09.11.2020 05:07

FHNW-Studenten protestieren«Wegen Corona haben wir keine Zeit mehr zu lernen»

Über 500 Studenten des Bachelor-Studiengangs Life Sciences müssen in diesem Semester ihre Prüfungen früher als gewohnt ablegen. Das sorgt bei den Betroffenen für Ärger und Frust.

von
Lukas Hausendorf
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Über 500 Life-Sciences-Studierenden an der Fachhochschule Nordwestschweiz steht ein strenger Semesterschlussspurt ins Haus.

Über 500 Life-Sciences-Studierenden an der Fachhochschule Nordwestschweiz steht ein strenger Semesterschlussspurt ins Haus.

Foto: Gataric Fotografie
Wegen Corona wurden die Laborpraktikas verschoben und dafür die Semesterprüfungen vorgezogen. Diese finden statt im Januar neu vor Weihnachten statt.

Wegen Corona wurden die Laborpraktikas verschoben und dafür die Semesterprüfungen vorgezogen. Diese finden statt im Januar neu vor Weihnachten statt.

Gataric Fotografie
«Es ist ein Skandal», kommentiert eine Studentin den Entscheid. «Normalerweise haben wir acht Wochen Zeit, um uns auf die Prüfungen vorzubereiten, jetzt sind es nur noch zwei.»

«Es ist ein Skandal», kommentiert eine Studentin den Entscheid. «Normalerweise haben wir acht Wochen Zeit, um uns auf die Prüfungen vorzubereiten, jetzt sind es nur noch zwei.»

FHNW

Darum gehts

  • Die Corona-Massnahmen haben an der Hochschule für Life Sciences den Semesterplan durcheinander gewirbelt.

  • Vergangenen Montag wurden die Studierenden informiert, dass ihre Semesterprüfungen einen Monat vorgezogen werden.

  • Nach Protesten der Studierenden diskutiert die Studienleitung nun über «konstruktive Vorschläge».

«Es ist ein Skandal», sagt die Studentin. «Normalerweise haben wir acht Wochen Zeit, um uns auf die Prüfungen vorzubereiten, jetzt sind es nur noch zwei.» Die junge Frau ist eine von rund 520 Bachelor-Studierenden des Life-Sciences-Studiengangs an der Fachhochschule Nordwestschweiz, die am vergangenen Montag von einer Corona-bedingten «Anpassung des Semesterplans» kalt erwischt wurden.

Unter Berufung auf das «Notrecht» der Hochschule entschied die Studienleitung, dass die Laborpraktika verschoben und die Semesterprüfungen vorgezogen werden. Anstatt vom 18. bis 21. Januar werden die Prüfungen neu in der Woche vor den Weihnachtsferien abgelegt. Nach Bekanntgabe dieser einschneidenden Änderung beriefen die Studierenden eine Krisensitzung ein. Es sei ihnen bewusst, dass der Plan «nicht so sexy» sei, soll einer der Studienleiter gesagt haben, wie aus dem Protokoll hervorgeht.

Immerhin, die Studierenden erhalten einen Freiversuch an den Prüfungen, und die sogenannte Assessment-Regel wird ausgesetzt. Trotzdem: Viele Studierende waren von der Planänderung überrumpelt und beklagten gegenüber 20 Minuten, dass die Studienleitung keine Bereitschaft gezeigt habe, ihre Anliegen anzuhören.

Gestaffelte Laborpraktika

Die Anpassung des Studienplans sei die einzige Möglichkeit, den Bachelor-Studienbetrieb aufrechtzuerhalten, erklärte Pascale Rippstein, die Kommunikationsverantwortliche der Hochschule für Life Science, auf Anfrage. Konkret habe man den Zeitraum der Laborpraktika ausdehnen müssen, damit diese in Schichten und kleineren Gruppen durchgeführt werden könnten. «In der aktuellen Situation müssen wir die Kontakthäufigkeit der Studierenden und Mitarbeitenden tief halten, was gerade im Umfeld der Laborpraktika schwieriger zu organisieren ist», erklärt sie.

Weil das praxisorientierte Studium sehr laborintensiv ist, musste die Semesterplanung in der Folge angepasst werden.

Nachdem 20 Minuten die Hochschule mit den Vorwürfen der Studierenden konfrontiert hat, scheint aber Bewegung in die Sache zu kommen. «Wir sind mit Studienvertretern laufend im Austausch und diskutieren über konstruktive Vorschläge», teilt Rippstein mit. In einer spontan einberufenen Sitzung teilte der Studienleiter am Donnerstag der Fachschaft dann mit, dass ein neuer Vorschlag geprüft werde. Dies nachdem es anfangs hiess, am Programm werde nichts geändert.

Onlineprüfung nicht möglich

Ein weiterer Wunsch vieler Studierenden, dem die Hochschule nicht entsprochen hat, sind Onlineprüfungen. In anderen Studiengängen an der FHNW und an vielen Universitäten in der Schweiz hat sich das neue Format etabliert, nicht so im Life-Science-Studiengang. Warum nicht? «Eine für alle faire und Betrugsversuch-abgesicherte Durchführung von Prüfungen zu Hause ist nicht gewährleistet», erklärt Rippstein. Darum würden einige Prüfungen weiterhin in Präsenz, unter Aufsicht und unter Einhaltung eines strengen Schutzkonzepts im Campus durchgeführt.

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165 Kommentare
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Studänt

09.11.2020, 09:05

Ig studiere jo ou a dere schuel und bi mittlerwile im 5. semester. Und ig ha no nie 8 wuche zit gha. 3 maximal 4 sind normal. Und was die do verzellt stimmt gar nit. Ume vereinzelti prüefige sind vor wiehnachte. Aber wenn mer vo afang ah mitmacht sind d prüefige ir regel ke problem🤷‍♂️

Babette

09.11.2020, 09:02

Auch an anderen höheren Schulen ist es schrecklich, wie der Lehrplan geführt wird. Der Unterricht ist qualitativ sehr unterschiedlich. Viele Lehrpersonen scheinen eine ruhige Kugel zu schieben, wenn der Unterricht online erteilt wird. Plötzlich kommt ihnen dann in den Sinn, dass da ja noch eine Prüfung ansteht, das wird dann überstürzt kommuniziert, möglichst am Freitag Abend oder Samstag morgen. Die Studenten können dann schauen wo sie den Stoff oder die passende Fachliteratur noch finden, meist findet die Prüfung dann in der kommenden Wochen Mitte statt. Ein unnötiger Stress.

Vreni

09.11.2020, 09:01

Schlechte Vorbereitung der FH nennt man das. Das Virus ist seit März hier, das hätte man auch bereits Anfang Semester kommunizieren und planen können.