CEOs als Flüchtlinge: «WEF-Teilnehmer sollen Ohnmacht erfahren»
Aktualisiert

CEOs als Flüchtlinge«WEF-Teilnehmer sollen Ohnmacht erfahren»

Am diesjährigen WEF können Politiker und Wirtschaftsgrössen am eigenen Leib erfahren, wie es ist, in einem Flüchtlingslager zu leben. Die Simulation soll unter die Haut gehen.

von
Dorothea Vollenweider
Am WEF 2012 wurde Brian Hill der Newmont Mining Corporation während der Simulation von einem Soldaten untersucht.

Am WEF 2012 wurde Brian Hill der Newmont Mining Corporation während der Simulation von einem Soldaten untersucht.

Flüchtlingslager statt Nobelhotel: Im offiziellen Programm des Weltwirtschaftsforums (WEF) findet sich dieses Jahr eine Flüchtlingslager-Simulation. «Die Teilnehmer sollen das Gefühl der Ohnmacht erfahren, das den Alltag so vieler Flüchtlinge bestimmt», sagt David Begbie von Crossrads Foundation zu 20 Minuten. Als Director of Experimental Programs ist er für die Simulation des Flüchtlingslagers zuständig. Es ist eine aussergewöhnliche Simulation, die in Zusammenarbeit mit Flüchtlingen kreiert und umgesetzt wird.

Die Installation ist fast 300 Quadratmeter gross und soll die Wirtschaftsgrössen und Politiker der Welt auf ein Problem aufmerksam machen, das immer grösser wird: Flüchtlingsströme. Laut der UNO-Organisation für Nothilfe (OCHA) soll sich die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien im kommenden Jahr auf mehr als vier Millionen verdoppeln. Die 75-minütigen Simulationen finden als Teil des Open Forums dreimal täglich statt. Sie soll so echt wie möglich wirken – dafür sorgen neben einer lebensechten Umgebung Schauspieler und Special Effects.

«So unbequem wie möglich»

«Man ist mittendrin und erlebt alles hautnah mit», sagt Begbie über die Simulation. Wer daran teilnimmt, wird zu Beginn ein Haus betreten, das in einem kleinen Dorf in Syrien stehen könnte. In der Stube sitzen Schauspieler und es läuft Musik. Dann folgt laut Begbie eine Explosion. Soldaten erscheinen und die Teilnehmer werden an einen sogenannten Check-Point gebracht. «Dabei werden den Teilnehmern einige Unannehmlichkeiten widerfahren – es soll so unbequem wie möglich sein», erklärt Begbie. Nach dem Check-Point erlebe man noch den Alltag in einem Flüchtlingslager. Die Simulation stösst bereits auf grosses Interesse – obwohl man sich erst am Sonntag offiziell dafür anmelden kann, liegen Begbie bereits 60 Reservationen vor. Pro Vorführung können 20 Leute teilnehmen.

Die Simulation fand bereits in den vergangenen Jahren während des WEF statt. Dieses Jahr wurde sie jedoch offiziell ins Programm des Open Forums aufgenommen, da das Problem so aktuell wie nie zuvor sei. Das Open Forum soll auch kritischen Fragen zur globalen Wirtschaft eine Plattform bieten.

Deine Meinung