Prozess um Dominique Strauss-Kahn: Wegen diesem Mann steht DSK vor Gericht
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Prozess um Dominique Strauss-KahnWegen diesem Mann steht DSK vor Gericht

Am zweiten Tag im Zuhälterei-Prozess um den Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wurden die Verantwortliche des Hotels in Lille befragt. Im Mittelpunkt stand René Kojfer.

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Dominique Strauss-Kahn verlässt am 16. Februar das Gerichtsgebäude.

Dominique Strauss-Kahn verlässt am 16. Februar das Gerichtsgebäude.

Keystone/AP/Michel Spingler
Gute Laune? Dominique Strauss-Kahn sagt am 12. Februar 2015 zum dritten Mal im Zuhälterei-Prozess aus.

Gute Laune? Dominique Strauss-Kahn sagt am 12. Februar 2015 zum dritten Mal im Zuhälterei-Prozess aus.

Keystone/AP/Michel Spingler
Es ging um 37 SMS, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten zwischen Juni 2009 und Ende 2010 ausgetauscht hatte. Ausserdem musste er sich wegen einer «Junggesellenwohnung» in Paris rechtfertigen.

Es ging um 37 SMS, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten zwischen Juni 2009 und Ende 2010 ausgetauscht hatte. Ausserdem musste er sich wegen einer «Junggesellenwohnung» in Paris rechtfertigen.

Keystone/AP/Michel Spingler

Dienstag, Tag zwei im Zuhälterei-Prozess um den einstigen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn: René Kojfer, ehemaliger PR-Verantwortlicher des Luxushotels Carlton muss Rede und Antwort stehen. Der heute 74-Jährige spielt eine zentrale Rolle in dem Netzwerk, das angeblich Orgien mit Callgirls organisierte – denn erst durch Abhören seines Telefons waren die Ermittler auf den Namen Strauss-Kahn gestossen.

Laut Anklage soll Kojfer Prostituierte für Kunden des Carlton organisiert und die Angeklagten zusammengebracht haben. «Eine Person, die die Mitglieder seiner Gruppe und die Mitglieder der anderen Gruppe kannte», beschrieb der Vorsitzende Richter Bernard Lemaire den 74-Jährigen.

Kojfer soll nicht nur Prostitution begünstigt haben, sondern auch wiederholt junge Frauen engagiert und daraus finanziellen Profit gezogen haben. Oftmals soll er die Tarife der Frauen heruntergehandelt haben.

Was sagt Kojfer dazu?

Vor Gericht bestreitet Kojfer die Vorwürfe. Er gibt an, «nicht dem Milieu» anzugehören. Er kenne zwar viele Frauen, ein «Vermittler» für Prostituierte sei er aber nicht.

Die Staatsanwaltschaft will wissen, warum Kojfer junge, attraktive – zum Teil mittellose Frauen — mit älteren Männern bekanntmachte. Die Frauen hätten ihn darum gebeten, antwortet sein Anwalt Hubert Delarue die Frage.

Beweismatrial erzählt eine andere Geschichte

Eine Frau namens Samira tritt in den Zeugenstand. «Herr Kojfer hat mir zwei Männer vorgestellt», erklärt sie. Im Laufe der Befragung gibt Kojfer zu, Samira zu kennen: «Ich habe sie in einer Bar in Belgien kennengelernt. Sie hat mir gefallen. Ich habe ihr aber nie Geld gegeben.»

Ein von der Staatsanwaltschaft präsentiertes Telefongespräch soll am Ende des zweiten Prozesstages Kojfers Version zerstören: Samira ruft Kojfer an und fragt, ob «das Zimmer reserviert» sei. Der Mann bestätigt: «Ja, für 11 Uhr.»

Besitzer und Manager des Carlton sind geständig

Am Dienstag wurden vor Gericht auch der frühere Carlton-Hotelmanager Francis Henrion und Hotelbesitzer Hervé Franchois befragt. Beide Männer gaben vor Gericht zu, Frauen bezahlt zu haben.

Während Hoteldirektor Henrion gesteht, für Kunden des Hotels, Prostituierte organisiert zu haben, meint der Besitzer des Hotels: «Man kann es als Begleichung von Reisekosten verstehen.»

Strauss-Kahn bestreitet Bekanntschaft mit Kojfer

Kojfer war der erste Verdächtige, gegen den in der sogenannten Carlton-Affäre im Oktober 2011 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Sein Anwalt stellte ihn vor Gericht als naiven Mann mit Alkoholproblemen dar, der gerne prahlt und Lügengeschichten über angebliche Kontakte zu mächtigen Männern erzählte.

Am Montag hatte Dominique Strauss-Kahn bei einer kurzen Befragung vor Gericht gesagt, er kenne Kojfer nicht und habe auch nie das Carlton betreten.

DSK will auch Dominique Alderweireld alias Dodo La Saumure nie gekannt haben. Alderweireld ist der Besitzer eines Bordells in Belgien, in dem die Zeuginnen – unter anderem Samira – gearbeitet haben.

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