Jugendschutz: Webseite knackt YouTube

Aktualisiert

JugendschutzWebseite knackt YouTube

Das weltgrösste Videoportal zeigt viele Clips, die nicht für Minderjährige gedacht sind. Die für sie aufgestellten Hürden lassen sich jetzt aber noch leichter überwinden.

von
Henning Steier

Seit Dezember 2008 geht YouTube nach eigenen Angaben verstärkt gegen Nutzer vor, welche das weltgrösste Videoportal wiederholt dazu missbrauchen, beispielsweise urheberrechtlich geschützte oder nicht jugendfreie Clips einzustellen. Ihnen wird der Account gesperrt. Wie viele Mitarbeiter das zu Google gehörende Unternehmen abgestellt hat, um die hochgeladenen Kurzfilme zu kontrollieren - dazu äussert sich YouTube nicht. Bekannt ist aber, dass User über zehn Stunden Material pro Sekunde auf den Servern ablegen.

Darunter sind naturgemäss auch zahlreiche Clips, die von der Community als anstössig gebrandmarkt wurden. Dies kann man über den «Flag»-Button und mit jedem Video tun. Wer sich dann einen derartig markierten Beitrag ansehen möchte, der sieht ein Fenster, in dem er aufgefordert wird, sich zu registrieren und dabei sein Alter anzugeben - kein besonders probates Mittel, um Jugendliche fernzuhalten. Denn die Altersangabe wird nicht überprüft.

Kein Login mehr nötig

Doch ob bei Facebook, Twitter, YouTube, MySpace oder GMX: Sich überall einen Account zuzulegen und sich die dazugehörigen Login-Daten zu merken, ist für viele User unkomfortabel. Und genau denen kommt jetzt die Seite nsfwyoutube.com entgegen. Die Abkürzung in der URL steht für «Not safe for work». Sie wird gern benutzt, um Kollegen im Betreff einer E-Mail darauf hinzuweisen, dass sie den Anhang nur öffnen sollen, wenn ihnen keiner über die Schulter guckt. Das gilt auch für viele Clips, die bei YouTube zu finden sind.

Wer auf dem Videoportal die oben erwähnte Meldung angezeigt bekommt, kann nun einfach in der Internetadresse des Clips vor dem Wort «youtube» die Buchstaben «nsfw» eintragen und schon wird er auf die Seite geleitet, wo er sich den Beitrag anschauen kann, ohne sich anmelden oder einloggen zu müssen. Im Kurztest von 20 Minuten Online klappte dies in allen Fällen. Die Ergebnisse sind in der obigen Bildstrecke zu sehen.

«Kein schlechtes Gewissen»

Auf nsfwyoutube.com ist unten zu lesen, dass die Seite in keiner Weise zu YouTube gehört. Ein Sprecher des Videoportals wollte sich gegenüber 20 Minuten Online bislang nicht äussern, dafür einer der Macher von nsfwyoutube, der sich Mike nennt und die Internetseite nach eigenen Angaben vor knapp einem Monat ins Netz gestellt hat. «Ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, denn von Nutzern gemeldete Clips lassen sich problemlos auf anderen Webseiten einbetten», sagt Mike, «und nichts anderes macht das Skript, das ich für unsere Homepage geschrieben habe.» YouTube habe sich bislang nicht bei ihm gemeldet.

Dass das Unternehmen handeln sollte, um den Jugendschutz zu gewährleisten, ist für den Berner Sexualpädagogen Bruno Wermuth unabdingbar. Er sieht Mikes Seite aber auch als «einen weiteren Beweis dafür, dass Jugendschutz im Internet eine Illusion ist. Und dass sich Eltern und Erziehungsverantwortliche auf keinen Fall darauf verlassen sollten, dass Filtersoftware oder Schutzvorrichtungen von Anbietern wirklich sicher sind.»

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