Lakers-Coach in Rage: «Weber tobte wie eine Bennensau»
Aktualisiert

Lakers-Coach in Rage«Weber tobte wie eine Bennensau»

Zwei Teams ausser Rand und Band, ein Trainer, der auf der Tribüne per Funk coachen muss und ein Fotograf, dem der Schreck in die Glieder fährt: Durch die Playout-Serie zwischen den SCL Tigers und den Lakers muss die Eishockeygeschichte nicht umgeschrieben werden. Aber die Unterhaltung ist vorzüglich.

von
Klaus Zaugg
Christian Weber (oben) hatte keine Lust auf Fotografen. (Bild: Keystone)

Christian Weber (oben) hatte keine Lust auf Fotografen. (Bild: Keystone)

Marcel Bieri ist ein bekannter Berufs-Fotograf, der nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen ist. Seine Arbeitgeber schicken den Emmentaler nicht nur an Sportereignisse wie Eishockeyspiele. Sie haben ihn auch schon in New York eingesetzt und er hat ein bewegendes Fotobuch über das Jahrhundert-Hochwasser von 2007 in Huttwil gemacht. Wenn es rockt und rollt oder brennt und schwemmt im Bernbiet, rückt er mit der Kamera aus.

Doch am Donnerstagabend ist ihm seit langem wieder einmal der Schreck in die Glieder gefahren. Er hatte den Auftrag, für eine grosse Schweizer Tageszeitung ein Foto von Lakers-Trainer Christian Weber auf der Tribüne des hölzigen Ilfisstadions zu machen. Der ehemalige Tigers-Coach Weber darf bekanntlich in der Playout-Serie gegen Langnau nicht an der Bande stehen. Er muss auf der Tribüne Platz nehmen. So ist es bei der Vertragsauflösung mit den SCL Tigers beschlossen und verkündet worden. «Weber tobte wie eine Bennensau, als ich von ihm ein Foto machte», sagte ein sichtlich verdatterter Bieri nach dem Spiel zu 20 Minuten Online. Eine «Bennensau» ist ein zorniges Borstentier, das einfach nicht in den Tiertransporter steigen will. Im Emmental und Oberaargau wird der Ausdruck für jemanden gebraucht, der sich fürchterlich aufregt.

Keine Belästigungen durch Zuschauer

Ansonsten gab es um Weber keine Aufregung. Er sass, wie Langnaus Manager Ruedi Zesiger angekündigt hatte, ganz aussen auf der Medientribüne und wurde dort von den Zuschauern in keiner Weise belästigt, auch nicht verbal. Webers Verdienste für die SCL Tigers bleiben unvergessen. Vor der Medientribüne sass Langnaus Sicherheitschef Ernst «Aschi» Scheiben persönlich und passte auf wie ein Schiesshund, dass ja nichts passiert. Die kluge Vorsichtsmassnahme wäre nicht einmal nötig gewesen. Es war so, wie Zesiger schon vor ein paar Tagen gesagt hatte: Die Emmentaler sind anständig. Deshalb unterliess es Pascal Müller, Kultsportreporter des Lokalradios Neo1, Weber anzufragen, ob er vielleicht während des Spiels zwischendurch als Co-Kommentator aushelfen könnte. Obwohl Müller nicht weit von Weber auf der Medientribune sass. Unwirsch erklärte er: «So etwas hätte sich ganz einfach nicht gehört.»

Hilfloser Tribünen-Coach

Webers Aufregung ist indes verständlich. Was er hilflos oben auf der Tribüne ansehen musste, kann ihm nicht gefallen haben. Seine Lakers holten ein 1:3, ein 2:4 und ein 3:5 auf. Sie führten zehn Minuten vor Schluss 6:5 und verloren trotzdem 6:7. Die Playout-Serie gegen die SCL Tigers steht 1:1. Ein Spektakel sondergleichen. Operetten-Eishockey in seiner schönsten Form. Aber ein Alptraum für jeden Coach.

Es dauerte gut und gerne eine halbe Stunde, bis Weber nach Spielschluss aus der Kabine der Lakers kam (dort darf er sich trotz Bandensperre aufhalten). Er war knurrig und wollte sich zur Sache nicht äussern. Er kennt halt seine Pappenheimer aus der Emmentaler Medienszene und ahnte zu Recht: Was er auch immer zur aktuellen Situation zu sagen hätte, würde zu Polemik umgedeutet.

Eine verlässliche Prognose über den Ausgang dieses Playout-Dramas ist nicht möglich. Fest steht nur eines: Es gibt ein Happy-End: Einer dieser zwei klaren Abstiegskandidaten wird sich retten.

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