Wegen Plagiatsvorwürfen – zwei HSG-Professoren freigestellt

Aktualisiert

St. GallenWegen Plagiatsvorwürfen – zwei HSG-Professoren freigestellt

Der Präsident des Universitätsrates, Bildungsdirektor Stefan Kölliker, hat auf Antrag von Bernhard Ehrenzeller, Rektor der Universität St. Gallen, am Freitag zwei Professoren freigestellt.

von
Florian Osterwalder
Jeremias Büchel
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Gegen zwei Professoren der HSG wurden in letzter Zeit öffentlich massive Vorwürfe erhoben.

Gegen zwei Professoren der HSG wurden in letzter Zeit öffentlich massive Vorwürfe erhoben.

20min/News-Scout
«Der Professor hat eine Arbeit eines Studenten unter eigenem Namen veröffentlicht», sagt Rektor Bernhard Ehrenzeller. Nun wurden er und ein weiterer Professor provisorisch freigestellt. 

«Der Professor hat eine Arbeit eines Studenten unter eigenem Namen veröffentlicht», sagt Rektor Bernhard Ehrenzeller. Nun wurden er und ein weiterer Professor provisorisch freigestellt. 

HSG
«Ein Schritt in die richtige Richtung», sagt Rechtsanwältin Senta Cottinelli, die den Fall ins Rollen gebracht hat. 

«Ein Schritt in die richtige Richtung», sagt Rechtsanwältin Senta Cottinelli, die den Fall ins Rollen gebracht hat. 

Bereits im Vorfeld wurden öffentliche Vorwürfe gegenüber HSG-Professoren bekannt. Dabei ging es um Plagiatsvorwürfe. Die Universität St. Gallen schreibt in einer Medienmitteilung: «Aufgrund laufender Untersuchungen sind die beiden Professoren provisorisch freigestellt worden. Die provisorische Freistellung ist bis zur Anordnung von definitiven Massnahmen wirksam. Die Freistellungen sind begründet wegen des sich erhärtenden Verdachts auf erhebliche wissenschaftliche Integritätsverletzungen und einer möglichen Vereitelungsgefahr, aber auch, um die ungestörte Aufklärung der Fragen rund um die Leitung des Instituts zu gewährleisten.»

«Ausschlaggebend für die Freistellung des einen Professors ist die Bachelorarbeit eines Studenten gewesen, die der Professor unter seinem eigenen Namen veröffentlichte», sagt Bernhard Ehrenzeller, Rektor der Universität St. Gallen auf Anfrage von 20 Minuten. Den Namen des Studenten habe der Professor aus der Datenbank gelöscht. Um weitere solche Fälle zu vereiteln, sei der Mann nun provisorisch freigestellt worden. «Er hat nun keine Zugänge mehr zu den IT-Systemen der HSG.» Da der andere Professor eng mit dem ersten zusammenarbeite, sei auch dieser freigestellt worden, da es gewisse Abhängigkeiten geben könnte. 

Kurz nach Bekanntwerden der Freistellung äusserten sich Studierende positiv auf die getroffene Massnahme. «Geht doch», heisst es beispielsweise. «Brav, HSG.»  

Den Fall ins Rollen brachte Rechtsanwältin Senta Cottinelli, sie zeigt sich nach dem Entscheid erleichtert und spricht einerseits von einem ersten Schritt in die richtige Richtung. Andererseits hätte es gar nie so weit kommen dürfen. «Es braucht tiefgründige strukturelle Veränderungen an der HSG.» 

Einsetzung eines «Verantwortlichen-Ausschusses»

Damit die Geschäfte aber weiterlaufen, wird Prof. Dr. Thomas Friedli per sofort als Sachwalter für die Führung des Instituts eingesetzt. Weiter schreibt die Universität: «Integres Handeln aller Universitätsangehörigen ist einer der zentralen Werte der HSG. Um seine Bedeutung heute und in Zukunft zu unterstreichen und den entsprechenden Kulturwandel voranzutreiben, bildet die HSG einen hochrangig besetzten sogenannten ‹Verantwortlichen-Ausschuss›.» 

Weitere Plagiatsfälle könne man derzeit nicht grundsätzlich ausschliessen, man sei aber dabei, die Altlasten zu bereinigen, sagt Rektor Ehrenzeller auf Anfrage. Scheinbar hätten sich nicht alle an die vereinbarten Grundsätze gehalten. Doch nun sei man besser aufgestellt. «Wir schaffen nun eine neue Basis», so Ehrenzeller. 

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