WEF-Demo: Berner Geschäftsleute verunsichert
Aktualisiert

WEF-Demo: Berner Geschäftsleute verunsichert

Die Absage der WEF-Grossdemonstration in Bern vom Samstag löst bei einem Teil der Berner Geschäftstreibenden Ängste aus.

Andere beurteilen die neue Situation als eher günstig. Alle verlassen sich auf das angekündete Grossaufgebot der Polizei.

«Was da auf uns zukommt, ist ein Buch mit sieben Siegeln», sagte Andreas Hubacher, Präsident Berner Oberstadt-Leist, am Dienstag auf Anfrage. Er fasste damit die Unsicherheit vieler Geschäftsinhaber in der Berner Innenstadt zusammen. Er persönlich gehe eher davon aus, dass sich die Situation durch die neue Ausgangslage etwas entschärft habe.

Umsatzeinbussen und Imageschäden

Mit kleineren, dezentral agierenden Gruppierungen hat die Polizei nach Einschätzung Hubachers ein leichteres Spiel. Es sei zudem beruhigend, dass die Polizei an ihrem Sicherheitsdispositiv festhalten wolle.

Der Polizeikommandant der Stadt Bern, Daniel Blumer, hatte angekündet, dass in Bern «so viele Polizisten wie noch nie» zusammengezogen würden.

Daniel Nicklès, Präsident von Bern Shopping, stellt sich «aufs Schlimmste ein». Er befürchtet Krawalle wie in den Vorjahren. Es sei aber schwierig, den betroffenen Geschäftsleuten einen guten Rat für den kommenden Samstag zu erteilen.

Währenddem sich die ersten Geschäfte in Bahnhofsnähe bereits hinter Bretterwänden verschanzen, will Nicklès sein Geschäft «normal» offen halten - sofern dies an einem Kundgebungs- beziehungsweise WEF-Aktionstag überhaupt möglich sei.

Tatsache sei, dass sich an Demonstrationstagen spätestens gegen Mittag die Innenstadt leere. Dies sei auch bei nicht gewalttätigen Demonstrationen der Fall, so Nicklès. Die Innenstadt-Geschäfte müssten an Demo-Tagen Umsatzeinbussen von 20 Prozent und mehr hinnehmen. Dies habe eine Umfrage von Bern Shopping gezeigt.

Vorsicht bei Bern Tourismus

Bei Bern Tourismus will man die Entwicklung im Laufe der Woche weiterbeobachten und wenn nötig kurzfristig handeln, wie Direktor Markus Lergier sagte. Was die angekündigten «Aktionen des zivilen Ungehorsams» für die Stadt bedeuten, sei nicht abzuschätzen.

Jeder Tourist, der nach Bern komme, wisse, dass Demonstrationen zu einer Bundeshauptstadt gehören. Allerdings habe dies Grenzen: «Wenn Bern brennt, dann ist das enorm Image schädigend.» Lergier wünscht sich, dass sich die WEF-Kritiker auf ihre Botschaft konzentrieren und sich von Gewaltakten distanzieren.

Schlechte Erfahrungen

In den vergangenen vier Jahren kam es in Bern bei bewilligten und unbewilligten Demonstrationen immer wieder zu Sachbeschädigungen.

Am heftigsten eskalierte die Situation nachdem am Abend des 25. Januar 2003 rund 1200 aufgebrachte in Fideris GB gestrandete WEF-Kritikerinnen und Kritiker Bern förmlich überrannten. Es kam zu massiven Strassenschlachten und Plünderungen. Der Sachschaden belief sich damals auf 620 000 Franken.

Seither ist der Umgang mit Demonstrationen in der Bundeshauptstadt ein politischer Dauerbrenner. Als direkte Folge der Uneinigkeit beim Demonstrations-Management musste Gemeinderat und Nationalrat Kurt Wasserfallen (FDP) im Frühling 2003 als Polizeidirektor zurücktreten.

(sda)

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