Gastronomen befürchten Umsatzverluste wegen Ausweitung der Zertifikatspflicht
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Neue Bundesrats-Massnahmen«Wegen der Zertifikatspflicht rechnen wir mit 25 Prozent Verlust»

Ab Montag gilt eine Zertifikatspflicht für Kinos, Fitnesscenter und Gastro-Innenräume. Betroffene rechnen mit teils grossen Umsatzeinbussen.

von
Noah Knüsel
Daniel Krähenbühl
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Die Zertifikatspflicht wird massiv ausgeweitet: So muss ab Montag etwa in Restaurants, … 

Die Zertifikatspflicht wird massiv ausgeweitet: So muss ab Montag etwa in Restaurants, …

20min/Celia Nogler
… Kinos …

… Kinos …

20min/Marvin Ancian
… oder Fitnesscentern ein Covid-Zertifikat vorgewiesen werden. 

… oder Fitnesscentern ein Covid-Zertifikat vorgewiesen werden.

20min/dra

Darum gehts:

  • Die Ausweitung der Zertifikatspflicht dürfte für viele Betriebe teils einschneidende Konsequenzen haben.

  • In der Gastronomie befürchtet man hohe Umsatzeinbussen.

  • Auch Fitnessbetreiberinnen und -betreiber rechnen mit weitgehenden Konsequenzen: «Wir gehen davon aus, dass wir rund 20 bis 25 Prozent unserer Kundschaft verlieren.»

Der Bundesrat weitet die Zertifikatspflicht massiv aus: Ab Montag muss bei vielen Indoor-Freizeitaktivitäten ein Covid-Zertifikat vorgewiesen werden: Darunter fallen etwa Kinos, Fitnesscenter oder die Innenräume von Restaurants und Bars.

Bei Gastrosuisse bedauert man den Entscheid: «Er ist unverhältnismässig und führt zu einer krassen Ungleichbehandlung der Bevölkerung», so Präsident Casimir Platzer. Er rechnet mit zusätzlichen massiven Umsatzeinbussen.

Andere in der Branche begrüssen den Bundesratsentscheid: «Wir haben lieber eine Zertifikatspflicht als einen dritten Lockdown», sagt etwa Manuel Wiesner, der mit seinem Bruder das Unternehmen «Familie Wiesner Gastronomie» führt. Er rechne aber mit bis zu 25 Prozent weniger Einnahmen.

Viele Fragen offen

Auch Fitnessbetreiberinnen und -betreiber rechnen mit weitgehenden Konsequenzen: «Wir gehen davon aus, dass wir rund 20 bis 25 Prozent unserer Kundschaft verlieren», sagt Claude Ammann, Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verbands.

Dies, weil sie sich nicht impfen oder dauernd testen lassen wollten. Ob man ihnen das Geld für das Abo zurückzahlt oder das Abo pausiert, sei noch völlig unklar, sagt Ammann. «Unsere Reserven sind leer – viel Spielraum, um diesen Kundinnen und Kunden entgegenzukommen, haben wir nicht.»

Nur noch Geimpfte und Genesene im Kino?

In der ebenfalls betroffenen Kinobranche befürchtet man einen Einbruch der Zuschauerinnen- und Zuschauerzahlen: «In Frankreich sind die Zuschauerzahlen direkt nach Einführung der Zertifikatspflicht um 70 Prozent eingebrochen», sagt René Gerber vom Verband ProCinema.

Er geht davon aus, dass nun nur noch Geimpfte oder Genesene ins Kino kommen: «Nur für einen Kinofilm machen wohl die wenigsten einen Test - besonders, wenn er ab Oktober kostenpflichtig ist.»

«Sorge um sozialen Frieden»

In der Politik ist man mit der Ausweitung der Zertifikatspflicht mehrheitlich zufrieden. «Es ist eine wirksame und einfache Massnahme, die sich im benachbarten Ausland bereits bewährt», sagt etwa Mitte-Präsident Gerhard Pfister. Auch die SP begrüsst den Bundesratsentscheid, rechnet aber mit grossen Auswirkungen auf betroffene Branchen: «Hier braucht es weiterhin wirtschaftliche Abfederungsmassnahmen, um Existenzen zu sichern», sagt Co-Präsidentin Mattea Meyer.

Nicolas A. Rimoldi von der Bewegung «Mass-Voll» dagegen findet den Entscheid problematisch, wie er sagt: «Ich mache mir grosse Sorgen um den sozialen Frieden in der Schweiz.» Er bezweifelt den epidemiologischen Nutzen des Zertifikats: Es sei erwiesen, dass man auch als geimpfte Person das Virus weiterverbreiten könne. Rimoldi fordert: «Alle Zwangsmassnahmen müssen sofort aufgehoben werden.» Die SVP hatte sich schon am Dienstag gegen eine Ausweitung der Zertifikatspflicht ausgesprochen.

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