BAG warnt: Wegen Ungeimpften droht sogar eine vierte Welle
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BAG warntWegen Ungeimpften droht sogar eine vierte Welle

Laut dem BAG droht eine Erkrankungswelle bei Ungeimpften, sobald die Impfaktion abgeschlossen ist. Deshalb sollen auch Geimpfte weiter Masken tragen.

von
Daniel Graf
Pascal Michel
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Unter ungeimpften Personen droht laut BAG eine weitere Ansteckungswelle, falls die Schutzmassnahmen im Sommer auf einen Schlag wegfallen.

Unter ungeimpften Personen droht laut BAG eine weitere Ansteckungswelle, falls die Schutzmassnahmen im Sommer auf einen Schlag wegfallen.

Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbil
Epidemiologe Jürg Utzinger plädiert dafür, die Basismassnahmen auch dann nur schrittweise zu lockern, wenn alle, die das wollen, geimpft sind.

Epidemiologe Jürg Utzinger plädiert dafür, die Basismassnahmen auch dann nur schrittweise zu lockern, wenn alle, die das wollen, geimpft sind.

STPH
Auch für SP-Nationalrätin Barbara Gysi macht es Sinn, etwa im ÖV oder beim Einkaufen weiter eine Maske zu tragen.

Auch für SP-Nationalrätin Barbara Gysi macht es Sinn, etwa im ÖV oder beim Einkaufen weiter eine Maske zu tragen.

(Parlamentsdienste/Alessandro della Valle)

Darum gehts

  • Auch wenn alle, die das wollen, geimpft sind, sollen die Basismassnahmen wie Hygiene, Abstand halten und Masken laut dem BAG von allen weiter eingehalten werden.

  • Ein Epidemiologe unterstützt dieses Vorgehen: Schrittweise und vorsichtige Lockerungen seien auch nach der Durchimpfung angezeigt.

  • Anders sehen das bürgerliche Politiker: Sobald alle sich hätten impfen lassen können, dürfe es für Geimpfte keine Einschränkungen mehr geben.

Am Freitag hat der Bundesrat den Kantonen vorsichtige Lockerungsschritte vorgeschlagen. In einem Begleitschreiben zum «Öffnungspaket II» zeigen Modelle der Task-Force: Mit einer dritten Erkrankungswelle ist in jedem Fall zu rechnen, die Entscheidungen über die Lockerungen werden aber massgeblich dafür verantwortlich sein, wie stark diese Welle ausfallen wird (siehe unten).

Unter dem Punkt «langfristige Auswirkungen» formuliert das BAG eine weitere Sorge: Gemäss dem Task-Force-Modell sei damit zu rechnen, dass es nach Abschluss der Impfaktion unter den Personen, welche sich nicht impfen lassen wollen, zu einer weiteren «substanziellen Erkrankungswelle» mit zusätzlichen Krankheits- und Todesfällen kommen wird. Dies, weil die Zirkulation des Virus auch bei einer hohen Durchimpfungsrate nicht unterbunden werden könne.

Das BAG will deshalb prüfen, ob auch nach Abschluss der Impfaktion alle weiter Abstand halten, Hygienevorschriften beachten und Masken tragen sollen, um die Krankheitsfälle unter den Ungeimpften über einen längeren Zeitraum verteilen zu können.

Epidemiologe befürwortet längeres Maskentragen

Jürg Utzinger, Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH), begrüsst dieses Vorgehen: «Es ist wichtig, dass wir diese Basismassnahmen auch dann aufrechterhalten, wenn alle sich impfen lassen konnten, um die Entwicklung beobachten zu können. Würden alle Massnahmen auf einmal fallen, liefen wir grosse Gefahr, eine weitere Ansteckungswelle bei den Ungeimpften auszulösen.» Dann drohe erneut eine starke Belastung des Gesundheitswesens.

