der Rest der Bevölkerung setzt sich für die harmlosen Tiere ein.

Ein kleiner Teil der Bevölkerung von Buenos Aires ärgert sich über Schäden in ihren Gärten – der Rest des Landes lacht sich ins Fäustchen. Seit einigen Tagen haben Horden von Wasserschweine eine der schicksten Gegenden von Buenos Aires eingenommen. Hunderte Nagetiere - in Argentinien «Carpinchos», in der Schweiz Capybaras genannt - spazieren durch die geschlossene Wohnanlage Nordelta nördlich der argentinischen Hauptstadt.

Die wohlhabenden Bewohner und Bewohnerinnen reklamieren nun, dass ihr gepflegter Rasen zerstört, ihre teuren und reinrassigen Hunde gebissen und Verkehrsunfälle verursacht werden. Auch die Exkremente auf dem Areal seien ein grosses Problem.

Doch auf den sozialen Plattformen werden die Reichen dafür belächelt, jeder, der nicht in Nordelta wohnt, verteidigt die «Carpinchos». Nicht ganz zu unrecht und nicht nur aus einer Laune heraus: Nordelta dürfte gar nicht erst gebaut worden sein, die Oberschicht Argentiniens hat sich eine Wohngegend beim Fluss gebaut, obwohl Umweltschützer und -schützerinnen dies stets als Fehler urteilten. Die Anlage steht auf den Feuchtgebieten des Flusses Paraná, dem zweitwichtigsten Fluss Südamerikas nach dem Amazonas.

Der argentinische Umweltaktivist Enrique Viale erklärt in seinem Blog, es sei falsch, das Auftauchen der Wildschweine als «Invasion» zu bezeichnen. «Es ist umgekehrt: Nordelta ist in das Ökosystem der Carpinchos eingedrungen», so Viale, der seit zehn Jahren für ein Gesetz zum Schutz der Feuchtgebiete kämpft.

«Gierige Immobilienentwickler zerstören mit staatlicher Unterstützung die Natur, um ihren Kunden und Kundinnen den Traum eines schönen Lebens in der Wildnis zu bieten», lautet der Vorwurf des Umweltschützers. Die Käufer wünschten sich den Zugang zur Natur, «aber ohne Mücken, Schlangen oder Carpinchos», meint Viale ironisch.

Unterstützung für die Wasserschweine aus Japan

Die Cabybaras sind seit Tagen Thema Nummer eins in argentinischen Medien. Mittlerweile hat sogar die japanische Botschaft in Buenos Aires Partie für die Nager genommen. Auf Twitter heisst es: «In Japan lieben wir Carpinchos! Diese schönen Nagetiere sind in allen Regionen sehr beliebt und haben sogar einen eigenen Animé und baden in den Onsen (heissen Thermalquellen).»

Am Samstag hat schliesslich auch Eduardo Costantini, der argentinische Immobilienmogul und Entwickler von Nordelta, die Wildschweine in einem Post auf Instagram in Schutz genommen: «Carpinchos sind harmlose und herzige Wesen, die die Fürsorge und Liebe von uns allen brauchen

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