Reaktion auf Schockvideo: Wegen Quäl-Produzenten – Tierschützer wollen Eier-Subventionen streichen
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Reaktion auf SchockvideoWegen Quäl-Produzenten – Tierschützer wollen Eier-Subventionen streichen

Ein Video zeigt Missstände in zwei Schweizer Hühnerbetrieben. Nun will eine Tierrechtsorganisation, dass der Bund den Eier-Produzenten Subventionen streicht.

von
Marino Walser
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Die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus zeigt in einem Video Missstände in zwei Hühnerbetrieben. Nun fordert die TIF die Streichung der sogenannten Marktentlastungsmassnahmen, mit denen der Bund die Produktion von Eiern fördert, und lanciert zu diesem Zweck eine Petition. 

Die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus zeigt in einem Video Missstände in zwei Hühnerbetrieben. Nun fordert die TIF die Streichung der sogenannten Marktentlastungsmassnahmen, mit denen der Bund die Produktion von Eiern fördert, und lanciert zu diesem Zweck eine Petition. 

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Marktentlastungsmassnahmen sorgen dafür, dass der Preis überschüssiger Eiern gestützt wird. Der Bund bezahlt Subventionen an Grossverteiler und Eier-Produzenten. 

Marktentlastungsmassnahmen sorgen dafür, dass der Preis überschüssiger Eiern gestützt wird. Der Bund bezahlt Subventionen an Grossverteiler und Eier-Produzenten. 

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Tobias Sennhauser, Präsident Tier im Fokus, sagt: «Wir wollen damit eine Umverteilung der Subventionen bewirken. Weg von der Tierindustrie, hin zum nachhaltigen Pflanzenanbau. Im Moment aber animiert der Staat die Konsumierenden mittels Aktionen dazu, Eier aus Massentierhaltungsbetrieben zu kaufen.»

Tobias Sennhauser, Präsident Tier im Fokus, sagt: «Wir wollen damit eine Umverteilung der Subventionen bewirken. Weg von der Tierindustrie, hin zum nachhaltigen Pflanzenanbau. Im Moment aber animiert der Staat die Konsumierenden mittels Aktionen dazu, Eier aus Massentierhaltungsbetrieben zu kaufen.»

Nicole Philipp

Darum gehts

Die Tierrechtsorganisation «Tier im Fokus» (TIF) veröffentlichte am Wochenende schockierende Videoaufnahmen von zwei Schweizer Hühnerbetrieben in den Kantonen Fribourg und Aargau. Darin zu sehen sind apathische Hühner, die am Boden liegen, unter blutigen Verletzungen leiden oder gar tot sind.

Das Thema erreicht nun auch die Politik. Der Grund: TIF fordert die Streichung der sogenannten Marktentlastungsmassnahmen, mit denen der Bund die Produktion von Eiern fördert, und lanciert zu diesem Zweck eine Petition. Im Sommer soll sie eingereicht werden, wie Tobias Sennhauser, Präsident von TIF, gegenüber 20 Minuten sagt. Der Preis von überschüssigen Eiern soll nicht mehr durch Bundessubventionen gestützt werden. «Wir wollen damit eine Umverteilung der Subventionen bewirken. Weg von der Tierindustrie, hin zum nachhaltigen Pflanzenanbau. Im Moment aber animiert der Staat die Konsumierenden mittels Aktionen dazu, Eier aus Massentierhaltungsbetrieben zu kaufen», sagt Sennhauser.

Zwei Millionen Franken im Jahr 2022

Der Bund schüttet jährlich die Marktentlastungsmassnahmen für Eier-Produzenten aus, dieses Jahr stehen dafür zwei Millionen Franken zur Verfügung. Das geht aus der Ausschreibung auf der Website des Bundesamts für Landwirtschaft hervor. Der Geldhahn soll also, wenn es nach den Tierrechtsorganisation Tier im Fokus (TIF) geht, in Zukunft zugedreht werden.

Mike Egger, SVP-Nationalrat, hält das für falsch. Er ist der Meinung, dass zwei Dinge miteinander vermischt werden. Zum einen gehe es um die Tierhaltung an sich und zum anderen um die finanzielle Unterstützung der Produzenten. Die Produzenten aufgrund eines schwarzen Schafes vor ungewisse Zeiten zu stellen, sei falsch. Schliesslich habe die Schweiz das strengste Tierschutzgesetz der Welt und dieses gelte es einzuhalten. «Die Marktentlastungsmassnahmen sind aber wichtig, damit die Preise beispielsweise nach Ostern nicht rapide sinken, nur weil die Nachfrage zurückgeht, sondern stabilisiert werden», sagt Egger.

Fehlanreiz vonseiten des Bundes

Schockiert über das Video zeigt sich die Grüne-Nationalrätin Meret Schneider. Sie setzt sich schon seit geraumer Zeit für das Verbot von Qualzuchten, gegen die Massentierhaltung und für das Tierwohl ein. Sie sagt: «Es gibt eine Überproduktion von Eiern, und gleichzeitig subventioniert der Bund die Hühnerindustrie, damit die Preise beispielsweise bei den Eiern stabil gehalten werden. Dies ist Fehlanreiz vonseiten des Bundes», sagt Schneider. Deshalb ist auch sie der Meinung, dass die Marktentlastungsmassnahmen gestrichen werden müssen.

SP-Nationalrätin Martina Munz geht sogar noch einen Schritt weiter: «Grundsätzlich müssen alle Subventionen für tierische Produkte gestrichen werden. Somit auch die Marktentlastungsmassnahme für Eier», sagt Munz.

Gefängnisstrafe für Tierhalter ist möglich

Nebst der eingereichten Petition hat die TIF die beiden Tierhalter auch wegen mehrfacher Tierquälerei angezeigt. Doch was droht den beiden im Falle einer Verurteilung? Müssen sie gar ins Gefängnis?

Gieri Bolliger, Rechtsanwalt und Geschäftsleiter der Stiftung Tier im Recht (TIR), hält das für möglich. «Ja, dass die Tierhalter ins Gefängnis müssen, ist durchaus denkbar», sagt Bolliger. Verantworten müssten sich die Tierhalter für mehrfache Tierquälerei, was zu einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren führen könnte. Das wahrscheinlichere Urteil sei aber eher eine Geldstrafe. «Ein solches Tier leidet aber nicht nur einen Moment, sondern sein ganzes Leben. Daher bin ich der Meinung, dass eine Gefängnisstrafe absolut gerechtfertigt wäre», sagt Bolliger.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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