Schock-Bekenntnis: «Wegen diesem *** habe ich als Bub so gelitten»
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Schock-Bekenntnis«Wegen diesem *** habe ich als Bub so gelitten»

Im Bistum Chur hat ein Priester wegen Kindesmissbrauchs seinen Rücktritt erklärt. Eines seiner Opfer meldet sich zu Wort.

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kle

«Ich kann gar nicht ausdrücken, wie es mir jetzt geht. Nach 40 Jahren hat es ihn endlich erwischt!!!», kommentiert User bregenz58 das Geständnis des Schweizer Pfarrers Gregor M. Der Priester hatte am Mittwoch zugegeben, in den 70er Jahren mehrere Kinder sexuell missbraucht zu haben, zum Teil auch in den Nachbarregionen in Deutschland und Österreich. Daraufhin trat er per sofort von seinem Amt zurück.

Bregenz58 gibt sich auf diversen österreichischen Nachrichtenplattformen als Opfer aus. «Wegen diesem *** und seinen Mit*** habe ich als 10-jähriger Bub so gelitten. Das kann ich alles gar nicht in Worte fassen!!!», schreibt das angebliche Opfer. Pater Gregor habe ihm «eigentlich bis heute immer das Leben schwer gemacht». Das Opfer hat noch klare Erinnerungen an die Vorkommnisse aus den Jahren 1968 und 1969: «Dieser Gregor war ein kleiner schmächtiger Mann, nicht viel grösser als wir Zehnjährige. Er sprach diesen Schweizer Dialekt, den wir Vorarlberger ja bestens verstehen.»

Grossvater liess den Fall auffliegen

Pater Gregor habe seine Schüler oftmals in sein Zimmer bestellt, erzählt bregenz58 weiter. Der Priester sei dabei grob umgegangen: «Er packte mich an den Haaren und versuchte mich zu küssen.» Als der Junge sich wehrte, habe Pater Gregor mit dem Stock zugeschlagen. Besonders traumatisch seien die Nächte gewesen. «So um die Einschlafzeit hat er sich an unsere Bettkanten gesetzt.» Die Knaben hätten vor Angst nicht schlafen können – auch wenn der Pater nur da sass. Sie wussten, dass er sie anstarrte. «Irgendwann bist du eingepennt und wieder aufgewacht, weil er unter der Decke über den Körper gestreichelt hat.»

Erst nachdem die Buben zuhause von den Geschehnissen berichteten, wurde etwas unternommen. Im Fall von Opfer bregenz58 war es der Grossvater, der die Situation in die Hand nahm. «Mein Grossvater war, zusammen mit Familienangehöriger anderer Buben, derjenige, der für die sofortige Entfernung dieses Paters Georg aus der Mehrerau im Herbst 68 sorgte.» Damit sei für die Kirche der Fall erledigt gewesen. «Niemals durfte man diesen

'Vorfall' ansprechen. Als peinlich und unaussprechlich. Zu diesen Zeiten wurde alles völlig verklemmt verschwiegen.»

Das Opfer hat den Täter kontaktiert

Im Zuge der Aufarbeitung der Vorfälle vor 40 Jahren hat sich das Opfer kürzlich erstmals getraut, seinen Peiniger zu kontaktieren. «Im Telefongespräch gestern kam P. G. auf die mitleidsvolle Masche 'Es tut mir ja soooo Leid ...'», schreibt bregenz58. Daraufhin habe er dem Priester vorgeschlagen, wenn es ihm tatsächlich Leid tue, solle er sich gefälligst öffentlich zu seinen Verfehlungen bekennen. «Er hat dann versucht auszuweichen. 'Wie soll ich das machen?' ... Da hab ich gesagt: 'Zum Bischof gehen, Ihr Amt niederlegen, die Presse anrufen, ein Interview geben.»

Von Wiedergutmachung hält das Opfer allerdings wenig: «Man kann mir diese Angst und Schmerzen nicht wiedergutmachen!», schreibt er. Die Konsequenzen des Missbrauchs trage er heute noch mit sich herum. Für die Taten von Pater Gregor gebe es keine Entschuldigung - «auch nicht die schwierigen Jahre nach diesen Erlebnissen, in denen ich schulisch etc. die grössten Schwierigkeiten durchzustehen hatte! Entschuldigungen? Lächerlich!!!»

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