Aktualisiert 11.10.2018 13:08

«Breaking Bad» in Oberägeri

«Weder gedealt noch kriminelle Absichten»

In Oberägeri hatte die Zuger Polizei ein selbstgebasteltes Drogenlabor in einer Wohnung entdeckt. Nun meldet sich der Besitzer: Er sei Wissenschaftler und kein Dealer.

von
gwa
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Oberägeri: Im Mai 2018 stiess die Zuger Polizei in einer Wohnung auf ein selbst gebasteltes Chemielabor. Synthetische Drogen – etwa Crystal Meth – sollen dort produziert worden sein.

Oberägeri: Im Mai 2018 stiess die Zuger Polizei in einer Wohnung auf ein selbst gebasteltes Chemielabor. Synthetische Drogen – etwa Crystal Meth – sollen dort produziert worden sein.

Zuger Polizei
Ähnliche Bilder kennt man aus der US-Serie «Breaking Bad». Die beiden Hauptcharaktere Walter White (Bryan Cranston, r.) und Jesse Pinkman (Aaron Paul) schliessen sich in der Serie zusammen, um Crystal Meth zu produzieren.

Ähnliche Bilder kennt man aus der US-Serie «Breaking Bad». Die beiden Hauptcharaktere Walter White (Bryan Cranston, r.) und Jesse Pinkman (Aaron Paul) schliessen sich in der Serie zusammen, um Crystal Meth zu produzieren.

Ursula Coyote
Immer tiefer geraten die beiden ins Drogenmilieu.

Immer tiefer geraten die beiden ins Drogenmilieu.

Ursula Coyote

Ein Nachbar hatte Anfang Mai dieses Jahres die Polizei alarmiert, weil er in der Wohnung im Gebäude nebenan Licht von Taschenlampen sah.

Die Polizei fand jedoch keine Einbrecher, sondern ein selbstgebautes Chemielabor. Experten untersuchten das Labor. Auf den Bildern der Polizei sieht man Schläuche, Apparate, Labor-Glaswaren und viele Kessel mit Warnhinweisen – Chemikalien also. Bilder, wie man sie aus der Hitserie «Breaking Bad» kennt.

«Das stimmt überhaupt nicht»

Mit Schutzanzügen, Handschuhen und Gasmasken betrat die Polizei die Räumlichkeiten. «Ihrer Einschätzung nach handelt es sich um ein Labor, in dem synthetische Drogen, u.a. Crystal Meth, hergestellt werden kann», teilten die Strafverfolgungsbehörden damals mit.

Der Wohnungseigentümer wurde festgenommen. Nun meldet sich Carl Velve zu Wort. Der 41-jährige Investmentbanker beteuert seine Unschuld: «Es ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden und auch die Staatsanwaltschaft scheint fieberhaft in diese Richtung zu ermitteln, dass ich ein Art Walter White bin, ein Krimineller, aber das stimmt überhaupt nicht», sagt er zur «Zuger Zeitung».

Chemikalien legal gekauft

Die Liebe zur Wissenschaft sei der Grund für das selbstgemachte Labor. «Ich konzentrierte mich in den letzten Jahren auf Phenylethylamine, eine Stoffgruppe, die weit in der Natur verbreitet ist, auch Adrenalin gehört dazu», sagt er. Auch Crystal Meth sei Teil dieser Gruppe. Das Ziel des Norwegers: Herauszufinden, welche Reaktionen mit diesen Stoffen möglich sind und welche Modifikationen es davon gibt.

Die dazu nötigen Stoffe habe er legal bei Fachhändlern gekauft: «Diese verkaufen das auch nicht jedem, man muss glaubhaft machen können, dass man damit nichts Illegales vorhat, das konnte ich.» Er habe versucht, sich rechtlich abzusichern. «Ich habe deshalb im Betäubungsmittelgesetz nachgeschaut und auch einen Anwalt konsultiert und es so verstanden, dass es keine rechtlichen Konsequenzen hat, wenn man ohne kriminelle Absicht und nur in kleinen Mengen produziert.»

Velve will Konsequenzen tragen

Neben anderen Stoffen hat er auch Crystal Meth hergestellt – ein einziges Mal, wie er sagt. «Ich habe aber nur sehr wenig produziert und nie etwas davon verkauft», beteuert er. Aber: Er habe Crystal Meth getestet: «Abhängig davon, wie man die Stoffe modifiziert, haben sie unterschiedliche Reaktionen. Das kann man nur herausfinden, indem man sie auch selbst testet.» Einmal spielte er auch mit dem Gedanken, das Produkt zu verkaufen. Die Idee hat er aber wieder verworfen.

«Ich habe weder gedealt noch hatte ich kriminelle Absichten.» Sein Gesuch auf Haftentlassung bis zur Verhandlung wurde abgelehnt. Nun hofft er auf die Justiz: «Ich hoffe, dass dann das Gericht die Faktenlage richtig und unvoreingenommen beurteilt.» Er würde aber die Konsequenzen tragen, falls er einen Fehler gemacht haben sollte.

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