Auch Erdgas deutlich teurer – Wegen Heizölpreis-Explosion droht Mietern Nebenkosten-Schock

Publiziert

Auch Erdgas deutlich teurerWegen Heizölpreis-Explosion droht Mietern Nebenkosten-Schock

Die Heizölkosten sind im vergangenen Jahr um gut die Hälfte gestiegen. «Es wird einen deutlichen Anstieg der Nebenkosten geben», sagt Mieterverbands-Präsident Carlo Sommaruga.

von
Daniel Graf
Daniel Krähenbühl
1 / 8
Heizöl ist im letzten Jahr deutlich teurer geworden. 

Heizöl ist im letzten Jahr deutlich teurer geworden.

20min/Simon Glauser
Hauseigentümerinnen und -eigentümer und Mieter müssen mit deutlichen Mehrkosten rechnen. 

Hauseigentümerinnen und -eigentümer und Mieter müssen mit deutlichen Mehrkosten rechnen.

20min/Simon Glauser
Wie viel mehr die Tankfüllung kosten wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. 

Wie viel mehr die Tankfüllung kosten wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Heizöl ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich teurer geworden.

  • Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus dürfte das Heizöl für ein Jahr um mehr als 1000 Franken teurer werden.

  • Auch Mieter werden über die Nebenkostenabrechnung zur Kasse gebeten.

  • Die Heizkosten sind massgeblich von der Isolation des Gebäudes und vom Verhalten der Bewohnerinnen und Bewohner abhängig.

Ein normaler Heizöltank in der Schweiz fasst rund 3000 Liter. Noch vor einem Jahr kostete eine Füllung rund 2100 Franken. Mittlerweile sind es 3150 Franken – eine Preiserhöhung von 50 Prozent. Und zum Jahreswechsel müssen Schweizer Hauseigentümerinnen und -eigentümer sowie Mieterinnen und Mieter weitere Preiserhöhungen akzeptieren: Weil 2020 das Reduktionsziel verpasst wurde, steigt die Lenkungsabgabe auf Heizöl. Dadurch verteuert sich der Liter Heizöl um weitere sechs Rappen.

Wie hoch die Zusatzkosten für Hauseigentümer und Mieterinnen und Mieter ausfallen werden, ist laut Hans Egloff, Präsident des Hauseigentümerverbands (HEV), schwer zu sagen. Ein Einfamilienhaus von durchschnittlicher Grösse und Energiestandard verbrauche pro Jahr rund 3000 Liter Heizöl für Warmwasser und Heizung. Die Kosten würden damit um über 1000 Franken steigen. «Das hängt aber extrem davon ab, wie gut das Gebäude isoliert ist. Ausserdem können die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses die Kosten massgeblich über ihr Verhalten steuern.»

«Bewohnerinnen und Bewohner können Kosten massiv senken»

Reduziere man etwa die Raumtemperatur um drei Grad, spare dies 15 bis 20 Prozent der Heizenergie. Auch das Lüften habe grossen Einfluss auf die Heizkosten: «Fenster zu kippen, ist überhaupt nicht sinnvoll. So wird der Raum abgekühlt und die Heizungen laufen dauernd, die Luft wird aber trotzdem nicht wirklich frisch.» Der HEV empfiehlt deshalb, wenige Male am Tag alle Fenster aufzumachen und stosszulüften.

Auch Carlo Sommaruga, SP-Nationalrat und Präsident des Mieterverbandes sagt: «Es wird auf jeden Fall einen deutlichen Anstieg der Nebenkosten geben. Alle Mieterinnen und Mieter, die nicht in gut isolierten oder mit erneuerbaren Energien beheizten Gebäuden wohnen, werden von einer Erhöhung der Nebenkosten betroffen sein.»

Sommaruga fordert Preiskontrolle bei Gas- und Heizölkosten

«Der Anstieg wird bei den einzelnen Mieterinnen und Mietern sehr unterschiedlich ausfallen», sagt Sommaruga. Es hänge von den gezahlten Vorauszahlungen, der Art des Heizkessels, und natürlich von der Isolierung der Gebäude ab. Sommaruga betont, dass eine energetische Sanierung der Mietshäuser in der Schweiz stattfinden müsse. «Das darf aber nicht auf Kosten der Mietenden geschehen.»

Ausserdem müssten soziale Massnahmen ergriffen werden, wenn die Auswirkungen der steigenden Gas- und Heizölpreise für die Mieterinnen und Mieter finanziell untragbar sein sollten. «Es sollte etwa eine Preiskontrolle geben», sagt Sommaruga. Er rät, die Nebenkostenabrechnung genau zu kontrollieren und beim Mieterinnen- und Mieterverband prüfen zu lassen. «Zudem werden generell die Wohnungen zu stark geheizt», sagt Sommaruga. «Daher sollte man die Temperatur in den Wohnungen um ein oder zwei Grad senken und sich besser zudecken.»

Mehrere Gründe für Preisanstieg

Laut der Mitte-Ständerätin und HEV-Vizepräsidentin Brigitte Häberli-Kohler gibt es mehrere Gründe für den Preisanstieg beim Heizöl. «Den grössten Einfluss haben die Notierungen an den internationalen Börsen, die Frachtkosten auf dem Rhein und der Kurs des US-Dollars. Weitere fundamentale Faktoren sind messbare Grössen wie die Wirtschaftsdaten aus den grossen Wirtschaftsräumen, effektive Veränderungen der globalen Fördermengen oder auch die Zinspolitik der bedeutenden Nationalbanken.» Aktuell dürfte eine gewisse Preisbeeinflussung auch auf den «Pandemie-Effekt» zurückgehen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

339 Kommentare