Freispruch für Pendler: Wegen falschen Zugbilletts vor Gericht
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Freispruch für PendlerWegen falschen Zugbilletts vor Gericht

Ein Securitrans-Mitarbeiter klagte einen 54-jährigen Pendler wegen Gewalttätigkeit an. Dieser wiederum sagte, er sei schikaniert worden.

von
ced
Beim Streit sind Mitarbeiter der Securitrans involviert. (Symboldbild: SEV)

Beim Streit sind Mitarbeiter der Securitrans involviert. (Symboldbild: SEV)

Die Anklage lautet auf Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte: Der Beschuldigte, ein 54-jähriger französischer Tänzer ohne Vorstrafen, habe im Zug von Brugg nach Zürich bei einer Kontrolle den erforderlichen Fahrschein nicht zahlen wollen. Im Hauptbahnhof angekommen, habe er, nach Aussage des betroffenen Securitrans-Mitarbeiters, diesen «anlässlich der geplanten Personenkontrolle zweimal mit der flachen Hand gegen den Hals im Kehlkopfbereich» geschlagen.

Der Beschuldigte gab zwar zu, vor der Zugfahrt das falsche Ticket gelöst zu haben, schilderte vor Gericht aber eine ganz andere Geschichte, wie die NZZ am Freitag schreibt: So habe der Kontrolleur verlangt, dass er ein neues Billett zahlen müsse – obwohl das bereits gekaufte nicht günstiger gewesen sei. Nach einem kurzen Hin und Her habe er dann 7.50 Franken gezahlt. Er sei zwar wütend, aber nicht aggressiv gewesen – trotzdem habe der Kontrolleur die Polizei alarmiert.

«Billettlösen ist nicht einfach»

Am Hauptbahnhof hätten zwei Securitrans-Mitarbeiter auf ihn gewartet und einen Ausweis verlangt. Weil die Sache für ihn mit der Zahlung das Billetts erledigt gewesen sei, habe er sich geweigert, den Ausweis zu zeigen. Die Sicherheitsleute hätten ihn daraufhin zu Boden gedrückt und in Handschellen gelegt, ihn zudem als Schwulen und Terroristen beschimpft.

Er habe die Security nicht angefasst – als 54-Jähriger sei er schon gar nicht auf die Idee gekommen, auf zwei junge, durchtrainierte Leute loszugehen. So sah es auch der Richter: Er sprach den Tänzer frei. Es falle auf, das der betroffene Securitrans-Mitarbeiter den Vorfall zweimal völlig anders geschildert habe: zuerst als Schläge mit der offenen Hand gegen den Hals, dann als Griffe – das wirke nicht sehr überzeugend. Zudem schien es dem Einzelrichter unwahrscheinlich, dass ein unbescholtener 54-Jähriger einen 24-jährigen Sicherheitsmann angreifen würde.

Abgesehen davon sei das Verhalten des Tänzers zudem ein Stück weit nachvollziehbar, sagte der Richter. Er habe ja ein Ticket gehabt – Anschlussbillette zu lösen, sei nicht einfach.

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