05.09.2020 18:00

Import-Butter aus der EUWegen Käse-Export geht die Schweizer Butter aus

Der Buttervorrat neigt sich dem Ende zu, die Detailhändler beziehen nun vermehrt Import-Butter aus Deutschland, Belgien und Irland. Ein kleiner Stempel auf der Verpackung weist auf das Ursprungsland hin. Manch einer empfindet das als «Irreführung der Konsumenten».

von
Fabian Pöschl
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Die Butter im Laden stammt derzeit nicht nur aus der Schweiz.

Die Butter im Laden stammt derzeit nicht nur aus der Schweiz.

KEYSTONE
Grünen-Politikerin Meret Schneider postet ein Bild einer Butter mit Herkunftsdeklaration EU auf der Verpackungsrückseite.

Grünen-Politikerin Meret Schneider postet ein Bild einer Butter mit Herkunftsdeklaration EU auf der Verpackungsrückseite.

Twitter @Schneimere
Schneider empfindet die Umdeklarierung als «Irreführung der Konsumenten».

Schneider empfindet die Umdeklarierung als «Irreführung der Konsumenten».

KEYSTONE

Darum gehts

  • Hiesige Detailhändler müssen Butter aus der EU importieren, weil der Milchvorrat knapp wird.
  • Grüne-Nationalrätin Meret Schneider findet die Deklaration der Import-Butter unzureichend.
  • Der Butter-Branchenverband verteidigt sich.

Die grüne Nationalrätin Meret Schneider war überrascht, als sie ein Mödeli Butter sah, das aus der EU importiert wurde. «Die Verpackung sah wie üblich aus, nur das Suisse-Garantie-Logo fehlte», sagt sie zu 20 Minuten. Zudem fand Schneider auf der Verpackungsrückseite neben einer Schweizer Hersteller-Nummer einen Stempel mit der Aufschrift «Herkunft EU».

Auf Twitter postet sie ein Foto der Butter und fragt: «Sind wir der EU beigetreten, ohne dass ich es gemerkt habe?» Die Umdeklarierung sei klammheimlich geschehen, die Kundinnen und Kunden seien nicht informiert worden. Deshalb empfinde sie den Butter-Import als «Irreführung der Konsumenten».

«Die Auszeichnung ist korrekt»

Mit den Vorwürfen konfrontiert, heisst es bei der Branchenorganisation Butter (BO Butter): Auf der Verpackung müssen die Herkunft der Butter und der Hersteller, Abfüller oder Vermarkter angegeben sein. Geschäftsführer Peter Ryser sagt zu 20 Minuten: «Die Auszeichnung der Herkunft ist gesetzlich geregelt – und so wie die Produkte gekennzeichnet sind, ist es korrekt.»

Grundsätzlich wolle die Branche die Inlandnachfrage über die Inlandproduktion abdecken und nicht über Importbutter. Der Import sei aber notwendig, weil sich der Buttervorrat zu Ende neigt – das zeichnete sich bereits im Mai ab. Derzeit ist das Lager noch mit 200 Tonnen aus hiesiger Produktion gefüllt. Es dient ausschliesslich der Herstellung von Vorzugsbutter, die aus frischem Rahm hergestellt wird.

Butter-Knappheit noch bis November

Die Import-Butter ist derzeit Bestandteil bei Marken wie Die Butter oder Kochbutter im 250-Gramm-Mödeli. Das soll noch bis ungefähr November so sein, bis die Schweizer Butterproduktion wieder ausreicht, so Ryser. Die EU-Butter kommt laut Ryser hauptsächlich aus Deutschland, Belgien und Irland und erfüllt wie bei allen Lieferanten die qualitativen Anforderungen. Beim Geschmack gebe es praktisch keine Unterschiede.

Sämtliche Detailhändler müssen mittlerweile ein Kontingent an Butter importieren, sagt ein Sprecher der Migros auf Anfrage. Sowohl der Migros- als auch der Coop-Sprecher versichern allerdings, dass sie zur Import-Butter auch weiterhin Schweizer Vorzugsbutter im Sortiment haben.

Für die Händler kommt die Import-Butter nicht günstiger. «Die Migros zahlt bei ihrem Lieferanten für die Import-Butter den gleichen Preis wie für die Schweizer Butter», sagt der Sprecher. Für viele Milchprodukte bestehe ein hoher Grenzschutz. «Das heisst, der Zoll ist derart hoch, dass sich Butterimporte unter normalen Umständen nicht lohnen.» Trotzdem habe die Migros den Verkaufspreis um 15 Rappen gesenkt.

Erhöhter Käse-Export

Warum der Buttervorrat knapp wird, erklärt Ryser von der Branchenorganisation Butter mit der erhöhten Käseproduktion, die Milchmenge sei vergleichbar mit jenen der Vorjahre. Grüne-Politikerin Schneider kritisiert, dass es genug Milch in der Schweiz zur Butterproduktion gebe. «Aber die Produzenten verarbeiten die Milch zu Käse und Milchpulver und exportieren diesen ins Ausland.»

Tatsächlich meldet der Branchenverband Swiss Cheese Marketing, dass die Schweizer Käse-Exporte auch in der Corona-Krise angestiegen sind. Im ersten Halbjahr 2020 stiegen die Käse-Exporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2 Prozent.

Was sagen die Schweizer Milchverarbeiter zum Vorwurf, der Verband exportiere zu viel Käse ins Ausland? Branchenprimus Emmi antwortet auf Anfrage, dass der Schweizer Milchmarkt so gesund wie schon lange nicht mehr sei. «Dass es keinen Butterberg mehr gibt, der zu Ramschpreisen auf den globalen Handelsmärkten verschachert werden muss, ist ein Zeichen dafür», sagt eine Sprecherin zu 20 Minuten.

1000 Tonnen mehr Butter-Importe

Wegen des Butter-Engpasses hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) im Mai entschieden, das Import-Kontingent für Butter auf Anfang Juni um 1000 Tonnen zu erhöhen. 1000 Tonnen entsprechen rund 2,3 Prozent der pro Jahr in der Schweiz verkauften Buttermenge. Aufgrund der stabilen Milcheinlieferungen und der gleichzeitig höheren Käseproduktion sei weniger Milchfett für die Butterherstellung zur Verfügung gestanden.

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323 Kommentare
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The fish

06.09.2020, 22:47

Also das BWL Butter kontigent +1000Mt Schweiz Milchmarkt gesund muss nicht zu Ramschpreisen verkaufen. Orange retailer kaufen zu Ramsch Preisen in der EU...senken preis um 0.15 Rappen We hat die 1000mt kontigent bekommen wiefiel war der zoll auf dem kontigent vom Bwl. Orange retailers ? Wer findets raus? Welcher pressesprecher sagt es ?

Claude Frey

06.09.2020, 19:50

Keine Butter mehr und Gemüse würde uns auch fehlen. Gut das es die EU gibt.

JA

06.09.2020, 19:13

Darum einmal mehr ein Ja zur Begrenzungsinitiative. Die EU kann uns mal....