Nationalratswahlen: Wegen Landolt würde Brunner sogar SP wählen
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NationalratswahlenWegen Landolt würde Brunner sogar SP wählen

In Glarus macht ein Sozialdemokrat BDP-Chef Martin Landolt den Sitz streitig. SVP-Chef Toni Brunner würde erstmals in seinem Leben einen Linken wählen.

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daw
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Trotz Händedruck bei den Von-Wattenwyl-Gesprächen: Die Stimmmung zwischen BDP-Präsident Martin Landolt (M.) und SVP-Präsident Toni Brunner ist eisig. Letzterer würde lieber einen SPler wählen als Landolt.

Trotz Händedruck bei den Von-Wattenwyl-Gesprächen: Die Stimmmung zwischen BDP-Präsident Martin Landolt (M.) und SVP-Präsident Toni Brunner ist eisig. Letzterer würde lieber einen SPler wählen als Landolt.

Keystone/Marcel Bieri
Auch SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz sagt: «BDP und SP laufen ohnehin etwa auf dasselbe hinaus.»

Auch SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz sagt: «BDP und SP laufen ohnehin etwa auf dasselbe hinaus.»

Keystone/Gian Ehrenzeller
BDP-Präsident Martin Landolt nimmt den Angriff ernst. Er sagt aber: «Ich habe Vertrauen in das Glarner Volk und hoffe, dass es sich nicht vom Parteiengeplänkel ablenken lässt.»

BDP-Präsident Martin Landolt nimmt den Angriff ernst. Er sagt aber: «Ich habe Vertrauen in das Glarner Volk und hoffe, dass es sich nicht vom Parteiengeplänkel ablenken lässt.»

Keystone/AP/Jean-Christophe Bott

Überraschend hat BDP-Chef Martin Landolt Konkurrenz bekommen: Während die SVP auf eine Gegenkandidatur verzichtet hat, schickt die SP in letzter Sekunde Landrat Jacques Marti ins Rennen um den einzigen Glarner Nationalratssitz. Er ist der Sohn von Werner Marti, der bereits für die SP im Nationalrat sass.

Die Glarner SVP wittert nun eine Chance, die Widmer-Schlumpf-Partei zu schwächen: Sie versagt dem bürgerlichen Landolt ihre Unterstützung und hat Stimmfreigabe beschlossen. «Für die SVP wäre die Abwahl des BDP-Schweiz-Präsidenten natürlich ein Triumph – gerade auch in Hinblick auf die Bundesratswahlen», kommentiert der Glarner BDP-Kantonalpräsident Karl Mächler den Entscheid in der «Basler Zeitung».

Brunner spricht sich für SP-Kandidaten aus

Auch wenn die Glarner SVP ihren Wählern Marti nicht offen zur Wahl empfiehlt, ruft Toni Brunner indirekt zur Wahl des SP-Kandidaten auf: «Unter diesen Umständen, wie sie im Kanton Glarus herrschen, würde ich das erste Mal in meinem Leben einem Sozialdemokraten meine Stimme geben», zitiert die Zeitung den SVP-Chef. Auch Fraktionschef Adrian Amstutz würde Landolt keine Träne nachtrauern: «BDP und SP laufen ohnehin etwa auf dasselbe hinaus.» Und: «Vermissen würden wir Landolt jedenfalls nicht. Er hat sich doch einiges geleistet.»

Landolt hat die SVP in der Vergangenheit wiederholt scharf attackiert. Zum Beispiel warf er der Partei letztes Jahr «nationalsozialistische Rhetorik» und «braune Tendenzen» vor, was in der SVP für böses Blut sorgte.

BDP-Chef hat «Vertrauen in Glarner Volk»

BDP-Chef Martin Landolt nimmt den Angriff denn auch ernst. Aus Sicht der SVP Schweiz sei nachvollziehbar, dass man seine Partei zu schwächen versuche. Aber: «Toni Brunner ist kein Glarner. Ich habe Vertrauen in das Glarner Volk und hoffe, dass es sich nicht vom Parteiengeplänkel ablenken lässt.»

Selbst wenn ihm einige SVP-Wähler die Stimme verweigerten, sei es «noch einmal ein höhere Hürde», einen SP-Kandidaten zu wählen. Im Wahlkampf will Landolt seinen Leistungsausweis, seine Erfahrung und seine Verdienste für den Kanton in den Vordergrund stellen.

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