Fehlbildung tubuläre Brust – eine Leserin erzählt

Aktualisiert

Lovely Me «Wegen meiner Rüsselbrust hatte ich 8 Jahre nur mit BH Sex» 

Als Anna (28) in die Pubertät kommt, entwickelt sich ihre Brust nicht normal. Bis heute leidet sie an ihrer «Rüsselbrust», einer genetischen Fehlbildung – doch gibt sie die Hoffnung auf eine OP nicht auf.

von
Gabriela Graber
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Anna (28) hat eine genetische Fehlbildung, eine sogenannte tubuläre Brust oder Rüsselbrust, die sie seit ihrer Pubertät täglich belastet. 

Anna (28) hat eine genetische Fehlbildung, eine sogenannte tubuläre Brust oder Rüsselbrust, die sie seit ihrer Pubertät täglich belastet. 

Privat 
«Eines Tages beim Duschen nach dem Turnunterricht bemerkte ich, dass die Brüste meiner Klassenkameradinnen völlig anders aussahen als meine. Ich war damals 14 Jahre alt», erzählt Anna. (Symbolbild) 

«Eines Tages beim Duschen nach dem Turnunterricht bemerkte ich, dass die Brüste meiner Klassenkameradinnen völlig anders aussahen als meine. Ich war damals 14 Jahre alt», erzählt Anna. (Symbolbild) 

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Ihre Mutter meldete sie darauf bei der Frauenärztin an, die die Diagnose «tubuläre Brust» stellte und ihr sagte, dass ihre Brust nie normal sein würde. Anna hat seither starke Komplexe. (Symbolbild) 

Ihre Mutter meldete sie darauf bei der Frauenärztin an, die die Diagnose «tubuläre Brust» stellte und ihr sagte, dass ihre Brust nie normal sein würde. Anna hat seither starke Komplexe. (Symbolbild) 

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Darum gehts 

«Eines Tages beim Duschen nach dem Turnunterricht bemerkte ich, dass die Brüste meiner Klassenkameradinnen völlig anders aussahen als meine. Ich war damals 14 Jahre alt. Zuhause erzählte ich meiner Mutter davon, die meinen Busen prüfte und mich sogleich bei der Frauenärztin anmeldete. Diese stellte die Diagnose ‹tubuläre Brust› oder ‹Rüsselbrust›, eine Fehlbildung – und sagte, dass meine Brust nie normal sein würde.

«Ich duschte nur noch mit Bikinioberteil»

Für mich brach eine Welt zusammen. Wie sollte ich mit solchen Brüsten jemals einen Mann kennenlernen können? Ich verschloss mich, duschte nur noch mit Bikinioberteil und versteckte mich unter dicken T-Shirts. Mit meinen Freundinnen redete ich nie darüber. Sie bemerkten zwar, dass etwas mit mir nicht stimmte, aber irgendwann war ich einfach immer nur ‹die Verklemmte›.

Rund zwei Jahre nach der Diagnose schaffte es ein Junge der Klasse trotz allem, zu mir durchzudringen. Wir wurden ein Paar und führten acht Jahre lang eine Beziehung – doch meine Brüste sah er nie. Eher hätte ich mich von ihm getrennt, als ihm meinen Busen zu zeigen. Sex hatten wir immer mit BH. Am Anfang irritierte ihn das sehr, worauf ich ihm irgendwann von meiner Fehlbildung erzählte – und er mein schräges Verhalten akzeptierte.

«Meine Brust zu zeigen, war einer der schlimmsten Momente meines Lebens»

Auch meinem zweiten Freund gab ich zu verstehen, dass ich Zeit brauchte, um mich nackt vor ihm zu zeigen – und schlief erneut nur mit BH mit ihm. Doch er hörte nicht auf, mich zu fragen, was los sei. Ich nahm also allen meinen Mut zusammen und zeigte ihm meine Brüste. Es war einer der schlimmsten Momente meines Lebens. Doch mein Freund sagte mir, er liebe mich so, wie ich bin – auch mit meiner Rüsselbrust. An den Komplexen, die ich deshalb habe, hat sich trotzdem bis heute nichts geändert.

«Ich will weder lügen noch jammern, um die OP bezahlt zu kriegen»

Meine Brust könnte operiert werden. Doch meine Krankenkasse hat das Gesuch auf Kostengutsprache zweimal abgelehnt – was meine Ärzte beide Male nicht verstehen konnten. Meine zweite Ärztin sagte, ich solle es über einen Umweg beim Psychiater versuchen und dort betonen, wie sehr ich unter der Fehlbildung leide. Das kam mir jedoch falsch vor. Ich will weder lügen noch jammern, um die OP bezahlt zu kriegen, denn eigentlich habe ich ein glückliches Leben. Ich hatte gehofft, dass ich irgendwann mal 10’000 bis 15’000 Franken gespart hätte, um die OP selber bezahlen zu können. Aber auch das ist bisher nicht geschehen. Inzwischen habe ich beinahe aufgegeben.

Doch wenn ich mich an heissen Tagen in dicken Shirts verstecke, einen Pulli anziehe, wenn der Pöstler klingelt – und mein Kind wegen der Form meines Busens nicht stillen kann, werde ich traurig. Mein grösster Traum wäre es, normale Brüste zu haben und mich weiblich fühlen zu können. Ich denke, das wünscht sich jede Frau.»

Der Entscheid der Krankenkasse, die OP nicht zu übernehmen, der 20 Minuten vorliegt, wird mit «Kein Krankheitswert ausgewiesen» begründet. Die Krankenkasse, bei der Annas Ärzte die Gesuche gestellt hatten, kann aus Datenschutzgründen keine Auskunft zum Fall geben. Bei «Sympany», ihrer aktuellen Kasse, heisst es, dass bei tubulären Brüsten keine generelle Aussage zur Kostenübernahme gemacht werden könne. «Jede Anfrage wird durch die Vertrauensärzte von Sympany individuell beurteilt. Die Kostenübernahme durch den obligatorischen Krankenversicherer setzt einen Krankheitswert voraus. Die Empfindung zum Aussehen eines Organes an sich stellt noch keinen Krankheitswert dar», so Marc Lüthi von «Sympany». «Wenn der ästhetische Mangel körperliche oder psychische Beschwerden mit Krankheitswert verursacht hat und deren Behebung das eigentliche Ziel des Eingriffs ist, kann dies zur Folge haben, dass die Grundversicherung die OP übernimmt.»

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*Name geändert 

«Frauen leiden häufig unter der abnormen Brustform» 

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