SVP-Gegner werben mit Tennis-As: Wawrinka wehrt sich gegen Polit-Kampagne

Aktualisiert

SVP-Gegner werben mit Tennis-AsWawrinka wehrt sich gegen Polit-Kampagne

Die Gegner der Zuwanderungsinitiative nutzen Stanislas Wawrinkas Sieg für ihre Kampagne. Um seine Erlaubnis gefragt haben sie den Tennisstar aber nicht – er distanziert sich von der Kampagne.

von
J. Büchi

Mit dem Slogan «Sieger in Australien – Nr. 1 auf der Welt» nutzen die Gegner der Zuwanderungsinitiative die Euphorie nach dem Sieg von Stanislas Wawrinka für ihre Zwecke. Das Apfelbäumchen, das in der letzten Kampagnenphase noch von einem feindlichen Holzfäller zu Fall gebracht wurde, steht im neusten Sujet des Nein-Komitees zuoberst auf einem Siegerpodest. Die Schweizer Tennisspieler seien «top» – damit es die Schweizer Wirtschaft auch bleibe, müsse die SVP-Initiative abgelehnt werden, so die Botschaft des Inserats. Nur: Wawrinka selber hat nie sein Okay für die Kampagne gegeben.

Bei Wawrinkas Management heisst es auf Anfrage, er nehme in der Öffentlichkeit grundsätzlich nie Stellung zu politischen Angelegenheiten: «Das Inserat ist nicht mit uns abgesprochen. Und wir wünschen auch nicht, dass Herr Wawrinka damit in Verbindung gebracht wird. Er würde sich nie in den Dienst einer politischen Kampagne stellen.»

«Dass man jemanden für politische Zwecke missbraucht, ohne ihn zu fragen, ist eine Unverschämtheit», findet PR-Experte Klaus J. Stöhlker. «Die Gegner der Initiative greifen zu Mitteln, die in der Werbung vor ein paar Jahren noch als höchst unfein galten.» Dass man sich mit fremden Federn schmücken müsse, zeige, wie erbittert der Abstimmungskampf ausgetragen werde. «Economiesuisse hat Angst, dass die Stimmung im Volk noch kippen könnte und die Initiative angenommen wird.»

«Wir werben ja nicht mit Wawrinkas Foto»

Béatrice Wertli vom Nein-Komitee versteht die Aufregung um das Inserat nicht. «Mit Wawrinkas Sieg nehmen wir etwas auf, was die Leute beschäftigt und freut. Wir senden eine positive Botschaft.» Sie sehe nicht, weshalb das ein Problem darstellen sollte: «Wir werben ja weder mit Wawrinkas Namen noch mit seinem Foto.» Man wolle mit dem Inserat lediglich die Vorzüge der Schweiz zur Geltung bringen und die Stimmbürger auf die Wichtigkeit eines offenen Schweizer Arbeitsmarktes aufmerksam machen.

Rückendeckung erhalten die Gegner der Initiative von Kampagnenspezialist Mark Balsiger. Er findet sogar lobende Worte für das Inserat: «Es ist ein geschickter Schachzug und zeigt, dass das Lager der Gegner seine Kampagne sehr agil führt.» Die Initiativgegner versuchten, auf der Erfolgswelle von Stanislas Wawrinka zu surfen. «Das ist clever, weil Stans Sieg in Australien bei uns viele positive Emotionen auslöste.» Dies wiederum ermögliche einen neuen Zugang zur Initiative. Darüber, ob sich die sportliche Begeisterung der Schweizer in zusätzliche Nein-Stimmen an der Urne ummünzen lässt, könne jedoch nur spekuliert werden.

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