13.10.2020 08:41

Nach den HerbstferienWegen Coronavirus wollen Schulen auch im Winter Fenster offen lassen

Stosslüften wegen dem Coronavirus: Jetzt kommt der Schlotter-Winter in den Schulen. Der Lehrerverband sorgt sich um die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer.

von
Leo Hurni
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In mehreren Kantonen hat am Montag die Schule wieder begonnen.

In mehreren Kantonen hat am Montag die Schule wieder begonnen.

KEYSTONE
Mit den steigenden Fallzahlen braucht es in den Schulen starke Schutzkonzepte.

Mit den steigenden Fallzahlen braucht es in den Schulen starke Schutzkonzepte.

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Doch durch den Wetterumschwung kann das regelmässige Lüften zu Erkältungen führen. 

Doch durch den Wetterumschwung kann das regelmässige Lüften zu Erkältungen führen.

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Darum gehts

  • Zum Coronavirus-Schutzkonzept der Schulen gehört auch das regelmässige Durchlüften der Schulzimmer.
  • Durchzug und kalte Temperaturen könnten so zu Erkältungen führen.
  • Auch der Aussenlärm kann je nach Standort der Schule stören.
  • Solange die Schüler genug warm angezogen sind, sollte der Unterricht für die Kinder aber funktionieren.

Schüler der Volksschule Im Birch ZH müssen sich warm anziehen: Um Ansteckungen mit dem Coronavirus zu vermeiden, sollen in der Schule die Fenster den ganzen Tag wenn immer möglich offen sein. Durchgehendes Lüften soll eine mögliche Ansteckung durch Aerosole verhindern, wie aus dem Corona-Schutzkonzept der Schule hervorgeht. Andere Schulen wie die Primarschule Bettingen BS schreiben vor, mindestens alle 30 Minuten zu lüften.

Im Sommer waren offene Fenster noch kein Problem, doch mit dem Kälteeinbruch können tiefe Temperaturen in den Schulräumen die Schüler vom Unterricht ablenken.Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, zeigt sich besorgt. Das Lüften sei angesichts der sinkenden Temperaturen ein grosses Thema an den Schulen: «Wir haben zwar schon 2017 in einer Studie gezeigt, dass regelmässiges Lüften in den Schulzimmern sehr wichtig ist. Mit Corona muss aber noch mehr gelüftet werden, was problematisch werden kann.» Peterhans befürchtet, dass Durchzug und kalte Temperaturen Erkältungen provozieren. Die grösste Gefahr sieht Peterhans aber nicht für die Schülerinnen und Schüler. «Wenn mehrere Lehrpersonen an einer Schule ausfallen, braucht es Stellvertretungen. Sonst kann der Unterricht nicht mehr garantiert werden.»
Peterhans empfiehlt, den Schulunterricht dort, wo es möglich ist, in grossen Räumen abzuhalten. Bei grossen Schulräumen mit kleinen Klassen sei die Situation weniger prekär. Doch das sei heutzutage selten, viel eher seien die Schulräume zu klein für die Anzahl Schüler.

«Start ins Ungewisse»

Die Gefahr der Ausfälle von Lehrern sieht auch Anuschka Kunz. Die Primarschulleiterin glaubt aber, dass die Gefahr eher von Corona oder der normalen Grippe und Erkältungen als vom Lüften ausgeht. «Wir glauben, dass wir mit regelmässigem Stosslüften genug frische Luft in unsere Klassenräume bringen», meint Kunz. Die Schulzimmer würden damit gut gelüftet werden, aber noch lange nicht zu «Eishöhlen» mutieren. Doch der Schulstart nach den Herbstferien bereitet Kunz trotzdem Sorge. Mit den steigenden Ansteckungen könnte es zu Ausfällen von mehreren Lehrpersonen gleichzeitig kommen, und somit wäre der Schulunterricht irgendwann nur noch sehr schwierig aufrechtzuerhalten. Auf Schulunterricht von zu Hause aus sei man für den Quarantäne-Fall zwar vorbereitet. Doch Kunz hofft, dass man nicht davon Gebrauch machen müsse. Den Schulstart bezeichnet Kunz als einen «Start ins Ungewisse».

Lärm von aussen kann Lernklima beeinflussen

Der Präsident des Vereins Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und -lehrer, Lucius Hartmann, hält die Massnahmen für aushaltbar. «Auf die neuen Massnahmen mit regelmässigem Lüften kann man sich auch pädagogisch vorbereiten» sagt Hartmann, der selber in Wetzikon ZH unterrichtet. Zum Beispiel könne man bei Kälte mehr mündliche als schriftliche Übungen machen. Was Hartmann aber mehr stört: «Je nach Standort der Schule kann der Lärm von aussen bei offenen Fenstern zum Problem werden und das Lernklima beeinflussen.» Das seien jedoch alles Probleme, die auch vor der Corona-Krise schon bekannt gewesen seien, jetzt aber neu thematisiert würden. Umgekehrt werde durch das häufigere Lüften der CO2-Gehalt in der Zimmerluft reduziert, welcher heute den Grenzwert schon oft überschreite.

Schüler wollen in die Schule

Die Schüler sehen den neuen Massnahmen relativ gelassen entgegen: «In dieser schwierigen Situation müssen wir Prioritäten setzen. Wir haben es lieber kalt als gar keinen Unterricht» sagt der Präsident der Union der Schülerorganisationen, Fadel Dia-Eddine. Für ihn habe der Unterricht vor Ort die oberste Priorität, auch wenn gewisse Massnahmen die Schüler teilweise einschränken würden. Gabriela Heimgartner, Co-Präsidentin des Vereins Schule und Elternhaus Schweiz, glaubt auch, dass regelmässiges Lüften unbedenklich ist. «Mit einem Extrapullover sollte der Unterricht für die Schüler schon funktionieren.» Vor allem in der Primarschule müsse man den Präsenzunterricht so lange wie möglich aufrechterhalten, da lohnten sich Massnahmen wie das regelmässige Lüften durchaus.

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473 Kommentare
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Konstruktiver Beitrag vom Schelm

14.10.2020, 17:58

Wenn man dabei einfach die Heizung mehr aufdreht, ist das sicher zum Aushalten. Oder man könnte einfach vor den Fenstern Heizpilze aufstellen. Andererseits aber lässt man die Schüler in der Kälte sitzen, was karmisch nur gerecht wäre. Dies wäre immerhin eine erste konsequente Umsetzung des Klimaschutzes, den die Klimagoofen mit gutem Beispiel vorleben könnten. Sie können sich ja auf dem Hin- und Heimweg in Mamas SUV etwas aufwärmen, das reicht vollkommen.

Greta Thunfischberg

13.10.2020, 12:39

Einfach dicke Winterjacke anziehen, Handschuhe an, Wintermütze auf und volle Pulle Dauerlüften! Unbedingt sollte man dann aber noch die Heizung ausschalten. Spart viel Energie und damit auch CO2! SO GEHT UMWELTSCHUTZ! ;)

so what

13.10.2020, 12:39

Sehr ökologisch... Heizen und den ganzen Tag das Fenster offen lassen.