Aktualisiert 20.11.2013 07:23

Primarschule«Weg mit Französisch – Englisch genügt!»

Schweizer Lehrverbände wollen nur noch eine obligatorische Fremdsprache an den Primarschulen. Die 20-Minuten-Leser sehen das ähnlich – sie würden den Französischunterricht abschaffen.

von
viw
Die Leser von 20 Minuten sprechen sich klar für den Englisch- und gegen den Französischunterricht an Primarschulen aus.

Die Leser von 20 Minuten sprechen sich klar für den Englisch- und gegen den Französischunterricht an Primarschulen aus.

In ihrer Eingabe zum Lehrplan 21 fordern die Schweizer Lehrverbände die Abschaffung einer zweiten Fremdsprache an Primarschulen. Die Leser von 20 Minuten schliessen sich dieser Meinung zu grossen Teilen an, wie eine rege Diskussion zeigt. Mehr als 340 Kommentare gingen zum Thema ein – die Mehrheit der Verfasser ist sich einig: Französisch soll abgeschafft werden, Englischunterricht ist ein absolutes Muss.

Jean Pierre vertritt in seinem Kommentar eine drastische Meinung – steht jedoch alles andere als allein damit da: «Weg mit Französisch, das braucht keiner. Ich wette, die meisten von den jüngeren Generationen würden Englisch in der Westschweiz reden, weil sie Französisch einfach nicht so gut können und man es auch kaum antrifft im Alltag. Dafür wäre es besser, Englisch noch mehr zu fördern. Die Jungen tun das heute auch von alleine, mit dem Internet und den Serien auf Englisch.»

Französisch ist Basis für andere Sprachen

Leser «R.B.» vertritt eine ähnliche Ansicht und begründet diese folgendermassen: «Sprachen kann man nicht beherrschen, wenn man nur in der Schule den Unterricht besucht. Flüssig wird man nur, wenn man täglich übt und die Sprache anwendet. Das ist bei Englisch kein Problem, da es nahezu omnipräsent ist (Computer, TV, internationale Bekanntschaften). Bei Französisch hingegen ist dies für die wenigsten Deutschschweizer der Fall. Lieber Englisch in den Vordergrund rücken und dann nach der Primar eine Fremdsprache einführen, die den individuellen Interessen der Schüler entspricht.»

Den Französischunterricht in der Primarschule abzuschaffen ist für Leser «Berner Bär» keine Option: «Französisch muss bleiben, auch wenn die Sprache bei den Schülern nicht sehr beliebt ist. Erstens ist es eine Landessprache und trägt zum inneren Zusammenhalt bei, und zweitens ist eine romanisch-lateinische Sprache immer eine gute Basis für weitere Sprachen. Ich habe so nachträglich Italienisch und Rätoromanisch gelernt.»

Mehrsprachigkeit des Landes soll genutzt werden

Leser «Student, 24» sieht das ähnlich: «Kippt Französisch nicht raus! Englisch ist wichtig, aber man lernt es heute schon fast nebenher und es ist nicht schlimm, erst in der Oberstufe damit zu beginnen. In Zukunft wird Englisch Allgemeinwissen sein und man wird sich nur mit anderen Fremdsprachen besser positionieren können. Psychologisch sinnvoller: zuerst die schwierigere Sprache, dann die leichtere.»

Leser «Tonyy» würde Französisch und Italienisch zwar nicht unbedingt in den normalen Schulalltag einbinden – völlig ausser Acht lassen sollte man sie seiner Meinung nach aber dennoch nicht: «Wenn wir schon das Glück haben, in einem Land zu Leben, in dem mehrere Sprachen gesprochen werden, warum schicken wir die Schüler nicht für zwei Monate in einen anderssprachigen Kanton, wo sie den gleichen Stoff haben, aber auf Französisch/Italienisch? Lieber zwei Monate intensiv als acht Jahre lang zwei Stunden pro Woche.»

Problem liegt bei den Lehrern

Einige Leser sprechen sich gänzlich gegen das Erlernen einer Fremdsprache in der Primarschule aus: «Konzentriert euch erst mal darauf, eure Muttersprache richtig zu erlernen. Heute sind viele Schulabgänger nicht mal mehr in der Lage, einen kurzen fehlerfreien Text zu schreiben», schreibt Brigitte. «Elba» sieht das ganz ähnlich: «Schön wäre es, wenn die Kinder wenigstens die deutsche Sprache richtig lernen würden. Stattdessen fabuliert man über ‹Kompetenzen›. Wobei offensichtlich nicht einmal die bildungspolitischen Schreibtischtäter wissen, was sie damit meinen.» Doch Heinz Herig sieht das völlig anders: «Ein ernstzunehmendes Bildungssystem fördert Fremdsprachen.»

User «Hofstadter» glaubt nicht – wie die Schweizer Lehrerverbände – dass den Schülern zu anspruchsvolle Ziele gesetzt werden. Er sieht den Ursprung des Problems an anderer Stelle: «Wenn jemand überfordert ist, sind es die Lehrer. Einerseits schreien alle nach Entakademisierung des Lehrberufs, stellen wie wild Quereinsteiger ohne fachliche und pädagogische Erfahrung ein und andererseits wundert man sich dann, dass es mit den Schülern nicht so klappt, wie man sich das vielleicht vorgestellt hatte. Ein Lehrer ohne Fachqualifikation (und diese ist gerade im Fremdsprachenunterricht essenziell) steht mit heruntergelassenen Hosen vor der Klasse. Anstatt in den Sprachaufenthalt zu gehen, schafft man dann lieber eine Fremdsprache ab.»

Die gesamte Diskussion lesen Sie im Anschluss.

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