Aktualisiert 13.05.2020 06:19

Pestizide im Grundwasser

Wasserversorger fürchten um unser Hahnenburger

Rückstände eines wohl krebserregenden Pflanzenschutzmittels belasten im Mittelland das Grundwasser. Die Wasserversorger warnen davor, dass unser Leitungswasser aufbereitet werden muss.

von
Claudius Seemann, Daniel Waldmeier
1 / 10
Die Karte zeigt die Verbreitung eines Abbauproduktes von Chlorothalonil im Grundwasser.

Die Karte zeigt die Verbreitung eines Abbauproduktes von Chlorothalonil im Grundwasser.

BAFU
In 12 Kantonen wurde der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser überschritten, wie eine neue Analyse des Bundesamts für Umwelt ergab.

In 12 Kantonen wurde der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser überschritten, wie eine neue Analyse des Bundesamts für Umwelt ergab.

BAFU
Das Grundwasser ist mit Abbauprodukten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil «erheblich» verunreinigt.

Das Grundwasser ist mit Abbauprodukten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil «erheblich» verunreinigt.

KEYSTONE/Gaetan Bally

Darum geht’s

  • Laut dem Bundesamt für Umwelt ist das Grundwasser in 12 Kantonen durch Pflanzenschutzmittel-Abbauprodukte stark verunreinigt.
  • Für die Wasserversorgung ist diese Verschmutzung problematisch, weil die Abbauprodukte nur energieintensiv und aufwendig entfernt werden können.
  • Für den Biologen Caspar Bijleveld ist die Analyse des Bundes ein Alarmzeichen
  • SVP-Nationalrat Andreas Aebi beunruhigen die Messungen nicht. In der Landwirtschaft habe längst ein Umdenken stattgefunden

Das Grundwasser ist mit Abbauprodukten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil «erheblich» verunreinigt. In 12 Kantonen wurde der Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser überschritten, wie eine neue Analyse des Bundesamts für Umwelt ergab. «Der Wirkstoff Chlorothalonil wurde in der Landwirtschaft verwendet und daher ist es nicht überraschend, dass Rückstände im Grundwasser gefunden werden», sagt Eva van Beek vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Der Bund hat Chlorothalonil neu als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft und die Anwendung per Anfang 2020 verboten.

Da 80 Prozent des Trinkwassers hierzulande aus Grundwasser gewonnen werden und die Abbauprodukte noch Jahre im Grundwasser bleiben können, ist auch das Hahnenwasser in Gefahr. «Für die Wasserversorger ist die Situation problematisch», sagt Martin Sager, Direktor des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW) gegenüber 20 Minuten. «Man muss alles daran setzen, um zu verhindern, dass Fremdstoffe ins Grundwasser gelangen.»

Teure Aufbereitung des Grundwassers

Sowohl die Wasserversorger als auch die Bevölkerung würden sich möglichst natürliches und wenig aufbereitetes Trinkwasser wünschen. «Das Wasser aufzubereiten und Abbauprodukte von Pestiziden wieder loszuwerden, ist technisch sehr aufwendig, energieintensiv und teuer», so Sager. «Wir begrüssen alle Massnahmen, die den vorsorglichen Schutz der Trinkwasserressourcen stärken», sagt der Direktor des SVGW. «Wir fordern einen verbindlichen Absenkpfad für das Risiko, dass Pestizide und deren Abbauprodukte ins Grundwasser gelangen können.»

Für Biologe Caspar Bijleveld, der die hängige Initiative für ein Verbot künstlicher Pestizide (siehe Box) unterstützt, ist die Analyse des Bundes ein weiteres Alarmzeichen: «Das Pestizidproblem besteht weiterhin. Die Stoffe gelangen ins Wasser und am Ende in unseren Körper und wir haben keine Ahnung, was die Cocktails langfristig machen.» Es brauche ein radikales Umdenken, damit man in Zukunft bedenkenlos Hahnenwasser trinken könne. «Entweder, die Konsumenten kaufen viel mehr Bio und der Markt regelt die Problematik, oder aber die Politik verbietet den Einsatz synthetischer Pestizide und den Import von pestizidbelasteten Lebensmitteln.»

«Finden kann man immer etwas»

Landwirt und SVP-Nationalrat Andreas Aebi ist anderer Meinung. Ihn beunruhigen die Messungen nicht: «Die Analysegeräte werden auch immer besser. Finden kann man immer etwas.» In der Landwirtschaft habe längst ein Umdenken stattgefunden: «Ständiger Druck macht uns nur besser. Ich bin zuversichtlich, dass die Belastung mit den eingeleiteten Massnahmen sinken wird.»

Statt die Bauern an den Pranger zu stellen, müsse man auch die Dosierempfehlungen der Industrie hinterfragen: «Wir haben doch kein Interesse, mehr zu spritzen, als unbedingt nötig. Das kostet doch nur!» Die Corona-Krise habe aber gezeigt, wie wichtig eine eigene Lebensmittelversorgung ist. «Und wir wollen die beste der Welt haben.»

Zwei Initiativen gegen Pestizide

In der Schweiz sind gleich zwei Anti-Pestizid-Initiativen hängig. Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» verlangt, dass die Landwirte keine künstlichen Pestizide mehr ausbringen dürfen. Auch die Einfuhr von Lebensmitteln, die Pestizide enthalten, würde verboten. Die Trinkwasserinitiative verlangt, dass nur noch diejenigen Bauernbetriebe unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen und den Tieren nicht prophylaktisch Antibiotika geben. Der Bundesrat lehnt beide Initiativen ab. Er hat einen Aktionsplan beschlossen, der die Risiken von Pflanzenschutzmitteln reduzieren soll. Zudem soll ab 2022 soll nur noch Direktzahlungen erhalten, wer auf Pflanzenschutzmittel «mit erhöhtem Umweltrisiko» verzichtet.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
138 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Antonio Carreras Hediger

13.05.2020, 10:15

Ich bin doch mehr schockiert über diese unqualifizierten, populistischen Aussagen einiger Stammtischpolterer hier! Keine Ahnung über Chemie, Anatomie oder Biologie, aber gross gegen Bauern und Politiker wettern. Euer Wutbürgertum könnt ihr getrost zu Hause lassen! Als Umweltingenieur berate ich Bauern im Umgang mit Pestiziden. Die haben wirklich Schiss vor euch Wutmob! Und denkt mal darüber nach, welche positiven und negativen (!) Konsequenzen ein Totalverbot von Pestiziden bringt.

Ben

13.05.2020, 10:07

Wenn ich sehe wie die Bauern die Gülle auskippen das noch in der Nähe von Gewässern, mit Pestiziden den Boden vergiften ,dann kann es einem schlecht werden, von den der Kälber Mast ganz zu schweigen da werden die Tiere profilaktisch mit Antibiotika vollgepumt dass sie sich gegenseitig nicht anstecken. Die Aussage es werde nur im Notfall Antibiotika eingesetzt ist eine Lüge.

Peppone

13.05.2020, 10:01

Komisch, ihr glaubt den Politikern nicht, dass der Covid-19 gefährlich ist, glaubt aber, dass das bisschen Pestizid im Wasser euch schaden kann.