Wawrinka scheitert an Gonzalez

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Wawrinka scheitert an Gonzalez

Nach seinem Exploit gegen David Nalbandian (ATP 4) am Vortag musste sich Stanislas Wawrinka (ATP 54) im Achtelfinal in Cincinnati gegen Fernando Gonzalez mit 6:7 (2:7), 5:7 geschlagen geben.

Für Wawrinka war es die dritte Niederlage im dritten Vergleich in diesem Jahr mit dem Olympiasieger im Doppel. Der Romand kann mit dem Abstecher in den US-Bundesstaat Ohio dennoch zufrieden sein: Er hat in Cincinnati gleich viele Partien gewonnen wie an den anderen Masters-Series-Events des Jahres zusammen. Von den letzten elf Partien auf der Tour hat er deren neun für sich entschieden.

Grösster Erfolg der Karriere

Knapp einen Monat nach dem Gewinn seines ersten ATP-Titels (in Umag) feierte Wawrinka mit dem Triumph gegen die Weltnummer 4 den bisher wertvollsten Einzelsieg seiner Karriere. Zuvor hatte er mit Mariano Puerta vor einem Jahr am US Open und mit David Ferrer im Februar in Zagreb zweimal die Nummer 10 der Welt besiegt. Wawrinka kam zu diesem Exploit wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Vor einer Woche schien seine Turnierteilnahme eher unwahrscheinlich. Dann übertrat er sich im Training den Knöchel. Und schliesslich lag er in der Startrunde gegen Jose Acasuso 5:7, 0:2 zurück.

«Aber irgendwie läuft in diesen Tagen alles für mich», so Wawrinka. Der 21-jährige Romand erhält nun die Kompensation für die zweimonatige Pechsträhne (Mai bis Juli), während der er auf seiner besten Unterlage (Sand) sechsmal in der 1. Runde ausschied. Wawrinka: «Zum Glück hatte ich den Mut, wegen einer Wildcard anzufragen. Zuerst schauten mich die Organisatoren mit grossen Augen an. Die Wildcard war für Clément oder Henman vorgesehen gewesen. Dann rutschten diese aber noch ins Feld. Hätte ich nicht gefragt, wären die Organisatoren nie auf mich gekommen.»

Als «Dank» warf Wawrinka nun Aushängeschild und Masters-Sieger Nalbandian aus dem Turnier - mit einer nahezu perfekten Leistung. Wawrinka blieb konzentriert, brachte alle Aufschlagspiele durch und schaffte Breaks zum 4:2 im ersten sowie zum 4:2 und 6:2 im zweiten Satz.

Federer nicht enttäuscht

Und Roger Federer? Der bekam den Exploit seines Davis-Cup- Teamkollegen natürlich mit und freute sich mit dem Landsmann. Die eigene Niederlage gegen den jungen Schotten Andrew Murray hatte er zu diesem Zeitpunkt - anderthalb Stunden nach dem Ausscheiden - bereits verdaut. Federer: «Ich bin nicht enttäuscht, denn es gibt keinen Grund, unzufrieden zu sein. Mir gelang in den letzten Monaten ein schier unglaublicher Lauf. Solange ich über 90 Prozent meiner Einzel gewinne, darf ich zufrieden sein. Diese Niederlage war längst überfällig. Natürlich hätte ich gerne meine Serien (17 Finals in Serie, Ungeschlagenheit in Nordamerika) weitergeführt. Andererseits setzte ich mit der Teilnahme in Cincinnati bewusst viel aufs Spiel.»

Federer hatte sich letzten Sonntag gründlich überlegt, ob die Teilnahme in Cincinnati überhaupt Sinn mache, denn «mir war von Anfang an klar, dass ich das Turnier nicht würde gewinnen können und ich maximal ein paar Runden überstehen könnte.» Um das Double Toronto/Cincinnati zu schaffen (was zuletzt Andy Roddick vor drei Jahren gelang), hätte der 25-jährige Basler zwölf Einzel in 13 Tagen gewinnen müssen. Federer wünschte sich von der ATP entweder eine Woche Pause zwischen den beiden Masters-Series-Turnieren oder aber zumindest ein Erstrunden-Freilos für die Gesetzten. Federer trat in Cincinnati nur an, um «die Organisatoren und meine Fans nicht zu enttäuschen». Und trotz der Niederlage gegen Murray sagte der Schweizer: «Es war richtig, das Turnier zu spielen.»

Die Vorbereitung auf das in anderthalb Wochen beginnende US Open wird durch die Niederlage in keiner Weise beeinträchtigt - obwohl Federer die schwache Aufschlagleistung gegen Murray zu denken gab. Sieben Mal gab die Nummer 1 in zwei Sätzen den Service ab - das war ihr lange nicht mehr passiert. «Der Aufschlag war äusserst frustrierend. Für alles gab es Erklärungen, nur nicht für den Aufschlag. Wie ich serviere, hat ja nichts mit dem Gegner oder dem Platz oder den Bällen zu tun. Ich vermute: Von Zeit zu Zeit gibt es einfach solche Partien, in denen einem wenig bis gar nichts gelingt.»

Und wer gewinnt nun das Turnier? Kann Murray mitreden? Federer: «Er kann. Er spielt sehr gut im Moment. Youngsters spielen immer wieder äusserst gut an einigen Tagen. Die andere Frage aber ist: Können sie eine ganze Woche lang so gut spielen?» (si)

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