Aktualisiert 02.08.2012 11:42

Wie KonjunkturprogrammWegen der Ausländer geht es uns so gut

Die Schuldenkrise zieht die Eurozone in die Rezession. Derweil wächst die Schweizer Wirtschaft munter weiter. Warum eigentlich? Alexis Körber, Ökonom bei BAK Basel, erklärt.

von
Sabina Sturzenegger
Retten die Schweizer Wirtschaft: Die Zuwanderer – unter ihnen viele Deutsche – sind für die Schweiz wie ein Konjunkturprogramm.

Retten die Schweizer Wirtschaft: Die Zuwanderer – unter ihnen viele Deutsche – sind für die Schweiz wie ein Konjunkturprogramm.

Herr Körber, die Wirtschaftsforscher von BAK Basel haben jüngst die BIP-Prognose für die Schweiz erhöht, das Barometer der Konjunkturforschungsstelle der ETH steigt weiter an. Gibt es in der Schweiz wirklich keine Anzeichen der Eurokrise?

Alexis Körber: Die Krise macht sich schon bemerkbar. Die Nachfrage aus der Eurozone hat deutlich nachgelassen. Das spürt unsere Exportwirtschaft. Aber im gesamtwirtschaftlichen Kontext kann hierzulande tatsächlich nicht von einer Krise gesprochen werden.

Erklären Sie uns, warum das so ist. Die Schweizer Wirtschaft ist doch in hohem Masse abhängig von der EU?

Es zeigt sich, dass die Schweiz eine sehr wettbewerbsfähige Exportindustrie mit qualitativ hochwertigen Produkten hat, die sich auch in der Krise verkaufen lassen.

Woran denken Sie?

Vor allem die Uhrenindustrie wächst sehr kräftig. Auch Pharmaprodukte stossen nach wie vor auf grosse Nachfrage, weil sie relativ konjunkturunabhängig sind.

Reicht das, um die ganze Schweizer Wirtschaft vor der Rezession zu retten?

Nein, aber hinzu kommen vergleichsweise gesunde Staatsfinanzen und – als wichtigster Faktor – die hohe Attraktivität für ausländische Arbeitskräfte. Die Zuwanderung wirkt im Moment wie ein Konjunkturprogramm, nur zahlt der Staat dafür nicht.

Wie lange hält dieses «Konjunkturprogramm», wie Sie es nennen, an?

Vorerst sehen wir kein Ende dieses Trends. Die Schweiz ist weiterhin sehr attraktiv für ausländische Arbeitnehmer, insbesondere für hochqualifizierte.

Machen die Schweizer Unternehmen etwas besser als ihre europäischen Konkurrenten?

Die Schweiz hat eine Exportindustrie mit sehr vielen verschiedenen Standbeinen. Hinzu kommt die erwähnte Wettbewerbsfähigkeit. Im Moment werden die Unternehmen durch den starken Franken noch zusätzlich fit gehalten, auch wenn das für viele Firmen in der aktuellen Lage alles andere als angenehm ist.

Welche Branchen machen Ihnen die grössten Sorgen?

Diejenigen, die sich ohnehin im Strukturwandel befinden, wie die Textilbranche oder die grafische Industrie. Auch der Tourismus leidet in hohem Masse.

Wann erreicht die Eurokrise die Schweiz doch noch?

Ich denke, gar nicht.

Was verleiht Ihnen diesen Optimismus?

Wir gehen davon aus, dass zumindest kein grosses Euroland wie Italien oder Spanien Pleite geht und die Märkte wieder Vertrauen fassen.

Und welches ist Ihr Worst-Case-Szenario?

Eine Pleite Italiens oder Spaniens. Dann würde auch die Schweiz in eine Rezession rutschen.

Hätten Sie zu Beginn der Eurokrise mit diesem Verlauf für die Schweiz gerechnet?

Wir sind vom starken ersten Quartal 2012 überrascht worden. Das hätten wir so nicht erwartet. Deshalb haben wir unsere Prognosen korrigiert.

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