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Büsi-Debatte«Wegen der Steuer würden Katzen ausgesetzt»

Wer eine unkastrierte Katze hält, soll dafür zahlen müssen. Doch was bringt das? Naturschützer Johannes Jenny und Manuela Gutermann vom Verein Katzenfreunde nehmen Stellung.

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1,5 Millionen Hauskatzen leben in der Schweiz. Das seien zu viele, sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «Viele junge Vögel werden gefressen oder zu Tode gequält.» Um die Zahl der Katzenl der Schweiz zu senken, fordert Jenny eine Steuer von bis zu 400 Franken für jede unkastrierte Katze.

1,5 Millionen Hauskatzen leben in der Schweiz. Das seien zu viele, sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «Viele junge Vögel werden gefressen oder zu Tode gequält.» Um die Zahl der Katzenl der Schweiz zu senken, fordert Jenny eine Steuer von bis zu 400 Franken für jede unkastrierte Katze.

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Doch die Forderung kam nicht überall gut an. Angeblich bringt sie nichts. Zudem würden Katzen die anderen Tiere nicht dermassen gefährden, wie die Tierschützer behaupten.

Doch die Forderung kam nicht überall gut an. Angeblich bringt sie nichts. Zudem würden Katzen die anderen Tiere nicht dermassen gefährden, wie die Tierschützer behaupten.

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Nun nehmen Naturschützer Johannes Jenny...

Nun nehmen Naturschützer Johannes Jenny...

Herr Jenny, Sie fordern eine Büsi-Steuer von 400 Franken für die Halter unkastrierter Katzen – mit dem Ziel, die anderen Tiere zu schützen. Sind Katzen wirklich so gefährlich?

Jenny:Katzen töten viele Tiere, sie verursachen viel Tierleid. Arten, die ohnehin bedroht sind, können durch den zusätzlichen Druck der Katzen leiden – beispielsweise Zauneidechsen, Feldlerchen und Feldhasen. Die Zauneidechsen-Populationen wurden durch Katzen nachweislich ausgerottet.

Gutermann: Ich glaube nicht, dass Katzen den Bestand anderer Tiere dermassen gefährden, wie es von den Naturschützern dargestellt wird. Es müssen hier verschiedene Faktoren wie andere natürliche Feinde, Verlust des Lebensraumes oder Umweltveränderungen miteinbezogen werden. Auch der Mensch ist nicht unschuldig, dass viele Tiere gefährdet sind.

Dann spielen die Katzen dabei gar keine grosse Rolle?

Gutermann: Klar gibt es viele Katzen in der Schweiz, schätzungsweise 1,5 Millionen. Doch nicht alle sind freilaufend. Vermutlich die Hälfte sind Wohnungskatzen. Und diese gehen nicht auf die Jagd, sondern bekommen ihr Fressen vorgesetzt. Ebenfalls machen herrenlose, verwilderte Katzen mit einer geschätzten Anzahl von 300'000 Tieren einen nicht vernachlässigbaren Teil der Gesamtzahl aus. Und für diese Tiere fühlt sich niemand verantwortlich.

Jenny: Es geht nicht um das einzelne Büsi. Niemand will jemandem die Freude an der einzelnen Katze vermiesen. Kastrierte Katzen sollen ja auch nicht gross besteuert werden. Es geht auch nicht darum, die Katzen zu verteufeln. Das Problem ist der Mensch – als Landschaftszerstörer und als Katzenhalter. Die bundesrechtlich geschützten Arten leiden unter der schieren Masse der Katzen. Und weil es die nicht kastrierten Katzen sind, die zu dieser Masse beitragen, sollen sie auch mehr bezahlen.

Würde die Katzensteuer anderen Tieren wirklich helfen?

Jenny: Ja, und zwar doppelt: Einerseits wird es Leute geben, die ihre Katze kastrieren, um der hohen Steuer zu entgehen. Andererseits soll das Geld zweckgebunden für die Kastration verwilderter Katzen eingesetzt werden. Längerfristig führen Steuern und Kastration zu einer Reduktion der Katzen, wodurch andere Tierarten nicht mehr so gefährdet wären.

Gutermann: Ich bin für die Kastration, aber nicht dafür, dass für nicht kastrierte Katzen eine Steuer erhoben werden soll. Eine solche würde doch vor allem ältere und wenig Vermögende treffen, die das Büsi besonders nötig haben. Zudem könnte sie dazu führen, dass viele Menschen umdenken und ihre Katze nicht mehr wollen, weil ihnen das Geld für die Steuer fehlt. Weil eine Abgabe in ein Tierheim mit vielen Pflichten und Kosten verbunden ist und vielleicht andere eine nicht kastrierte Katze ebenfalls nicht wollen, bliebe manchen nur noch ein Ausweg: die Katze auszusetzen. Das heisst: Eine Steuer könnte den Bestand der verwilderten Katzen erhöhen.

Gäbe es aus Ihrer Sicht auch weitere Lösungen, um andere Tiere zu schützen und die Katzendichte zu verkleinern?

Gutermann: Um die Katzendichte langfristig zu verringern, bringt wirklich nur eine Kastration etwas. Deshalb unterstützen viele Organisationen in der Schweiz auch die Petition «Kastrationspflicht für Freigängerkatzen».

Jenny: Die Kastrationspflicht ohne Mittel zur Finanzierung ist eine Illusion. Das habe ich mit der Verwaltung geklärt. Es muss viel getan werden. Die Katzensteuer ist nur ein Teil der Lösung. Wichtig ist die zweckgebundene Verwendung für die Betreuung und Kastration herrenloser Katzen. Mehr und bessere Lebensräume für die gefährdeten Arten ist schliesslich ebenfalls unabdingbar. Wissen, Einsicht, Vernunft und Rücksicht auf allen Seiten würden viel helfen, können aber nicht verordnet werden. Um Vögel vor den Katzen zu schützen, helfen auch Halskrausen für Katzen oder Glocken.

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