Ähnliches lässt sich laut Utzinger derzeit in Israel beobachten: «Das Land hat extrem schnell einen Grossteil der Bevölkerung durchgeimpft. Trotzdem sind die Fallzahlen wieder angestiegen. Es könnte gut sein, dass es sich grösstenteils um Erkrankungen von Ungeimpften handelt.»

Utzinger betont: «Wir wissen auch noch nicht mit Sicherheit, wie lange die Schutzwirkung der Impfung andauert, und es gibt Fälle von Zweitinfektionen. Auch deshalb sind wir gut beraten, die Schutzmassnahmen auch nach Abschluss der Impfaktion langsam und vorsichtig zu lockern und den Effekt der Lockerungen genau zu beobachten.» Das habe auch mit Solidarität zu tun: «Es gibt auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Auch sie sollten wir bestmöglich schützen.»

«Können keine Rücksicht auf Verweigerer nehmen»

Kein Verständnis für diesen Vorschlag hat Ruth Humbel, Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission (Die Mitte): «Das Parlament hat beschlossen, dass der Bundesrat die rechtlichen Grundlagen für ein Covid-free-Zertifikat ausarbeiten soll. Sobald alle sich impfen lassen konnten, ist es nicht mehr verhältnismässig, die Rechte und Freiheiten derer, die geimpft sind oder einen negativen Test haben, weiter einzuschränken.»

Private wie Veranstalter oder Restaurants sollen laut Humbel dann die Möglichkeit haben, nur noch Gäste mit einem solchen Zertifikat einzulassen. «Wer sich weder impfen noch testen lassen will, muss auf diese Dinge eben weiter verzichten. Aber wir können dann keine Rücksicht mehr auf diese Verweigerer nehmen.» Ausnahmen sieht Humbel überall dort, wo ein öffentlich-rechtlicher Auftrag bestehe, etwa im öffentlichen Verkehr.

«Wer sich nicht impfen lassen will, muss sich selber schützen»

Auch FDP-Nationalrat Beat Walti sagt: «In dem Moment, wo alle sich impfen lassen konnten, ist jeder selber dafür verantwortlich, ob er sich impfen lässt, oder das Risiko einer Erkrankung eingeht.» Es bestehe ein weitgehender Konsens, dass es keinen Impfzwang geben soll. «Aber zum freien Entscheid, sich nicht impfen zu lassen, gehört auch die Übernahme des Risikos einer Erkrankung oder der Aufwand, sich selber zu schützen, etwa mit einer FFP2-Maske.»

Anders sieht das SP-Nationalrätin Barbara Gysi: «Wir werden auch nach Abschluss der Impfaktion nur langsam und vorsichtig lockern können. Es geht ja nicht nur um die Impf-Verweigerer, sondern auch um die Personen, die sich nicht impfen lassen können.» Bei der Maskenpflicht müsse unterschieden werden: «Im Altersheim kann diese wohl früher gelockert werden als im ÖV oder beim Einkaufen. Da ist das Maskentragen aber auch keine grosse Einschränkung.»

Situation bleibt äusserst fragil

Im Begleitpapier hat die Covid-Taskforce drei Szenarien ausgearbeitet: Szenario eins geht von kleinen Öffnungsschritten alle drei Wochen ab dem 22. März aus. Szenario zwei von drei grösseren Öffnungsschritten am 22. März, 12. April und 3. Mai. Und Szenario drei modelliert einen Öffnungsschritt am 22. März und danach die Beibehaltung der Massnahmen auf diesem Niveau. Es zeigt sich: In allen drei Szenarien muss mit einer dritten Welle gerechnet werden. Mit vorsichtigen Öffnungen und einer schnellen Durchimpfung wird die Welle aber schwächer und die Folgen fallen weniger gravierend aus. Gerade in der fragilen Situation, in der drei der vier Richtwerte des Bundesrats bereits überschritten und die Fallzahlen tendenziell am Steigen sind, wäre für das BAG ein Verzicht auf einen nächsten Öffnungsschritt oder zumindest ein kleinerer Schritt angezeigt.

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