Aesch BL: Wegen Störchen bleiben die Kirchenglocken stumm
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Aesch BLWegen Störchen bleiben die Kirchenglocken stumm

Seit 2013 stand der Horst auf der reformierten Kirche Aesch leer – jetzt besteht Hoffnung auf Storchen-Nachwuchs. Dafür schwiegen die Glocken während drei Jahren in der Paarungszeit.

von
jd
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Weil die Gemeinde Aesch auf keinen Fall ein Storchen-Paar stören will, verzichtet sie auf das Läuten der Kirchenglocken.

Weil die Gemeinde Aesch auf keinen Fall ein Storchen-Paar stören will, verzichtet sie auf das Läuten der Kirchenglocken.

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Der Horst auf dem Glockenturm der Kirche besteht seit 2013. Immer wieder legten Störche einen kurzen Zwischenstopp auf dem Kirchenturm ein, nisten wollte jedoch kein Paar. Jetzt besteht wieder Hoffnung: Vor wenigen Tagen wurden Störche im Horst gesichtet. Das Bild stammt von 2014.

Der Horst auf dem Glockenturm der Kirche besteht seit 2013. Immer wieder legten Störche einen kurzen Zwischenstopp auf dem Kirchenturm ein, nisten wollte jedoch kein Paar. Jetzt besteht wieder Hoffnung: Vor wenigen Tagen wurden Störche im Horst gesichtet. Das Bild stammt von 2014.

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Während es in Aesch seit 2013 keinen Storchen-Nachwuchs mehr gab, sieht es im Zolli anders aus. Von überall ertönt das Geklapper der beliebten Vögel.

Während es in Aesch seit 2013 keinen Storchen-Nachwuchs mehr gab, sieht es im Zolli anders aus. Von überall ertönt das Geklapper der beliebten Vögel.

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Am heiligen Sonntag erklingen die Kirchenglocken in Aesch zurzeit nicht zum Gottesdienst: Die Gemeinde befindet sich im Gastgeber-Modus für ein Storchenpaar und setzt dabei auf Ruhe statt lautes Kirchengeläut: Keinesfalls sollen das Storchenpaar, das vor wenigen Tagen erstmals dort gesichtet wurden, von den Glocken abgeschreckt werden.

Weil die Vögel partout seit 2013 nicht im extra gebauten Horst auf dem Kirchenturm der reformierten Kirche nisten wollen, hatte die reformierte Kirche während der Paarungszeit der Störche einen Glocken-Stopp eingeführt. «Mit innerer Überzeugung stehe ich hinter der Entscheidung, die Glocken abzustellen», sagt Pfarrer Adrian Diethelm dem Wochenblatt.

Horst kostete 18'000 Franken

Den neu konstruierten Horst hat sich die Gemeinde einiges kosten lassen. 18'000 Franken wurden gesammelt, um den Störchen ein schönes Zuhause bieten zu können. 5000 Franken spendete der Swisslos-Fonds, die restlichen 13'000 Franken stammen aus den Taschen von Storchen-Freunden. «Der Ausbau des Horsts war etwas teurer als an anderen Orten, da wir im Innern einen Aufgang in den Turm integriert haben. Dies erlaubt es uns, während des ganzen Jahres zum Nest zu gelangen», erklärt der Pfarrer den stattlichen Preis der Storchen-Behausung.

Doch die Enttäuschung folgte gleich nach der Fertigstellung: Die Störche interessierten sich nicht die Bohne für den Horst auf dem Kirchturm. Noch kein einziges Paar zog seither dort Junge auf. Für kurze Zwischenstopps wurde der Horst in der Vergangenheit gerne genutzt, aber damit hatte es sich dann auch.

2016 fiel dann der Entschluss des Vorstandes der Kirchgemeinde von Anfang Februar bis Ende März die Glocken abzustellen. Wie lange im Falle von Storchen-Babys auf die Glocken-Klänge verzichtet würde, ist noch unklar. «Dann würde ich mich bei allen Kirchgemeinden, die ein Storchenpaar auf ihrem Turm haben, erkundigen, ob sie die Glocken während der Brutzeit läuten lassen oder nicht», erklärt der Pfarrer gegenüber 20 Minuten.

Endlich Storchenpaar gesichtet

Diethelm ist ratlos, wieso die Störche den Horst bis jetzt verschmähten: Der Nistplatz sei einfach anzufliegen und liege ganz nahe der Aescher Felder, auf denen die Störche tagsüber auf Nahrungssuche gehen können. «Es ist wie bei einem jungen Menschenpaar, das eine Wohnung mieten möchte, entweder gefällt ihnen die Wohnung und deren Lage oder eben nicht», vermutet er. Nun hat die Gemeinde aber wieder allen Grund zur Hoffnung: Anfang März wurde ein Storchenpaar auf dem Kirchturm gesichtet.

Bruno Gardelli, Leiter der Region Nordwestschweiz von Storch Schweiz hält das Abstellen der Glocken für eine angebrachte Vorsichtsmassnahme. Er betont jedoch, dass Störche nicht per se geräuschempfindliche Vögel seien. «Es gibt Störche, die über Bahnlinien brüten, wo täglich Züge im Minutentakt vorbeifahren.» Jedes Tier würde individuell auf Lärm reagieren, so Gardelli. Den Horst auf dem Aescher Kirchturm bewertet er mit Bestnoten. Ob ein Storchenpaar am Ende im Horst nisten werde, sei aber auch eine Frage des Zufalls.

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