Schaan (FL) – «Wegen des Schimmels mussten wir mit dem Baby im Wohnzimmer schlafen»
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Schaan (FL)«Wegen des Schimmels mussten wir mit dem Baby im Wohnzimmer schlafen»

An den Wänden, den Möbeln und Kleidern: Wegen starken Schimmels wurde die Wohnung von K.T. und ihrer Familie unbewohnbar. Der Eigentümer lehnt jegliche Verantwortung ab.

von
Daniel Krähenbühl
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Nach der Rückkehr aus den Ferien sei die ganze Wohnung von Schimmel befallen gewesen, sagt K.T.

Nach der Rückkehr aus den Ferien sei die ganze Wohnung von Schimmel befallen gewesen, sagt K.T.

Privat
Nicht nur Möbel, sondern auch Kleidungsstücke wie Schuhe, seien in Mitleidenschaft gezogen worden. 

Nicht nur Möbel, sondern auch Kleidungsstücke wie Schuhe, seien in Mitleidenschaft gezogen worden.

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«Bisher mussten wir Material für 16’000 Franken wegwerfen», sagt T. 

«Bisher mussten wir Material für 16’000 Franken wegwerfen», sagt T.

Privat

Darum gehts

  • Die Wohnung von K.T. und ihrer Familie ist stark mit Schimmel befallen.

  • Zahlreiche Möbel und Kleidungsstücke sind in Mitleidenschaft gezogen worden.

  • Während der Eigentümer das Verschulden bei der Mieterschaft ausmacht, schliesst die Versicherung Axa ein Mieterverschulden klar aus.

  • Fabian Gloor vom Mieterinnen und Mieterverband rät Mietern und Mieterinnen in ähnlichen Situationen, eine Schadenersatzforderung gegen die Vermieterschaft geltend zu machen.

K.T.*, ihr Mann und die zehn Monate alte Tochter schlafen im September und Oktober auf einer Matratze, die in der Mitte des Wohnzimmers auf dem Boden liegt. Grund dafür ist der extreme Schimmelbefall in der dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Schaan (LI) nach den Regenfällen im Sommer. «Ende Juli, zwei Wochen nach unserer Rückkehr aus den Ferien, waren alle Wände und Oberflächen mit Schimmel befallen.» Ihr Bettgestell, verschiedene Schränke, Kleidungsstücke und Schuhe habe sie nach Rücksprache mit der Versicherung entsorgt, sagt T. «Bisher mussten wir Material für 16’000 Franken wegwerfen.»

Der Befall mit Schimmelpilz habe aber nicht nur finanzielle, sondern auch gesundheitliche Folgen, so T. Sie selbst leide häufiger an Asthmaanfällen, die Nase ihrer Tochter laufe ununterbrochen und sie huste stark. «Vor drei Wochen musste ich sie aufgrund hohen Fiebers notfallsmässig zum Kinderarzt bringen.» Ob und inwieweit es einen Zusammenhang mit dem Schimmel gibt, sei unklar. «Ich mache mir aber extrem Sorgen um die Gesundheit meiner Tochter», so T.

«Mieter trifft keine Verantwortung»

Dem Vermieter habe man die hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent in der Wohnung bereits im Januar gemeldet. Passiert sei jedoch nichts, sagt T. «Wir haben dann Tag und Nacht einen oder sogar zwei Luftentfeuchter laufen lassen, doch in den Ferien natürlich abgestellt.» Auf eine weitere Reklamation habe der Eigentümer ein unabhängiges Gutachten erstellen lassen. Fazit: Eine «grossflächige Durchfeuchtung der Sockelbereiche», dem mit Lüften und Trocknen alleine nicht beizukommen sei. «Den Mieter trifft hierbei aufgrund der gefundenen Ergebnisse keine Verantwortung», so der Gutachter.

Da sowohl die Hausratversicherung von T. ,als auch die Gebäudeversicherung des Eigentümers S.S.* über die Axa läuft, liess das Unternehmen ein eigenes Gutachten erstellen. Dieses kam zu einem völlig anderen Schluss und gab der Mieterschaft schuld für den Schimmel. «Auch unser Vermieter stützte sich auf das Gutachten und teilte uns mit, dass wir zu wenig gelüftet hätten.» Sie sei sich sicher, dass dies nicht stimmen könne: «In den letzten zwei Monaten waren die Fenster konstant offen – zum Glück war das Wetter relativ milde.» Immerhin sei der Schimmel-Albtraum für sie und ihre Familie zu Ende, so T: «Mittlerweile haben wir eine neue Bleibe gefunden».

