Müde 20-Minuten-Leser: «Wegen meiner Jobs schlafe ich nur 5 Stunden»
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Müde 20-Minuten-Leser«Wegen meiner Jobs schlafe ich nur 5 Stunden»

Viele 20-Minuten-Leser sind dauernd übermüdet. Wenige halten aber Schlafseminare für die Lösung. Sie appellieren an ihre Arbeitgeber.

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Viele 20-Minuten-Leser sind abends übermüdet. Einige leiden unter der Doppelbelastung, weil sie aus finanziellen Gründen zwei Jobs brauchen.

Viele 20-Minuten-Leser sind abends übermüdet. Einige leiden unter der Doppelbelastung, weil sie aus finanziellen Gründen zwei Jobs brauchen.

Keystone/Martin Ruetschi
R.K. arbeitet beispielsweise tagsüber zu 100 Prozent bei einer Maschinenbau-Firma ...

R.K. arbeitet beispielsweise tagsüber zu 100 Prozent bei einer Maschinenbau-Firma ...

Keystone/Gaetan Bally
... abends steht er dann noch hinter dem Tresen einer Bar. An Schlafen sei nach Feierabend lange nicht zu denken.

... abends steht er dann noch hinter dem Tresen einer Bar. An Schlafen sei nach Feierabend lange nicht zu denken.

Keystone/Christian Beutler

Arbeitgeber fordern von ihrem Mitarbeitern, weniger in den Ausgang zu gehen und mehr zu schlafen. Viele Firmen bieten mittlerweile Kurse und Seminare rund um den Schlaf an. Pepo Hofstetter, Sprecher der Gewerkschaft Unia, spricht von reiner Symptombekämpfung. «Es ist doch paradox, wenn Unternehmen von ihnen immer mehr Leistung fordern und gleichzeitig verlangen, dass sie genug schlafen.» Tatsache ist jedoch, dass viele – vor allem junge Menschen – dauernd müde sind.

So geht es auch etlichen 20-Minuten-Lesern. S.V.* ist zu 100 Prozent bei einem Rückversicherer angestellt und konstant übermüdet. «Ich leite Projekte und trage viel Verantwortung», sagt die 30-Jährige. Abends habe sie jeweils Mühe, von der Arbeit abzuschalten. Oftmals bekomme sie noch Mails von Vorgesetzten, die umgehend eine Antwort erwarteten.

«Ich muss einschlafen, ich muss einschlafen»

Die Arbeitsbelastung in ihrer Firma sei enorm. «Wenn ich im Bett liege, gehe ich im Kopf schon durch, was ich nächsten Tag alles noch erledigen muss – dabei wird mir manchmal fast übel», so V. Dann beginne sie sich selbst unter Druck zu setzen: «Ich schaue auf die Uhr und denke ‹Ich muss einschlafen, ich muss einschlafen›. Das klappt dann natürlich erst recht nicht.»

Schlafseminare halte sie allerdings für den falschen Lösungsansatz. «Mir wäre viel lieber, jemand würde mich bei der Arbeit mehr unterstützen und hin und wieder loben.» Wer abends die Firma mit einem guten Gefühl verlasse, schlafe nachts auch besser.

Sie störe auch die Vorstellung, dass ein Arbeitgeber, der ohnehin schon sehr viel Macht über seine Angestellten habe, auch deren Freizeit kontrollieren wolle. Sie gehe am Wochenende oft und gerne in den Ausgang: «Danach schlafe ich aber auch gut und genug – ganz im Gegensatz zu den Nächten unter der Woche.»

«Weniger Leistungsdruck und mehr Lohn»

R.K.* arbeitet tagsüber im Maschinenbau und abends in einer Bar. Damit komme er im Schnitt auf ein Arbeitspensum von 140 Prozent. «Ich schlafe wegen meiner Jobs pro Nacht fünf bis sechs Stunden», so der 32-Jährige. Müdigkeit gehöre zu seinem Alltag. Weniger zu arbeiten, komme aber nicht in Frage. «Ich muss Alimente zahlen, das kriege ich mit nur einem Job nicht hin.»

Schlafseminare sind für ihn aber auch keine Lösung. «Es wäre viel besser, man würde einerseits den Leistungsdruck reduzieren", was weniger Arbeitsstunden pro Tag bedeutete, so K. Andererseits müssten auch die Lohnstrukturen geändert werden. «Es ist extrem belastend, wenn man täglich 13 Stunden arbeiten muss, damit man seine Familie durchbringt.» Die Erwartung vieler Arbeitgeber, dass Mitarbeiter rund um die Uhr erreichbar sein müssen, trage zusätzlich dazu bei, dass man nie abschalten könne.

Abends jeweils völlig übermüdet

«Ich plädiere für eine gewisse Kulanz», sagt K. Wer einen guten Job leiste, soll auch hie und da in den Ausgang gehen und dann etwas später zur Arbeit erscheinen dürfen. Wer hingegen jeden Abend Party mache und dann todmüde und verkatert im Büro erscheine, dürfe nicht auf das Verständnis des Chefs hoffen.

Auch Leser S.R.* leidet unter einer Doppelbelastung. Der 21-Jährige arbeitet 100 Prozent in einem Altersheim und verträgt in einem 30-Prozent-Pensum Zeitungen. «Mir machen zwar beide Jobs Spass, aber nach einem Elf-Stunden-Tag bin ich abends jeweils völlig übermüdet.» Ein Schlafseminar würde er gerne besuchen. Dies sollte aber aus Eigeninteresse geschehen und nicht, weil es der Arbeiter so wolle.

*Namen der Redaktion bekannt

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