Zürich: Wegen Bagatellfällen in den Notfall – Zürcher Notfallstationen am Limit

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ZürichWegen Bagatellfällen in den Notfall – Zürcher Notfallstationen am Limit

Die Zürcher Gesundheitsdirektion ruft die Bevölkerung auf, bei nicht lebensbedrohlichen Notfällen zuerst den Hausarzt zu konsultieren – und nicht direkt in die Notaufnahme zu gehen.

von
Daniel Krähenbühl
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Wie die Zürcher Gesundheitsdirektion schreibt, verzeichnen Zürcher Spitäler derzeit einen ungewöhnlich hohen Zulauf auf den Notfallstationen.

Wie die Zürcher Gesundheitsdirektion schreibt, verzeichnen Zürcher Spitäler derzeit einen ungewöhnlich hohen Zulauf auf den Notfallstationen.

20min/Marco Zangger
Die starke Auslastung auf den Notfallstationen sei auf Bagatellfälle zurückzuführen.

Die starke Auslastung auf den Notfallstationen sei auf Bagatellfälle zurückzuführen.

sac
«Zuerst sollte immer die Hausarztpraxis kontaktiert werden. Ist diese nicht verfügbar, empfehlen wir allen Patientinnen und Patienten, die sich nicht in Lebensgefahr befinden, das Aerztefon zu kontaktieren», so Josef Widler, Präsident Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ).

«Zuerst sollte immer die Hausarztpraxis kontaktiert werden. Ist diese nicht verfügbar, empfehlen wir allen Patientinnen und Patienten, die sich nicht in Lebensgefahr befinden, das Aerztefon zu kontaktieren», so Josef Widler, Präsident Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ).

20min/Marco Zangger

Darum gehts

Die Zürcher Spitäler verzeichnen derzeit einen für diese Jahreszeit ungewöhnlich hohen Zulauf auf den Notfallstationen. Das teilt die Zürcher Gesundheitsdirektion am Dienstag mit. Die starke Auslastung in den Notfallstationen sei auf Bagatellfälle zurückzuführen respektive nicht unmittelbar lebensbedrohliche Notfälle, die in Hausarztpraxen behandelt werden könnten. 

Die momentan grosse Beanspruchung sei den eingeschränkten personellen Kapazitäten geschuldet – etwa dem Fachkräftemangel, der anhaltend hohen Belastung in den vergangenen zweieinhalb Jahren der Pandemie und krankheitsbedingten Ausfällen des Personals – sowie einem leichten Anstieg von COVID-Patientinnen und -Patienten. Zudem seien Hausärztinnen und Hausärzte in den Sommermonaten traditionell weniger präsent.

Die Gesundheitsdirektion, der Verband der Zürcher Krankenhäuser und die Zürcher Ärztegesellschaft bitten daher die Bevölkerung bei nicht lebensbedrohlichen Notfällen zuerst die Hausärztin oder den Hausarzt und bei derer Abwesenheit das Aerztefon, einen kostenlosen medizinischen Service, über die Nummer 0800 33 66 55 zu konsultieren.

Hausarzt konsultieren, um Wartezeit zu vermeiden

Christian Schär, Präsident Verband Zürcher Krankenhäuser (VZK): «In der Notfallmedizin wird jeder Fall nach Dringlichkeit gewichtet, weshalb in den Notfallstationen der Zürcher Spitäler aufgrund der aktuell hohen Auslastung durch nicht lebensbedrohliche Fälle leider mit längeren Wartezeiten zu rechnen ist. Diese Wartezeit können Patientinnen und Patienten verhindern, wenn sie sich an die Hausarztpraxen und das Aerztefon wenden, sofern kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt.» Laut Schär definiert jedes Spital Bagatellfälle unterschiedlich. «Grundsätzlich benötigen jedoch Bienenstiche bei Nicht-Allergikern, Verstauchungen oder leichte Schnittwunden am Finger keinen Gang in den Notfall.»

Josef Widler, Hausarzt, Präsident Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) und Verwaltungsratspräsident Aerztefon AG: «Zuerst sollte immer die Hausarztpraxis kontaktiert werden. Ist diese nicht verfügbar, empfehlen wir allen Patientinnen und Patienten, die sich nicht in Lebensgefahr befinden, das Aerztefon zu kontaktieren. Dort erfolgt eine medizinische Beurteilung durch geschultes Personal und Ärzte sowie eine Vermittlung der passenden medizinischen Versorgung.»

Die Notfallversorgung der Zürcherinnen und Zürcher sei aber sichergestellt, versichert Jörg Gruber, stellvertretender Leiter des Amtes für Gesundheit (AFG) und Abteilungsleiter Versorgungsplanung AFG. « Wir beobachten die weitere Entwicklung genau und sind dabei im engen Austausch mit den Verbänden und Institutionen.»

Gebühr für Bagatellfälle auf Notfall

Wegen Bagatellfällen auf den Notfall: Im Zürcher Kantonsrat ist derzeit eine Motion hängig, die eine Einführung einer Gebühr für Bagatellfälle auf der Spitalnotfallaufnahme fordert. So sollen die Notfallstationen entlastet werden. Eine Notfallgebühr auf kantonaler Ebene verstiesse jedoch gegen Bundesrecht. Damit die kantonsrätliche Motion gesetzeskonform umgesetzt werden kann, müsste daher zuerst eine nationale Grundlage geschaffen werden.

Auf Bundesebene fordert Nationalrat Martin Bäumle mittels einer Parlamentarischen Initiative eine Gebühr für die Spitalnotfallaufnahme und die Anpassung der gesetzlichen Regelungen. Die Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats (SGK-N) hat im Mai dieses Jahres entschieden, dem Nationalrat die Parlamentarische Initiative zur Abschreibung zu empfehlen. Der Nationalrat entscheidet voraussichtlich in der Herbstsession.

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