Wechsel zu Spartak Moskau: Guillermo Abascal wird für neuen Job kritisiert
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Während Ukraine-KriegWechsel zu Spartak Moskau – Ex-FCB-Coach wird für neuen Job scharf kritisiert

Spartak Moskau hat einen neuen Coach. Es ist Guillermo Abascal, der zuletzt beim FC Basel amtete. Wegen des Angriffskriegs von Wladimir Putins Truppen sind aber nicht alle glücklich über die Entscheidung des Spaniers, nach Moskau zu gehen. 

von
Nils Hänggi

Das letzte Spiel unter der Führung von Guillermo Abascal gewann Rotblau mit 2:1 gegen Lugano. 

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Darum gehts

Diesen Wechsel verstehen nicht alle – überhaupt nicht. Guillermo Abascal, zuletzt Trainer des FC Basel, geht nach Russland und unterschreibt einen Vertrag als Chefcoach von Spartak Moskau. Dies gab der russische Spitzenclub am Freitagmorgen auf Twitter bekannt. Der 33-Jährige verabschiedete sich zuvor selbst auf Social Media vom FCB, schrieb: «Vielen Dank, ich wünsche dem FC Basel das Allerbeste.» 

Eigentlich wollte Basel-Boss David Degen Abascal gerne in der Organisation behalten. Bei der Vorstellung von Frei meinte er, dass der 33-Jährige fortan die U-21 des Vereins übernehmen soll. Er soll die jungen Spieler formen und dafür sorgen, dass wieder einmal ein Junge aus dem Rotblau-Nachwuchs den Sprung in die 1. Mannschaft schafft. So weit kommt es nun aber nicht. Auch wenn es sicherlich schlechtere Aufgaben im Schweizer Profifussball gibt, folgt Abascal dem Ruf aus Russland. 

Zuletzt stand er bei Benefizspiel an der Linie

Dafür erntet er – wie erwähnt – viel Kritik. Viele Fans auf Social Media verstehen nicht, wie der Spanier derzeit nach Russland wechseln kann. Derzeit? Ja. Seit mehreren Monaten führt Russlands Präsident Wladimir Putin einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Unzählige Menschen sind bereits gestorben, Familien wurden auseinandergerissen. Medien wie beispielsweise die «Basler Zeitung» schreiben Kommentare über den Abascal-Wechsel und meinen etwa: «Man muss schon mit einer gewaltigen Portion Ignoranz und Gleichgültigkeit durchs Leben gehen, um diese Entscheidung nachvollziehen zu können.»

Skurril ist auch: Vor nicht allzu langer Zeit stand Abascal bei einem Benefizspiel des FC Basel gegen Dynamo Kiew an der Seitenlinie. Die ukrainische Hymne wurde gespielt, überall im Stadion waren Menschen mit der Ukraine-Flagge zu sehen. Die Einnahmen des Matchs gingen an die Opfer des Angriffskriegs. Und nun der Wechsel nach Russland – zu einem Zeitpunkt, wo viele Fussballer und Trainer das Land fluchtartig verlassen? Ja. Anfragen von 20 Minuten an Abascal bleiben unbeantwortet. 

Einige Fans nehmen den Jung-Trainer derweil auch in Schutz. Ein Twitter-User schreibt: «Der letzte Trainer von Spartak scheint ja ein angenehmer Typ und den hätte ich auch gerne in Basel gesehen.» Er meint damit Paolo Vanoli, der bis Juni Spartak-Coach war. 

Verstehst du den Wechsel von Abascal?

«Das ist ein Witz gegenüber den Fans»

Fakt ist: In der abgelaufenen Saison landete Spartak nur auf Platz zehn – zu wenig für den Club mit der so ruhmreichen Vergangenheit – trotz des Cupsiegs. Auf Abascal wartet nun also eine Menge Arbeit. Derweil sind bereits jetzt auch in Russland nicht alle glücklich mit dem neuen Trainer. Ex-Spartak-Trainer Oleg Romantsev sagte gegenüber RIA Novosti: «Ich weiss nicht, was ich kommentieren soll. Das ist ein Witz gegenüber den Fans, Veteranen und dem Team.» Warum die Verpflichtung ein Witz ist, lässt er offen. 

Eventuell meint Romantsev jedoch die überhaupt nicht gute Bilanz, die Abascal bisher als Trainer vorweist. Als FCB-Trainer hat er nach 16 Spielen einen Punkteschnitt von 1,38 Punkten vorzuweisen. Damit ist er seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 nur wenig besser als Ciriaco Sforza, der vor einem Jahr vom Hof gejagt wurde. Dessen Punkteschnitt betrug als FCB-Trainer nach 31 Partien 1,35. Generell waren nur wenige Trainer schlechter als Abascal (und Sforza). Karl Engel zum Beispiel (1,23, 48 Spiele), Marco Schällibaum (1, drei Spiele) oder Jörg Berger (0,57, 14 Spiele). Und auch bei den Stationen vor Rotblau gab es unter Abascals Führung nie einen langanhaltenden Erfolg. 

Trotz allem: Spartaks Sportdirektor Luca Cattani ist vom Ex-FCB-Trainer überzeugt. «Ich bin überzeugt, dass wir uns für einen der vielversprechendsten Trainer Europas entschieden haben. Trotz seines noch jungen Alters hat Guillermo bereits viel Erfahrung», so Cattani. 

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