WEF 2005 Gegner schmuggeln Propaganda in «20 Minuten»
Aktualisiert

WEF 2005 Gegner schmuggeln Propaganda in «20 Minuten»

Gegner des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos haben der Berner Ausgabe der Gratiszeitung «20 Minuten» heimlich ein Propagandablatt beigelegt.

Layout und Textstil lassen den Leser leicht an eine redaktionelle Beilage glauben. Die Verfasser der Beilage, die am Freitag in die Gratiszeitung geschmuggelt wurde, schreiben explizit im Namen der Redaktion: «Die 20 Minuten-Redaktion unterstützt die Kampagne gegen das WEF. Denn wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Heraus zur Demo gegen das WEF!».

Der Redaktionsleiter von «20 Minuten» in Bern, Philipp Probst, reagierte umgehend: «Die Redaktion distanziert sich in aller Form von dieser Aussage, wie auch von der ganzen Beilage», schreibt er in einer Medienmitteilung. Die Zeitung, die über Verteilkästen für jeden zugänglich sei, sei aufs Gröbste missbraucht worden.

«Neutrale Berichterstattung»

Denn das Redaktionskonzept sei klar: «Wir machen eine neutrale Berichterstattung.» Auch die Anzeige, die auf der zweiseitig bedruckten Beilage erschienen sei, habe nichts mit «20 Minuten» zu tun. «Redaktion und Verlag behalten sich rechtliche Schritte vor», so Probst.

Nach ersten Abklärungen wurde die gefälschte Beilage nur in Berner Ausgaben eingelegt. Wieviele Exemplare betroffen sind, sei schwierig abzuschätzen, sagte Andreas Szilagyi, Verkaufsleiter von «20 Minuten» in Bern, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. «Wahrscheinlich ist die Anzahl aber gering», hält er fest.

Nicht das erste Mal

Das Blatt sei wohl frühmorgens von Hand in die Zeitungen geschmuggelt worden. «Ich glaube aber, die Leserinnen und Leser merken schnell, dass die Beilage nicht den redaktionellen Richtlinien entspricht: Die Schrift und die Spaltenbreite sind anders als in der übrigen Ausgabe.»

Die Gratiszeitung ist laut dem Verkaufsleiter nicht zum ersten Mal von einer unautorisierten Kampagne betroffen: Bei den Wahlen im vergangenen Jahr habe eine Partei die Titelseiten von rund 15 000 Berner Expemlaren mit Werbung in eigener Sache überdeckt. Sie habe der Zeitung schliesslich den Werbewert zurückzahlen müssen.

(sda)

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