Versicherung rät, Ansprüche an Eigentümer zu stellen

Wie eine Axa-Sprecherin auf Anfrage mitteilt, stütze das Unternehmen den Schluss des zweiten Gutachtens – also jenem, das vom eigenen Unternehmen in Auftrag gegeben wurde – nicht und schliesse ein Mieterverschulden klar aus: «Wir haben zu keinem Zeitpunkt die Verantwortung bei der Mieterschaft ausgemacht, sondern gehen gemäss unseren Erkenntnissen davon aus, dass es sich beim vorliegenden Fall um einen Baumangel an der Fassade der Liegenschaft handelt und die Feuchtigkeitsprobleme deshalb bereits vor ihrem Einzug bestanden haben».

Der entstandene Schaden sei aber weder durch die Hausrats- noch durch die Gebäudeversicherung gedeckt, sondern über die Gebäudehaftpflicht- oder die Privathaftpflichtversicherung des Eigentümers, so die Axa-Sprecherin. «Wir haben grosses Verständnis für die Situation der Mieterschaft und haben ihr mitgeteilt, dass wir dringend raten, den Vermieter für den entstandenen Schaden haftbar zu machen.»

Der Eigentümer selbst bekräftigt jedoch die Schuldvorwürfe an die Mieter: «Die Familie hatte zu viele Kleider in der Wohnung und öffnete die Fenster zu wenig oft.» Weiter wolle er sich nicht zur Sache äussern.

*Name der Redaktion bekannt

«Gerade für Kleinkinder ist Schimmel eine ernsthafte Gefahr»

Fabian Gloor ist Jurist und Rechtsberater beim Mieterinnen und Mieterverband.

Fabian Gloor ist Jurist und Rechtsberater beim Mieterinnen und Mieterverband.

Mieterverband/ Julia Hintermüller

Herr Gloor, was halten Sie vom dargestellten Sachverhalt?

Solche Situationen sind für Mieterinnen und Mieter sehr ärgerlich. Gerade wenn – wie im vorliegenden Fall – neben den, durch den Schimmel verursachten gesundheitlichen Risiken auch noch persönliche Gegenstände und unter Umständen Erinnerungsstücke schaden nehmen. Gerade für Kleinkinder ist ein Schimmelbefall in einer Wohnung eine ernsthafte Gefahr.

Was raten Sie Mietern und Mieterinnen in einer ähnlichen Situation?

Die Mieterschaft soll ihre Schadenersatzforderung gegen die Vermieterschaft geltend machen. Der Vermieter ist verpflichtet, der Mieterschaft ein gebrauchstaugliches und mängelfreies Mietobjekt zur Verfügung zu stellen. Schimmel ist ein klassischer Mangel und hat zur Folge, dass eine Mietzinsreduktion verlangt werden kann – bei einem starken Befall sollten dies rund 20 Prozent sein.

Die Mietzinsreduktion schuldet der Vermieter auch dann, wenn ihm am Schimmelbefall kein Verschulden trifft. Wenn ihm ein Verschulden vorgeworfen werden kann – etwa, weil er über die erhöhte Feuchtigkeit in der Wohnung im Bilde war und trotzdem nichts unternommen hat – haftet er auch für Mangelfolgeschäden, in diesem Fall also Gegenstände der Mieterschaft, die infolge des Schimmelbefalls beschädigt wurden. In prozessualer Hinsicht fährt die Mieterschaft aber besser, wenn sie ein Schlichtungsgesuch bei der Schlichtungsbehörde einreicht, da dieses Verfahren kostenlos ist.

Darf der Vermieter oder die Vermieterin die Mieterschaft wegen Schimmel zur Verantwortung ziehen?

Dafür müsste er oder sie nachweisen, dass die Mieterschaft für den Schimmelbefall alleinig oder vorwiegend verantwortlich ist. Im Einzelfall ist es schwierig, die Ursache von Schimmel in Wohnräumen eindeutig festzustellen und die rechtliche Verantwortung zuzuweisen. Verschiedene Experten und Expertinnen kommen oft zu unterschiedlichen Schlüssen, wie es vorliegend ja gerade der Fall ist. Im vorliegenden Fall wage ich es zu bezweifeln, dass es der Vermieterschaft gelingen wird, das Mieterverschulden zu beweisen.

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