Aktualisiert 25.05.2010 06:16

Adliswil ZH

Wegen 1 km/h in Teufels Küche

Eine gestresste Autolenkerin aus Adliswil ist mit rund 96 km/h statt 60 km/h in eine Radarfalle geraten. Vor dem Obergericht hat die Studentin vergeblich ein grobes Verkehrsdelikt in Abrede gestellt.

von
Attila Szenogrady

«Ich musste einen Mietvertrag unterschreiben und war zu spät dran», erinnerte sich die heute 25-jährige Studentin aus Adliswil an den 28. April 2008 zurück. Damals fuhr sie am Nachmittag mit einem Land Rover durch Hausen in Richtung Albispass. Auf der Höhe des Weilers Riedmatt passierte es: Bei einer Tempogrenze von 60 km/h tappte die Lenkerin mit rund 96 km/h in eine Radarfalle der Polizei.

Wegen 1 km/h in Teufels Küche

Die Adliswilerin hatte in der Folge Pech im Unglück. So hatte sie nach einem Toleranzabzug von 5 km/h wegen eines einzigen Stundenkilometers die Grenze zu einem groben Verkehrsdelikt gerade noch überschritten und geriet damit mit einer Strafuntersuchung in Teufels Küche. Hinzu kam eine einschlägige Vorstrafe vom September 2006. Damals hatte die junge Frau ebenfalls ausserorts die Tempogrenze um 40 km/h überschritten.

Im April 2009 bekam die rückfällige Schnellfahrerin am Bezirksgericht Affoltern die Schärfe des Gesetzes zu spüren. Sie wurde wegen eines groben Verkehrsdeliktes zu einer unbedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 90 Franken verurteilt. Zudem sollte sie die Gerichtsgebühr von 1200 Franken tragen. Nicht zuletzt drohte ihr erneut der Entzug des Führerausweises.

Plädoyer gegen 60er-Tafel

Die fehlbare Temposünderin legte Berufung ein und wehrte sich kürzlich am Obergericht gegen den Schuldspruch wegen eines groben Verkehrsdeliktes. Sie habe ihre Geschwindigkeit gar nicht wahrgenommen, erklärte sie. Verteidiger Marcel Bühler ging von einer einfachen Verletzung aus und verlangte eine Busse von 800 Franken. Der Rechtsanwalt vertrat die Auffassung, dass schon alleine die konkreten Umstände seine Mandantin entlasten würden. Er hielt dabei ein Plädoyer gegen die 60er-Tafel, die an jener Stelle unangemessen und völlig übertrieben sei. Die meisten Häuser des Weilers seien nämlich unbewohnt, sagte Bühler. Es sei ein Ort, «wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen». Bühler stellte damit die von der Anklage geltend gemachte erhebliche Gefahr in Abrede und damit auch ein grobes Verkehrsdelikt.

Schuldspruch bestätigt, Strafe halbiert

In seinem nun eröffneten Urteil hat das Zürcher Obergericht den Schuldspruch des Bezirksgerichts Affoltern bestätigt. Auch für die Berufungsinstanz war es eben ein Stundenkilometer zu viel. Damit lag ein grobes Verkehrsdelikt vor.

Bei der Strafzumessung kamen die Richter der Lenkerin jedoch entgegen und halbierten die erstinstanzliche Geldstrafe auf 15 Tagessätze zu 90 Franken, womit sie nur noch 1350 Franken bezahlen muss. Hinzu kommen vier Fünftel der Berufungskosten in Höhe von 3000 Franken. Immerhin wurde ihr für die Strafreduktion eine Prozessentschädigung von 400 Franken zugesprochen. Besonders schmerzen dürfte sie aber der bald zu erwartende Entzug ihres Führerausweises.

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