Muttersöhnchen: Wef-Gegner lässt sich von «Papi» verteidigen
Aktualisiert

MuttersöhnchenWef-Gegner lässt sich von «Papi» verteidigen

Blut ist dicker als Wasser. In einem Strafprozess wegen Landfriedensbruchs hat ein Anti-Wef-Demonstrant (21) auf einen Rechtsanwalt verzichtet. Stattdessen verteidigte ihn sein eigener Vater (48) vor den Schranken.

von
Attila Szenogrady

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl ging auf die unbewilligte Anti-Wef-Demonstration vom 20. Januar 2007 zurück. Damals versammelten sich rund 200 jugendliche

und vermummte Personen in der Zürcher Innenstadt, um gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos zu protestieren. Dabei wurden diverse Gebäude, darunter auch der ehemalige Ratshausposten der Kantonspolizei Zürich, mit zahlreichen Parolen wie «No WEF» oder mit Emblemen wie Sichel und Hammer besprayt. Später folgten weitere Sachbeschädigungen im Zürcher Niederdorf. Wobei sich besonders eine fünfköpfige Gruppe hervortat. Zu ihnen zählte auch der von der Polizei verhaftete Angeklagte. Es handelte sich um einen heute 21-jährigen Praktikanten aus dem St. Galler Rheintal.

Sprayerin «psychisch» unterstützt

Am Donnerstagabend musste sich der Ostschweizer vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Wegen Landfriedensbruchs droht ihm eine bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 30 Franken, also insgesamt 1 350 Franken sowie eine zu bezahlende Busse von 300 Franken. Laut Anklage hatte sich der Beschuldigte im Demonstrationszug mitbewegt und die illegalen Aktivitäten einer Sprayerin mit seiner Anwesenheit «psychisch» unterstützt und mitgetragen.

Vater als Verteidiger

Bei der Befragung zur Sache wich der von einem Augenzeugen belastete Angeklagte wiederholt den richterlichen Fragen aus. Allerdings gestand er grundsätzlich ein, dass er an der Demonstration teilgenommen hatte. Seine schwarze Sturmmaske habe er damals aus zwei Gründen angezogen: einerseits wegen der Kälte, andererseits aus Angst vor rechtsradikalen Fotographen.

Dann ergriff nicht etwa ein Rechtsanwalt, sondern zur Überraschung des Gerichtsvorsitzenden der 48-jährige Vater des Angeklagten das Wort. Er verlangte für seinen Sohn einen vollen Freispruch. So sei sein Kind nicht aktiv bei der Gruppe dabei gewesen, erklärte er. Zudem habe er sich nicht an den Sprayer-Aktionen beteiligt, fuhr er fort. Der Angeklagte sei auch kein subversives Element. So habe er den Militärdienst absolviert, eine Mittelschule abgeschlossen und arbeite heute als Praktikant.

Der zuständige Einzelrichter kam aufgrund der fortgeschrittenen Zeit noch zu keinem Urteil. Allerdings stehen die Chancen für den Angeklagten auf einen Freispruch trotz väterlichen Supports schlecht. So genügt für den breit gefassten Straftatbestand des Landfriedensbruchs bereits die Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration.

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