Aktualisiert 11.01.2012 22:12

LärmprozessWegen Macho-Gehabe vor Gericht

Ein junger BMW-Lenker aus Bülach hat auf dem Bahnhofplatz in Zürich im Stand absichtlich auf das Gaspedal gedrückt und dabei mit dem Lärm der Boliden nicht nur die Passanten, sondern auch einen Polizeibeamten aufgeschreckt.

von
Attila Szenogrady

Am Mittwoch musste sich ein heute 24-jähriger Autolenker aus Bülach wegen eines äusserst seltenen Delikts vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Wegen Verursachens vermeidbaren Lärms durch übermässiges Beschleunigen droht dem Schweizer mit mazedonischen Wurzeln nicht nur eine Busse von 100 Franken, sondern auch die Auferlegung der bedeutend höheren Gerichtskosten.

Flucht nach Lärmexzess

Doch was war geschehen? Gemäss den Untersuchungsakten fuhr der beschuldigte Informatiker am 21. November 2009 kurz nach Mitternacht mit seinem hochtourigen BMW M3 über den Bahnhofplatz durch das Herz der Zürcher Innenstadt. Als er bei einer Signalanlage kurz halten musste, wollte er offenbar die Stärke seiner Boliden demonstrieren und drückte im Stand auf das Gaspedal. Nicht nur zum Schrecken einiger Passanten, sondern auch eines zivilen Verkehrsbeamten, der mit einem Berufskollegen von der Kripo zu Fuss beim Tatort unterwegs war.

Der aufgeschreckte Verkehrspolizist begab sich sogleich zum Wagen des Zürcher Unterländers. Dieser sah, wie der Unbekannte in seine Tasche griff und hielt diesen aufgrund seines bedrohlichen Auftretens für einen bewaffneten Räuber. Der BMW-Lenker bekam es mit der Angst zu tun und brauste sogleich davon.

Freispruch verlangt

Der Zürcher Unterländer wähnte sich in der Folge zu Unrecht in Sicherheit. Er bekam es bald mit dem Verkehrsbeamten zu tun. Dieser schrieb in seinem Rapport von einem typischen Fall eines „Jugo-Rasers" und leitete ein Verfahren ein.

Gestern beschäftigte der Fall das Bezirksgericht Zürich, wobei der Bülacher seinen Anwalt auf einen Freispruch plädieren liess. Mangels Beweisen, wie der Rechtsvertreter ausführte. Viel Hoffnung setzte der Verteidiger auf die entlastenden Aussagen des Kripo-Beamten. Ihm sei nichts aufgefallen, hatte dieser in der Untersuchung ausgeführt. Er könne deswegen nichts dazu sagen.

Urteil demnächst erwartet

Da die Verhandlung mit erheblicher Verspätung eröffnet wurde, konnte das Gericht erst am Nachmittag beraten. Der Vorsitzende stellte in Aussicht, dass das Urteil demnächst eröffnet und der Entscheid den Parteien per Fax schriftlich zugestellt würde. Bis gestern Abend lag allerdings noch kein Ergebnis vor. Bei einem allfälligen Freispruch wäre die Moral der Geschichte wohl klar: Viel Lärm um nichts.

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