WEF 2023: In Davos verzichten viele Gäste auf Trinkgeld

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WEF 2023«Sie haben für über 400 Fr. gegessen und keinen Rappen Trinkgeld gegeben»

Kein Trinkgeld und Extrawünsche: Knausrige WEF-Gäste sorgen in Davos für Verärgerung. 

von
Lynn Sachs
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«Rund die Hälfte der Gäste haben sehr hohe Ansprüche und verfehlen teils den Ton mit uns Angestellten», sagt  eine Mitarbeitende (28) des Restaurants Stau.

«Rund die Hälfte der Gäste haben sehr hohe Ansprüche und verfehlen teils den Ton mit uns Angestellten», sagt  eine Mitarbeitende (28) des Restaurants Stau.

20min/sac
«Ein Kunde hat mich sogar schon am Arm gezogen, damit ich ihn schneller bediene», erzählt die 28-Jährige. 

«Ein Kunde hat mich sogar schon am Arm gezogen, damit ich ihn schneller bediene», erzählt die 28-Jährige. 

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Im Restaurant Gentiana wollen auch viele WEF-Kundinnen und -Kunden Spezialwünsche anbringen, sagt Geschäftsführer Jens Scheer. «Doch das gibt es bei uns nicht. Was auf der Karte steht, ist nur so erhältlich.»

Im Restaurant Gentiana wollen auch viele WEF-Kundinnen und -Kunden Spezialwünsche anbringen, sagt Geschäftsführer Jens Scheer. «Doch das gibt es bei uns nicht. Was auf der Karte steht, ist nur so erhältlich.»

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Darum gehts

  • Laut Gastro-Mitarbeiterin A. (28) haben viele WEF-Gäste Extrawünsche und geben kaum Trinkgeld.

  • Das sorgt für Verärgerung. 

Die Restaurants in Davos sind während des Weltwirtschaftsforums (WEF) gut besucht. Wie eine Mitarbeitende des Restaurants Stau erzählt, sind viele der internationalen Kundinnen und Kunden sehr fordernd und knausrig. «Rund die Hälfte der Gäste haben sehr hohe Ansprüche und verfehlen teils den Ton mit uns Angestellten», so A.* (28). «Ein Kunde hat mich sogar schon am Arm gezogen, damit ich ihn schneller bediene.»

Gleichzeitig gebe nur rund ein Viertel der WEF-Gäste Trinkgeld. «Am Dienstag war eine Gruppe da, die für 435 Franken gegessen und getrunken hat. Als die Rechnung kam, haben sie keinen Rappen Trinkgeld dagelassen.» An anderen Grossveranstaltungen, wie zum Beispiel dem Spengler-Cup, sei das anders. «Dort machen wir diese Erfahrung nicht.»

Viele Spezialwünsche

Auch Extrawünsche werden oft geäussert, erzählt A. «Einige rufen die Angestellten alle paar Minuten an den Tisch. Einmal wollen sie einen Extrateller, dann mehr Ketchup und so weiter. Das ist anstrengend.» Auch die Gerichte wollen die Kundinnen und Kunden gemäss der 28-Jährigen verändern. «Mehrere Gäste haben schon ein Clubsandwich bestellt, wollten dann aber viele der Inhalte anpassen – keine Sauce, kein Ei, mehr Gurken und so weiter.»

Im Restaurant Gentiana wollen auch viele WEF-Kundinnen und -Kunden Spezialwünsche anbringen, sagt Geschäftsführer Jens Scheer. «Doch das gibt es bei uns nicht. Was auf der Karte steht, ist nur so erhältlich.» Bezüglich Trinkgeld bestätigt er, dass es immer wieder Gruppen gibt, die für mehrere Hundert Franken konsumieren, aber zum Schluss kein Trinkgeld geben. Wie Scheer aber sagt, gleicht sich die Rechnung für die Angestellten schlussendlich aus. «Einige Gäste geben gar nichts, dafür lassen andere sehr viel Trinkgeld liegen.»

Zehn Prozent Trinkgeld bei Kartenzahlung

Die Thematik Trinkgeld handhabt die Davoser Ex-Bar anders. «Auf jede Kartenzahlung schlagen wir während des WEF automatisch zehn Prozent Trinkgeld drauf», sagt Geschäftsführerin D.C.* Das Konzept, das man aus dem Ausland kennt, hat die Bar dieses Jahr zum ersten Mal für das Forum eingeführt. «Über den Trinkgeld-Aufschlag werden die Gäste jeweils informiert. Bis jetzt fahren wir damit ganz gut.» 

Laut C. machte die Bar in anderen Jahren die Erfahrung, dass das Trinkgeld einiger WEF-Gäste sehr gut war, während andere nichts da liessen. Da sei aber nicht der Grund für den neuen Trinkgeldaufschlag. «Wir haben die Preise während des WEF gleich belassen. Mit der automatischen Trinkgeld-Abrechnung profitieren unsere Angestellten etwas vom ganzen Trubel.» 

Reklamationen bezüglich zu wenig Trinkgeld und unfreundlichen Gästen sind Tourismusdirektor Reto Branschi neu. Dass die WEF-Gäste, was das Essen betrifft, anspruchsvoller sind als sonstige Besucherinnen und Besucher, kann Branschi bestätigen. «Da gibt es mal einen Extrawunsch oder zwei», so Branschi.

*Name der Redaktion bekannt

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