St. Gallen: «Wegen der Polizei kaufe ich mir kein anderes Auto»
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St. Gallen«Wegen der Polizei kaufe ich mir kein anderes Auto»

B. Burgstaller fuhr vergangenen Samstag durch die Stadt St. Gallen. Obwohl er normal gefahren sei, habe ihn die Polizei kontrolliert. Er fühlt sich diskriminiert.

von
Tabea Waser
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Mit seinem Auto fällt B. Burgstaller (33) auf, das weiss er. 

Mit seinem Auto fällt B. Burgstaller (33) auf, das weiss er.

privat
Am Samstag sei er nur deshalb von der Polizei in St. Gallen kontrolliert worden. 

Am Samstag sei er nur deshalb von der Polizei in St. Gallen kontrolliert worden.

privat
Er sei nämlich normal gefahren. 

Er sei nämlich normal gefahren.

privat

Darum gehts

  • Ein Lenker bzw. sein BMW wurde am Samstag von der Stadtpolizei St. Gallen kontrolliert.

  • Der Lenker fühlt sich unfair behandelt, weil er nichts falsch gemacht habe.

  • Laut der Stadtpolizei St. Gallen kommen aus der Bevölkerung immer wieder Beschwerden über Lenker, die unnötig Lärm verursachen.

  • Anders als bei Personenkontrollen braucht die Polizei bei Verkehrskontrollen keine Anhaltspunkte, um die Kontrolle durchführen zu dürfen.

So gegen 15 Uhr vergangenen Samstag fuhr B. Burgstaller mit seinem matt-schwarzen BMW Z3 Coupé durch die Stadt St. Gallen. «Ich kam an ein Lichtsignal und hielt an. Hinter mir etwa zehn weitere Autos», erzählt der 33-Jährige. Dann habe er im Rückspiegel einen Geländewagen bemerkt, der auf der Busspur an der Kolonne vorbeifuhr. «Ich dachte mir noch, der Fahrer muss irgendwie verwirrt sein.» Als sich der Wagen auf seiner Höhe befand, sei ein Polizist ausgestiegen und habe ihm gesagt, er müsse ihnen nachfahren.

Burgstaller: «Ich habe absolut nichts falsch gemacht. Es lag nur an meinem aussergewöhnlichen Auto.» In letzter Zeit sei er zwar schon länger nicht mehr angehalten worden, das erste Mal sei es aber nicht gewesen.

Kein Verstoss festgestellt

Bei der anschliessenden Kontrolle samt Lärmmessung in einer Halle habe ihm ein Polizist dann auch gesagt, dass er mit solch einem Auto eben damit rechnen müsse, herausgewunken zu werden. Burgstaller findet das unfair und diskriminierend. «Ich habe ein auffälliges Auto, einiges verändert und viel Zeit und Geld darin investiert. Aber alle Änderungen habe ich korrekt eintragen lassen.» Es sei alles legal.

Auch die Polizei konnte bei der Kontrolle nichts Verbotenes feststellen. Burgstaller sei nicht der einzige gewesen, der kontrolliert worden sei an diesem Tag. Die Polizei habe es offenbar gezielt auf Tuner abgesehen gehabt. Er habe bei der Kontrolle sogar noch warten müssen, bis er dran kam. Für ihn sei das Ganze einfach blosse Zeitverschwendung gewesen. Ihm sei schon klar, dass es in der Szene auch Personen gebe, die es übertreiben. Alle mit getunten Autos in eine Schublade zu stecken, sei aber nicht nur diskriminierend, sondern auch nervig. «Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher, dabei bin ich nur normal gefahren.»

Dass ihm so etwas wieder passiert, nimmt er aber in Kauf. Für ihn ist nämlich klar: «Wegen der Polizei kaufe ich mir bestimmt kein anderes Auto.»

Kontrolle ohne Anhaltspunkt möglich

Wie es auf Anfrage bei der Stadtpolizei St. Gallen heisst, erhält die Polizei regelmässig Reklamationen aus der Bevölkerung zu Autofahrenden, die unnötigen Lärm verursachen. «Dazu gehört beispielsweise am Lichtsignal den Motor aufheulen lassen oder unnötig starkes Beschleunigen. Immer wieder weisen solche Autos technische Abänderungen auf, die nicht gestattet sind», führt Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei aus. Dadurch entsprechen Fahrzeuge nicht den Vorschriften und die Fahrweise könne eine Gefährdung für andere sein. Deshalb führe die Stadtpolizei immer wieder Verkehrskontrollen durch. Gerade an schöneren Tagen seien vermehrt abgeänderte Fahrzeuge anzutreffen oder Autofahrende, die unnötigen Lärm verursachen.

Am Samstag wurden laut Widmer sechs Autofahrende angezeigt, die beispielsweise den Motor aufheulen oder die Reifen durchdrehen liessen oder mit Reifen, bei denen die Karkassen bereits sichtbar waren, herumgefahren sind. «Und anders als bei Personenkontrollen braucht die Polizei bei Verkehrskontrollen keinen Anhaltspunkt, um eine Kontrolle durchführen zu dürfen. D.h. es finden immer wieder Grosskontrollen statt, bei denen alle Fahrzeuge und deren Insassen kontrolliert werden», so der Sprecher.

Die Erfahrung zeige, dass gerade bei visuell erkennbar getunten Fahrzeugen oft technische Mängel oder unerlaubte Fahrzeugteile ausfindig gemacht werden. «Aufgrund dessen kann dies ein Grund sein, um ein abgeändertes Fahrzeug zu kontrollieren, ohne dass es weiter aufgefallen ist.»

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Deine Meinung

363 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Auto Fan

02.04.2021, 19:52

Coola Charra. Aber mit dem muss man leben, dass man öfters in die Kontrolle gerät. Betrifft z.B. auch Geländewagen-Fahrer. Aber ist ja nicht so tragisch wenn alles legal eingetragen ist und man sich im Verkehr entsprechend korrekt verhält.

Bashkim1

02.04.2021, 15:20

Zitat: 《Ihm sei schon klar, dass es in der Szene auch Personen gebe, die es übertreiben. Alle mit getunten Autos in eine Schublade zu stecken, sei aber nicht nur diskriminierend, sondern auch nervig.》 Hätte der gute Herr auch einen Gegenvorschlag, wie man die welche es übertrieben und welche die alles ordnungsgemäss haben unterscheiden kann?

Oropax

02.04.2021, 11:39

Allgemeine Verkehrskontrollen sind absolut rechtens. Ob gewisse Polizisten ihre macht dabei ausnützen sei dahingestellt. Raser innerorts, laute Raser innerorts, kontrollierte Fehlzündungen die das laute Knallen verursachen und illegale Klappenabgasanlagen sollten noch härter bestraft werden.