Aktualisiert 23.01.2015 10:48

Mit Lichthupe

WEF-Chauffeure drängeln auf der Autobahn

Bei den WEF-Chauffeuren steht Sicherheit an erster Stelle, versichern die Limousinen-Vermieter. Ein Leser-Reporter erlebte allerdings anderes.

von
jeh
EIn Autokonvoi steht auf dem Flughafen Zürich-Kloten bereit, um WEF-Teilnehmer nach Davos zu bringen.

EIn Autokonvoi steht auf dem Flughafen Zürich-Kloten bereit, um WEF-Teilnehmer nach Davos zu bringen.

Ein 24-jähriger Leser-Reporter aus Wil SG war am Mittwochabend von Zürich nach St. Gallen unterwegs, als plötzlich mehrere Autos hinter ihm anfingen zu drängeln. «Ich fuhr auf der linken Spur, als der Fahrer hinter mir plötzlich Lichtsignale machte, damit ich auf die andere Spur wechsle», so der 24-Jährige. Dies tat er dann auch, ohne sich viel dabei zu denken. Das hintere Auto überholte ihn mit überhöhter Geschwindigkeit und reihte sich wieder vor ihm in der rechten Spur ein.

Es vergingen nur wenige Minuten, bis wieder ein Fahrer drängelte. Als sich dies noch einige Male wiederholte, wurde der 24-Jährige auf die Nummernschilder der Autos aufmerksam. «Es waren Audi und Mercedes mit Bündner Nummernschildern», sagt der Leser-Reporter. Einige hätten auch orange Blinklichter auf den Dächern gehabt. Da wurde ihm klar, dass es sich um WEF-Limousinen handelte, die auf dem Weg nach Davos waren. «Sicheres und rücksichtsvolles Fahren sieht für mich anders aus», sagt der Leser-Reporter. Obwohl nicht viel los gewesen sei auf der Strasse, habe er sich unwohl gefühlt. Sein Vater, der rund einen Kilometer vor ihm fuhr, erlebte dasselbe.

WEF ist keine Ausnahme

Für Claudia Notter, Pressesprecherin von Chauffeur Drive Limousinenservice, ist solch ein Verhalten verantwortungslos. «Ein Chauffeur muss sich verhalten wie jeder andere Autofahrer», sagt Notter. Die Sicherheit stehe immer an oberster Stelle. «Wenn einer unserer Chauffeure negativ auffällt, muss er mit Konsequenzen rechnen. Für sein Handeln haftet er selber», so die Pressesprecherin.

Bei der Astro Limousine Service AG in Dübendorf gelten dieselben Spielregeln. «Egal unter welchem Druck die Fahrer stehen, die Verkehrsregeln müssen eingehalten werden», sagt ein Vertreter der Firma. Sollte ein Fahrer von der Polizei gebüsst werden, so müsse er selber dafür aufkommen. Das gelte sowohl bei normalen Fahrten wie auch beim WEF.

Polizei begleitet Konvois

Den Ausnahmezustand während dem WEF in Davos merkt auch die Kantonspolizei St. Gallen. «Häufig begleiten wir Auto-Konvois auf der Autobahn», sagt Kantonspolizei-Sprecher Hanspeter Krüsi. Es komme aber auch vor, dass Konvois ohne Polizeiautos unterwegs seien. «Sollte ein WEF-Chauffeur gegen die Verkehrsregeln verstossen, wird er wie jeder andere Verkehrsteilnehmer gebüsst», sagt Krüsi.

Man gehe allerdings nicht gezielt auf die Suche nach eiligen WEF-Chauffeuren. «Dafür reicht unser Personal momentan nicht aus, weil wir dünn besetzt sind», sagt Krüsi. Das liege daran, dass viele Polizisten der Kapo St. Gallen beim WEF in Davos im Einsatz stehen. «Die Sicherheit in unserem Kanton leidet darunter aber nicht», versichert Krüsi.

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