Traditionsmarke: WC-Papier-Hersteller insolvent – wird Hakle jetzt verschwinden?

Aktualisiert

TraditionsmarkeWC-Papier-Hersteller insolvent – wird Hakle jetzt verschwinden?

Was bedeutet das Insolvenzverfahren für Hakle und wie geht es jetzt mit der fast hundertjährigen WC-Papier-Firma weiter? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zur drohenden Hakle-Pleite.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Die fast hundertjährige Firma Hakle ist im Insolvenzverfahren.

Die fast hundertjährige Firma Hakle ist im Insolvenzverfahren.

IMAGO/Michael Gstettenbauer
Der Firma geht das Geld aus wegen hoher Energiepreise.

Der Firma geht das Geld aus wegen hoher Energiepreise.

IMAGO/blickwinkel
Mit dem Verfahren geniesst Hakle einen Insolvenzschutz und muss nur noch einen Teil der bestehenden Forderungen seiner Geldgeber erfüllen.

Mit dem Verfahren geniesst Hakle einen Insolvenzschutz und muss nur noch einen Teil der bestehenden Forderungen seiner Geldgeber erfüllen.

imago images/MiS

Darum gehts

Hakle hat als einer der grössten Toilettenpapierhersteller Insolvenz angemeldet. Grund dafür ist laut der fast 100-jährigen deutschen Firma insbesondere die «als historisch zu bezeichnende Energiekrise».

Zudem machen der WC-Papier-Firma auch die höheren Material- und Transportpreise zu schaffen. Diese Preissteigerungen habe man noch nicht in hinreichendem Umfang an die Kundschaft im Handel weitergeben können, so Hakle. Trotz Insolvenzverfahren zeigt sich das Management zuversichtlich. Denn das Verfahren soll in Eigenverwaltung und der Geschäftsbetrieb normal weiter laufen.

20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen, was das für Hakle bedeutet.

Was bringt Hakle das Insolvenzverfahren?

Das Unternehmen erhält Insolvenzschutz und muss nur noch einen Teil der bestehenden Forderungen seiner Geldgeber erfüllen. Meist sind es bis zu 20 Prozent der Ausgangsforderung, wie die deutsche Kanzlei Buchalik Brönnekamp Rechtsanwalte schreibt. Das führe meist zu einem erheblichen Sanierungsgewinn der Firma, der normalerweise steuerfrei ist und das Unternehmen deshalb nicht zusätzlich belastet.

Ist die Zuversicht des Hakle-Managements berechtigt?

«Ja», sagt Rechtsanwältin Kristin Didzoneit von der deutschen Kanzlei Finkbeiner & Druckenbrodt zu 20 Minuten. Das Verfahren in Eigenverwaltung erlaube der Geschäftsführung, weiterhin eigenständige Entscheidungen zu treffen, weil sie die Verfügungsgewalt und Finanzhoheit über das Unternehmen behalte. Sie bekomme einen Sachwalter an die Seite gestellt, dessen Handlungsspielraum sich überwiegend auf Überwachungsaufgaben beschränkt, so Didzoneit. Bei einem normalen Insolvenzverfahren übernimmt die Kontrolle hingegen ein Insolvenzverwalter.

Ist das besondere Verfahren ein gutes Zeichen für Hakle oder stirbt die Marke bald?

«Es ist ein gutes Zeichen», sagt Didzoneit. Denn ein solches Verfahren setze voraus, dass das Unternehmen noch sanierungsfähig ist und somit gute Chancen bestehen, die Markt- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens wiederherzustellen.

Wie geht es jetzt weiter?

Normalerweise findet rund zweieinhalb Monate nach Eröffnung des Verfahrens eine Gläubigerversammlung statt. In dieser stellt der Schuldner den Gläubigern den Insolvenzplan vor und lässt sie darüber abstimmen, wie die Kanzlei Buchalik Brönnekamp Rechtsanwalte schreibt. Das gesamte Verfahren dauere normalerweise zwischen sechs und sieben Monaten.

Was ist deine Lieblings-WC-Papier-Marke?

Was ist mit Hakle in der Schweiz?

Die Produkte von Hakle in der Schweiz sind nicht von der Insolvenz betroffen. Zwischen der Marke Hakle in  der Schweiz und der Firma Hakle in Deutschland besteht keine Verbindung. Hakle in der Schweiz gehört zur WC-Papier-Firma Kimberly-Clark und wird auch von dieser produziert, wie ein Sprecher des US-Unternehmens sagt.

Kommen jetzt immer mehr solche Verfahren?

Davon ist auszugehen. Gemäss einer Studie des Kreditversicherers Allianz Trade ist weltweit und auch in der Schweiz mit einer steigenden Zahl an Insolvenzen zu rechnen. 20 Prozent mehr Insolvenzen prognostiziert die Studie im Vergleich zum Vorjahr. Auch Rechtsanwalt Gaudenz Geiger von der Wirtschaftskanzlei Staiger im Kanton Zürich rechnet mit mehr Insolvenzen wegen der Energiepreise und Lieferprobleme. Zudem hätten in der Pandemie auch Unternehmen Covid-Kredite erhalten, die eigentlich nicht überleben könnten und nun insolvent werden. 

Das ist Hakle

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

98 Kommentare