Aktualisiert 23.01.2008 23:23

WEF im Sog der Finanzkrise

Der Auftakt des WEF in Davos ist ganz im Zeichen der jüngsten Turbulenzen der Weltwirtschaft gestanden.

An einer Podiumsdiskussion noch vor der offiziellen Eröffnung erörterten Experten die drohende US-Rezession und die Folgen für die globale Konjunktur.

Eine Rezession in den USA dürfte die Weltwirtschaft stark verlangsamen. Aber ein Abgleiten der globalen Konjunktur in eine Rezession erwarteten sie nicht, sagten der indische Handels- und Industrieminister Kamal Nath sowie der US-Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini an einer Podiumsdiskussion übereinstimmend.

«Es ist derzeit keine Frage mehr, ob es eine weiche oder harte Landung der Wirtschaft in USA geben wird, sondern nur noch, wie hart die Landung wird», sagte Roubini.

Mittlerweile habe man nicht nur zweitklassige Hypotheken in den USA (subprime), sondern auch ein Subprime-Finanzsystem. Die Welt könne von einer Rezession in den USA nicht abgekoppelt werden. Das könnte höchstens bei einer weichen Landung passieren», sagte Roubini. Denn die Nachfrage aus China und Indien sei zu klein.

China und Indien zu klein

Alleine der US-Konsum habe im letzten Jahr eine Grössenordnung von 9,5 Billionen Dollar erreicht, sagte der Morgan-Stanley-Banker Stephen Roach. Das seien dreieinhalb Mal mehr als Indien und China zusammen auf die Waage werfen könnten. «Die sind noch nicht so weit, die Lücke zu füllen, die der USA-Konsum hinterlässt», sagte Roach.

«Es gibt kein Land der Welt, das jemals soviel konsumiert hat. Wenn das jetzt um 5 Prozent absinkt, haben wir die Mutter aller Rezessionen», sagte Roach.

Keine Wirtschaft könne sich von den USA abkoppeln, sagte der indische Minister Nath. Aber im Gegensatz zu China sei die indische Wirtschaft vom Heimmarkt getrieben.

Zudem habe der Süd-Süd-Handel an Bedeutung gewonnen. Einst seien die USA Indiens grösster Handelspartner mit grossem Abstand gewesen. «Jetzt ist es China», sagte Nath: «Ich sehe nicht, dass die USA alle Wirtschaften der Welt auf Talfahrt bringen.»

(sda)

Bern: 2. Demo am Samstag

Nun scheint klar: Am Samstag kommt es in Bern zur Revanche – das Bündnis für globalen Widerstand will dann seine Anti-Wef-Demo wiederholen. Die Organisatoren um Giovanni Schumacher haben gestern ein entsprechendes Gesuch eingereicht.

Die letzte Demo wurde erst bewilligt, aus Angst vor Ausschreitungen machte die Stadt dann aber kurzfristig einen Rückzieher. Ob Regierung und Kapo diesmal ihren Segen geben, entscheidet sich vermutlich erst morgen. Doch: «Ich bin überzeugt, dass die Bewilligung erteilt wird», gibt sich Schumacher zuversichtlich.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.