Nause zu Anti-Lockdown-Demo: «Wasserwerfer sind der falsche Weg»
Aktualisiert

Nause zu Anti-Lockdown-Demo«Wasserwerfer sind der falsche Weg»

Erneut haben Gegner der Corona-Massnahmen für Samstag zu einer Kundgebung aufgerufen. Die Polizei will mit einem grösseren Aufgebot, aber mit der nötigen Verhältnismässigkeit vorgehen.

von
Simon Ulrich
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Für den kommenden Samstag haben Gegner der Corona-Massnahmen erneut zu einer Demonstration in der Innenstadt aufgerufen.

Für den kommenden Samstag haben Gegner der Corona-Massnahmen erneut zu einer Demonstration in der Innenstadt aufgerufen.

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Polizisten halten Absperrbänder, um Demonstranten vom Bundesplatz fernzuhalten, bei einer Demonstration gegen den Coronavirus-Lockdown, am Samstag, 9. Mai 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Polizisten halten Absperrbänder, um Demonstranten vom Bundesplatz fernzuhalten, bei einer Demonstration gegen den Coronavirus-Lockdown, am Samstag, 9. Mai 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

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Die vergangenen Anti-Lockdown-Kundgebungen konnten jeweils erst nach längerer Zeit aufgelöst werden. Sachliche Gespräche mit den Teilnehmern seien kaum möglich gewesen. «Führen Gespräche nicht zum Ziel, muss die Polizei im Rahmen der Verhältnismässigkeit die nötigen Massnahmen treffen», schreibt die Polizei.

Die vergangenen Anti-Lockdown-Kundgebungen konnten jeweils erst nach längerer Zeit aufgelöst werden. Sachliche Gespräche mit den Teilnehmern seien kaum möglich gewesen. «Führen Gespräche nicht zum Ziel, muss die Polizei im Rahmen der Verhältnismässigkeit die nötigen Massnahmen treffen», schreibt die Polizei.

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Darum gehts

  • Für kommenden Samstag haben Gegner der Corona-Massnahmen erneut zu einer Demo aufgerufen.
  • Die Polizei wird ihr Aufgebot im Vergleich zu den Vorwochen vergrössern.
  • Sie müsse entschlossen, aber auch mit Fingerspitzengefühl vorgehen, sagt der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause.

«Das vom Bund angeordnete Versammlungsverbot gilt nach wie vor, darunter fallen auch Kundgebungen»: Die mahnenden Worte aus der Mitteilung des Berner Gemeinderats kommen nicht von ungefähr: Für den kommenden Samstag haben Gegner der Corona-Massnahmen erneut zu einer Demonstration in der Innenstadt aufgerufen. Bereits am 2. und 9. Mai hatten sich jeweils mehrere Hundert Menschen zu Platzkundgebungen beim Bundeshaus versammelt.

Dass die Demonstranten von ihrem Vorhaben absehen, ist allerdings unwahrscheinlich. So sieht das auch die Kantonspolizei: «Vielmehr muss aktuell davon ausgegangen werden, dass erneut zahlreiche Personen Abstände missachten und die Verbreitung des Virus in Kauf nehmen werden», schreibt sie in ihrer Mitteilung vom Donnerstag.

Polizei vergrössert Aufgebot

Die vergangenen Anti-Lockdown-Kundgebungen konnten jeweils erst nach längerer Zeit aufgelöst werden. Sachliche Gespräche mit den Teilnehmern seien kaum möglich gewesen. «Führen Gespräche nicht zum Ziel, muss die Polizei im Rahmen der Verhältnismässigkeit die nötigen Massnahmen treffen», heisst es weiter.

Will heissen: Wer sich nach den Lautsprecherdurchsagen der Polizei nicht entfernt, muss mit einer Anzeige rechnen. Laut dem Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause wurden am letzten Samstag Dutzende Anzeigen ausgesprochen. «Auch am kommenden Wochenende werden wir Teilnehmende rechtlich zur Verantwortung ziehen», sagt Nause. Ausserdem wird die Polizei ihr Aufgebot vergrössern, wie sie ankündigte.

Bunt gemischtes Publikum

Anti-Lockdown-Demos aufzulösen, sei kein leichtes Unterfangen und brauche eine gewisse Zeit. «Es handelt sich um ein bunt gemischtes Publikum – vom Säugling im Kinderwagen bis zur älteren Dame am Rollator», erklärt Nause. Die Teilnehmenden seien zwar «friedlich, aber renitent». Daher müsse die Polizei mit Entschlossenheit, aber eben auch mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu Werke gehen. «Klar, mit einem Wasserwerfer könnte man die Demo schneller auflösen – aber das erachten wir als falschen Weg.»

Zumal am kommenden Samstag erstmals seit dem Lockdown wieder der Wochenmärit stattfindet und Aussenbestuhlungen möglich sind. Die allmähliche Rückkehr zur Normalität will die Polizei auf keinen Fall stören. «Ein massiver Polizeieinsatz würde auch das Leben all jener, die nicht an der Kundgebung beteiligt sind, unnötig tangieren», so der Sicherheitsdirektor.

Wer sind die Corona-Demonstranten?

Die Gegner der Corona-Massnahmen sind eine heterogene Gruppe von Menschen jeden Alters. Neben jenen, die unter den wirtschaftlichen Folgen des Pandemie-Lockdown leiden, demonstrierten auf dem Bundesplatz auch Impf- und Mobilfunkgegner, Antiglobalisierer und Gegner staatlicher Überwachung. Unter die Demonstranten mischten sich aber auch Anhänger derzeit gängiger Verschwörungstheorien zur Pandemie sowie ein landesweit bekannter Rechtsextremer.

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