Freier Grenzverkehr: Wegen Sextourismus – Puffs geben Euro-Rabatt
Aktualisiert

Freier GrenzverkehrWegen Sextourismus – Puffs geben Euro-Rabatt

Bei Bordellen ennet der Grenze herrscht wegen des starken Frankens Hochbetrieb. Schweizer Freudenhäuser liefern sich einen erbitterten Preiskampf.

von
ann/gbr
1 / 4
Super-Preis-Kracher aus Deutschland: So lockt der FKK-Palast auf Freiburg (D) Schweizer Kunden über die Grenze. Mit einem unverschämt guten Euro-Franken-Wechselkurs. Und mit grossem Erfolg, sagt ein Mitarbeiter.

Super-Preis-Kracher aus Deutschland: So lockt der FKK-Palast auf Freiburg (D) Schweizer Kunden über die Grenze. Mit einem unverschämt guten Euro-Franken-Wechselkurs. Und mit grossem Erfolg, sagt ein Mitarbeiter.

Screenshot Website
Schweizer Bordelle bangen wegen des zunehmenden Grenzverkehrs der Freier um Kundschaft - und reagieren mit Euro-Aktionen, so wie hier der Club Westside in Frauenfeld...

Schweizer Bordelle bangen wegen des zunehmenden Grenzverkehrs der Freier um Kundschaft - und reagieren mit Euro-Aktionen, so wie hier der Club Westside in Frauenfeld...

Screenshot Website
...oder das Palace in Gisikon...

...oder das Palace in Gisikon...

Screenshot Website

«Profitiere jetzt vom starken Franken!»: So wirbt der «FKK-Palast» im deutschen Freiburg derzeit um Kundschaft, mit wehendem Schweizerfähnchen und einem Euro-Franken-Kurs von 1:1. Besser als bei jeder Bank. Mit Erfolg: «Wir stellen ganz klar eine Zunahme von Schweizer Kunden fest», sagt ein Mitarbeiter zu 20 Minuten. Es seien schon immer viele Schweizer gekommen – schliesslich biete das Etablissement mit den rund 30 Prostituierten «identische Leistungen und hohe Qualität bei viel tieferen Preisen» – doch derzeit, sagt der Mann, rennen die Schweizer Männer die Bude ein. «Schweizer machen jetzt rund fünfzig Prozent unserer Kundschaft aus.»

Wo man auch anfragt, klingt es ähnlich. «Ja, die Schweizer kommen jetzt öfter», sagt eine Dame von «Eva's heissen Girls» aus Konstanz und fügt an: «Wir haben fast schon Parkplatzmangel deswegen.» Schweizer stehen laut einem Mitarbeiter auch beim Club «66 FKK» in Villingen-Schwenningen Schlange. Und die «Villa Ascona» in Baden-Baden, fast zwei Fahrstunden von Basel entfernt, hat nicht bloss einen Schweizer Namen: «Etwa dreissig Prozent unserer Kunden sind Schweizer. Und es sind jetzt spürbar mehr geworden», sagt eine Mitarbeiterin.

Harter Franken – schwächelnde Schweizer Puffs

Der harte Schweizer Franken fördert den Sextourismus der Schweizer ins nahe Ausland – und das macht dem heimischen Sexgewerbe zu schaffen. Einige Puff-Betreiber wiegeln ab: «Wir merken überhaupt keinen Rückgang», heisst es etwa beim «Palladium FKK-Club» in Au SG, und beim «Club Aphrodisia» in Zürich, der «Bumsalp» in Dübendorf oder dem «Globe» in Schwerzenbach möchte man nichts zu aktuellen Enwicklungen des Besucherverkehrs sagen.

Die Angebote sprechen hingegen eine deutliche Sprache: So bietet etwa der «Saunaclub FKK Basel» eine Aktion mit dem Slogan: «Wir halten den Euro stabil». Der Aktionspreis des Schweizer Clubs ist in Euro angegeben. Im «Club Palace» in Gisikon gibt es ebenfalls eine «Euro-Aktion», und das Westside in Frauenfeld schreibt zu seiner «Euro-Aktion» explizit hinzu: «Aufgrund des starken Frankens purzeln die Preise.»

Ob die Aktionspreise wirken? Die Lokalbesitzer halten sich mehrheitlich bedeckt. Beim Westside in Frauenfeld will man keinen Unterschied feststellen. Im Palace in Gisikon sei gar so viel los, dass niemand Auskunft erteilen könne. Nicht einmal das FKK Basel will vom starken Franken etwas merken – obwohl es den Euro «stabil» hält. Die Aktion mache man immer wieder, mehrmals pro Jahr – mit dem Eurokurs habe sie nichts zu tun, der Club laufe ausgezeichnet, man habe viele Stammgäste, die immer kämen. Eine Dame sagt dann allerdings, alle wüssten, dass die Clubs in Deutschland und Frankreich derzeit «grossen Zulauf von Schweizern» hätten.

Deine Meinung